Sie sind hier:
  • Soziale Arbeit in der Grohner Düne - Quartiersmanagement und „Unterstützung im Quartier“ sind neu besetzt

Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Soziale Arbeit in der Grohner Düne - Quartiersmanagement und „Unterstützung im Quartier“ sind neu besetzt

11.02.2019
 UiQ-Managerin Iman  Al-Najar,  Senatorin Anja  Stahmann und Quartiersmanager Christian Ganske., jpg, 38.6 KB
UiQ-Managerin Iman Al-Najar, Senatorin Anja Stahmann und Quartiersmanager Christian Ganske.

Die Unterstützung in der Grohner Düne mit ihren fast 2.000 Bewohnerinnen und Bewohnern geht in eine neue Runde. Iman Al-Najar und Christian Ganske haben zum Jahresanfang ihre Tätigkeit aufgenommen, um die Quartiersentwicklung und die Integrationsarbeit in den beiden Wohnblocks aus den späten 1960-er Jahren voranzubringen. Die beiden Kräfte machen Anwohnerinnen und Anwohnern der Düne, von denen viele erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, ein Angebot zu Unterstützung im Alltag und bei der Integration. Eng zusammenarbeiten werden sie mit Orhan Erdem, einem studierten Volkswirt, den der Eigentümer der Immobilie, Grand City Property, bereits vor rund zwei Jahren als Ansprechpartner für die Bewohner angestellt hat.

Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport, hat die beiden „Neuen“ heute an ihrem neuen Arbeitsplatz getroffen: „Wo so viele Menschen aus so vielen Kulturen zusammenleben wie in der Grohner Düne, wo viele Menschen keine Arbeit und keine formalen Bildungsabschlüsse haben, wo mehr als jeder Zweite unter der Armutsschwelle lebt, da gibt es auch geballten Bedarf an Unterstützung. Ich bin deshalb froh, dass wir zwei Menschen gefunden haben, die sich auf diese Aufgabe freuen und hoffe sehr, dass nun wieder mehr Kontinuität in die soziale Arbeit in der Düne kommt.“ Unterdessen mahnte die Senatorin aber auch, die Grohner Düne mit ihren beiden Gebäudekomplexen nicht auf das Schlagwort „sozialer Brennpunkt“ zu reduzieren. „Es gibt Probleme und Unterstützungsbedarf. Aber es gibt auch Bewohnerinnen und Bewohner, die schon lange hier leben, es gibt sehr viele Zugewanderte mit hoher Integrationsbereitschaft, denen man Unrecht tut, wenn man die Düne immer nur als Brennpunk sieht.“

„Unterstützung im Quartier“ (UiQ) – das ist die Bezeichnung für die halbe Stelle, die Iman Al-Najar künftig ausfüllen wird. In der Düne ist die in arabischer Sprache aufgewachsene Frau bereits bekannt aus ihrer Zeit als Integrationslotsin. Ihr Aufgabenbereich entspricht dem der Beratungsstellen „Ankommen im Quartier“, von denen es acht in Bremens WiN -Gebieten gibt. Nur der Träger ist ein anderer, nicht das Amt für Soziale Dienste, sondern die Innere Mission: „Diese Stellen sind nötig, weil wir wollen, dass Geflüchtete aus Übergangsheimen möglichst bald in eine eigene Wohnung einziehen“, sagte Senatorin Stahmann. „Aber die meisten brauchen nach dem Umzug noch sehr viel Unterstützung und Orientierungshilfe: beim Umgang mit Behörden, Banken, in der Ausbildungs- und Arbeitswelt.“

Iman Al-Najar (46) stammt aus dem Irak, hat dort Jura studiert und ihren Abschluss später in der Bundesrepublik anerkennen lassen. In Deutschland hat sie zunächst den Beruf der Kinderpflegerin erlernt und dann in der Kita Grohn gearbeitet, bevor sie 2013 als Integrationslotsin in den Bewohnertreff der Grohner Düne gewechselt ist. Diese Tätigkeit wird sie auch weiterhin ausüben, über ihre halbe Stelle als UiQ-Kraft hinaus. „Wenn mein Auto vor der Tür steht, dauert es nicht lange, und mein Büro ist voll“, sagt sie. Die Geflüchteten, meist aus Syrien, kämen vor allem mit behördlichen Schreiben oder mit Unterlagen von Gas-, Strom, und Wasserversorgern. „Selbst wer im Alltag schon gut deutsch spricht, versteht diese Schreiben noch lange nicht.“ Auch im pädagogischen Bereich gebe es zahllose Fragen: „Viele Frauen sind unsicher in Erziehungsfragen“, sagt Iman Al-Najar. Sie wüssten, dass Erziehungsmethoden in Deutschland anders seien als in ihrer Heimat. Sie wüssten auch, dass das Jugendamt über das Wohl ihrer Kinder wacht – und Kinder im Zweifel auch in Obhut nehmen kann. „Aus Angst, etwas falsch zu machen, sind manche Mütter dann wie gelähmt in der Erziehung“, sagt Iman Al-Najar. Viele Fragen gebe es zum Schulsystem, seinen Strukturen und zur Rolle der Eltern darin. „Die Menschen kommen mit all ihren Problemen zu mir. Ich habe Freude daran, ihnen zu helfen, sie in einen sicheren Hafen zu bringen. Das macht mich glücklich.“

Quartiersmanager Christian Ganske (30) ist seit Mitte Januar im Dienst. Er stammt aus Sachsen und hat mehrere Jahre in Bremerhaven gelebt. Den Weg in die Düne hat er über das Uni-Programm „Fokus Berufseinstieg“ und das Quartiersmanagement in Kattenturm gefunden. Seine Mentorin Sandra Ahlers hat ihm die Stelle in der Grohner Düne ans Herz gelegt. „Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden – von den Bewohnern und den Institutionen“, sagt der studierte Soziologe, der noch einen mit Master-Abschluss (MA) in Stadt- und Regionalentwicklung anstrebt. Dankbar ist er für die enge Zusammenarbeit mit Iman Al-Najar und mit Kay Borchers, der bis vor kurzem selbst als Quartiersmanager gearbeitet hat, in Marßel und in Huckelriede, und der heute WiN-Geschäftsführer in der Sozialbehörde ist. Das breite Angebot mehrerer Träger und erste Akteure im Stadtteil hat Christian Ganske bereits kennengelernt – die Kreativwerkstatt, die Sprachkurse, die Hausaufgabenhilfe und die Spielkreise für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen, sowie einige freie Gruppen, die sich hier treffen, teils selbst organisiert, teils von Ehrenamtlichen begleitet. Außerdem sind mehrere Träger mit arbeitsmarktpolitischen Programmen vor Ort, die eine Vielzahl an Stellen für Langzeitarbeitslose eingerichtet haben. „Ich will wissen, welche Angebote es schon gibt, wo noch Bedarf ist – ich bin gerade dabei, mir einen Überblick zu verschaffen“, sagt Ganske.

Unterdessen stehen auch weitere Maßnahmen aus dem „Integrierten Entwicklungskonzept“ von 2016 vor der Umsetzung, das die Lebenssituation in der Düne verbessern und sie mit den Einrichtungen im Stadtteil enger vernetzen soll. So soll die komplette Ladenzeile mit ihren sieben Geschäften im Erdgeschoss für soziale Zwecke als „Service- und Begegnungsebene“ ausgebaut werden. Einen Second-Hand-Laden für Kinderkleidung sowie einen pädagogischen Mittagstisch mit Hausaufgabenhilfe gibt es schon.

Foto: Pressestelle, Senatorin für Soziales, Frauen, Jugend, Integration und Sport