Sie sind hier:
  • Pressemitteilungen
  • Die „aufsuchende Altenarbeit“ geht vom Modellprojekt ins Regelangebot über

Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

Die „aufsuchende Altenarbeit“ geht vom Modellprojekt ins Regelangebot über

Ausschreibungen jetzt angelaufen

30.11.2012

Menschen möchten, auch wenn sie älter werden, zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Unterstützende Hilfen im Stadtteil können ihnen das ermöglichen und ihre Lebensqualität verbessern. Das hat ein Modellprojekt „Aufsuchende Altenarbeit - Hausbesuche“ gezeigt, das die Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen im Dezember 2008 ins Leben gerufen hat. Nachdem die Arbeit der ersten Jahre ausgewertet und ein fast 50-seitiger Bericht vorgelegt worden ist, steht jetzt fest: Das Projekt wird verstetigt.

„Niemand verlässt seine gewohnte Umgebung leichten Herzens“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann, „schon gar nicht, wenn man über Jahrzehnte in seiner Nachbarschaft verwurzelt ist.“ Das Projekt „Aufsuchende Altenarbeit - Hausbesuche“ habe bewiesen, „dass alte und hilfebedürftige Menschen mit ein wenig Unterstützung sich ein Stück Lebensqualität erhalten und sogar neue Lebensfreude hinzugewinnen können“. Daraus ziehe sie nun Konsequenzen: „Die Zeit des Modellprojekts ist vorbei, wir werden die Aufsuchende Altenarbeit in einem ersten Schritt verstetigen und nach und nach weiter ausbauen.“

Die Hausbesucherinnen Beate Bunjes und Karin Wanke zu Gast bei Marie Kraft
Die Hausbesucherinnen Beate Bunjes und Karin Wanke zu Gast bei Marie Kraft

Zentrales Ziel ist es, ältere Menschen enger in das gesellschaftliche Leben in ihrem Stadtteil einzubinden, die nur wenige soziale Kontakte haben oder von Isolation bedroht sind. Dazu wurde eine Beratungs- und Unterstützungsstruktur aufgebaut, die aktiv auf die Betroffenen zukommt. Es wurden Besuchsdienste eingerichtet und über bestehende Hilfsleistungen informiert. Anregungen für einen Besuch können viele aus dem Umfeld der älteren Menschen geben: Angehörige, der Sozialdienst Erwachsene im Amt für Soziale Dienste, der Sozialdienst eines Krankenhauses, das Dienstleistungszentrum oder ein Pflegedienst. Ein erster Hausbesuch durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin dient der Aufklärung über Projekt „Aufsuchende Altenarbeit - Hausbesuche“ und der Erhebung der konkreten Wünsche. Was sich daraus ergibt, hängt vom Einzelfall ab: es wird über Angebote im Stadtteil informiert (Nachbarschaftshilfe, Hausnotruf, Menüdienst), ein Besuchs- oder Begleitdienst kann vermittelt werden, also ein/e „Hausbesucher/in“ als Ehrenamtliche/r oder „In-Jobberin“; auch die Teilnahme an Veranstaltungen wird organisiert, bei Bedarf mit Begleitung und/oder Fahrdienst.

Eine begleitende Studie hat ergeben, dass die meisten der rund 350 Teilnehmer/innen des Modellprojekts über 70, viele über 80 Jahre alt sind und allein im eigenen Haushalt leben. Jede/r Dritte hat nie Kontakt zu Freunden, fast jede/r Sechste seltener als einmal im Monat. So wundert es nicht, dass am häufigsten Besuchsdienste vermittelt wurden – einfach damit jemand für eine Unterhaltung oder für Gesellschaftsspiel da ist. Sehr häufig nachgefragt war zudem Begleitung bei Wegen außer Haus, beim Spazierengehen und Einkaufen, bei Arztbesuchen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen. In Ausnahmefällen konnte vorübergehend auch sehr enge Begleitung mit täglichen Besuchen organisiert werden, etwa beim Übergang vom Krankenhaus zu einer Pflegeeinrichtung oder im Falle fortschreitender Demenz.

Ein gemeinsamer Ausflug, organisiert von der Aufsuchenden Altenarbeit. Für viele Teilnehmer ist das ein wertvolles Stück Teilhabe, Geselligkeit, Lebensfreude und Austausch, den sie sich allein kaum organisieren könnten
Ein gemeinsamer Ausflug, organisiert von der Aufsuchenden Altenarbeit. Für viele Teilnehmer ist das ein wertvolles Stück Teilhabe, Geselligkeit, Lebensfreude und Austausch, den sie sich allein kaum organisieren könnten

Daneben wurden aus den Bedürfnissen der Nachbarschaften verschiedene Veranstaltungen entwickelt: Treffen mit migrantischen Gruppen, eine Werder-Gruppe mit Besuchen im Stadion, gemeinsames Kochen, Nostalgiekino, Adventscafé, Stadtteilspaziergänge, eine Infoveranstaltung der Polizei, eine Gesprächsgruppe zum Verarbeiten von Kriegserlebnissen, sowie Ausflugsfahrten in Einkaufszentren, den Rhododendron- und Bürgerpark sowie den Tiergarten in Buschhausen.

Die Kosten des Modellvorhabens tragen die „Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen“ sowie der Bremer Fonds für Innovation und Strukturverbesserung. Umgesetzt wird es derzeit in den Stadtteilen Hemelingen und Obervieland, die Neuausschreibung richte sich an Netzwerke in allen Bremer Stadtteilen.

Das Modellvorhaben in Hemelingen ist angegliedert an das dortige Haus der Familie und wird durchgeführt von drei Kooperationspartnern: Hemelinger Nachbarschaftsbörse (Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen), Begegnungsstätte für Senioren (Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Hemelingen) und Gesellschaft für Seelische Gesundheit mbH (ASB). In Hemelingen besteht das Projektteam aus drei Personen mit einer Arbeitszeit von insgesamt 40 Stunden. Hinzu kommen ehrenamtliche Besucher/innen sowie Teilnnehmer/innen aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen („In-Jobs“), die in Besuchsdienste Personenbegleitung und weitere Projektunterstützung eingebunden sind.

Das zweite Teilprojekt ist am Dienstleistungszentrum (DLZ) Obervieland (in Trägerschaft der Paritätischen Gesellschaft für soziale Dienste Bremen mbH) angegliedert. Zwei Kräfte arbeiten dort mit insgesamt 33 Stunden, und kooperieren mit verschiedenen schon zuvor existierenden Initiativen zur Verbesserung des sozialen Miteinanders im Stadtteil. Darunter sind die Initiative „Menschen brauchen Menschen“ mit zehn bis 14 Personen, die Initiative „Zeit Schenken“ vom Netzwerk Selbsthilfe, der Simon Petri Gemeinde Habenhausen, der St. Johannes Gemeinde Arsten und die Thomas Gemeinde Kattenesch sowie die kirchlichen Dienste „Polnische Mission Bremen“ und die katholische Diakonie.

Die Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen plant im Jahr 2013 die Aufsuchende Altenarbeit zu verstetigen beziehungsweise als Regelangebot aufzunehmen. Das Angebot soll in mehr als einem Stadtteil/Ortsteil in der Stadtgemeinde Bremen aufgenommen werden. Unter Einbeziehung der Ortsämter, Kirchen, freier und privater Träger, des Amtes für Soziale Dienste und Initiativen sollen regelmäßig Hausbesuche bei älteren Menschen durchgeführt werden. Vor Ort bestehende Besuchsdienste und Angebote aufsuchender Altenarbeit sollen einbezogen werden. Für die Qualifikation der Ehrenamtlichen wird ein Angebot bereitgestellt.

Es werden ausdrücklich Netzwerke zur Interessensbekundung aufgerufen.
Näheres bei Daniela Alderete, Telefon 0421 / 361- 4094;
E-Mail: mailto:daniela.alderete@soziales.bremen.de

Zur Aufsuchenden Altenarbeit bei der Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen folgen Sie diesem Link.
www.soziales.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen69.c.22788.de

Fotos: Pressereferat für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen