Leiter des Staatsarchivs galt als "Gedächtnis der Stadt"
23.04.2026Prof. Dr. Konrad Elmshäuser, langjähriger Leiter des Bremer Staatsarchivs, ist heute (23. April 2026) in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine aktive Dienstzeit endet am 30. April. Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte würdigte den promovierten Historiker, der in Bremen seit 1996 im Staatsarchiv tätig war und dieses seit 2003 leitete.
Bürgermeister Andreas Bovenschulte hob zur Verabschiedung besonders den "unermüdlichen Einsatz von Konrad Elmshäuser für das Gedächtnis der Freien Hansestadt Bremen" hervor. "Sein Einsatz, die Vergangenheit Bremens aufzuarbeiten und zu bewahren, hat in den vergangenen 30 Jahren deutliche und prägnante Spuren in der Bremer Historie hinterlassen. Konrad Elmshäuser hat sich äußerst verdient gemacht mit seinem Einsatz für die Anerkennung von Rathaus und Roland als UNESCO-Weltkulturerbe. Auch der Erwerb der 'Kundigen Rolle' von 1489 als Quelle der Stadtrechtsgeschichte und anderer wichtiger historischer Quellen und Bestände gelang unter seiner Regie. Das Feld für seine Nachfolge hat Prof. Dr. Elmshäuser zudem bestens bestellt. Er hinterlässt das Staatsarchiv mit dem finalen Beschluss und der sichergestellten Finanzierung für den dringend notwendigen Erweiterungsbau für das Staatsarchiv. Damit ist die Bewahrung der Bremischen Historie in unserem gemeinsamen Bremer Gedächtnis, als dieses darf man das Staatsarchiv sicherlich bezeichnen, garantiert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Konrad Elmshäuser hat nicht nur die Bremer Historie geprägt, sondern auch aktiv die Zukunft der Hansestadt vorbereitet. Dafür gebührt ihm unser aller Dank."
Laudator zum Anlass des Ruhestands ist der Historiker und Leiter des Landesarchivs in Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Dr. Rainer Hering. Er hob die Leistungen Elmshäusers hervor: "Konrad Elmshäuser mit seinen vielfältigen Kompetenzen, seinem herausragenden Engagement und seinem besonderen Humor wird dem Archivwesen fehlen. Darum freue ich mich sehr, dass er uns als Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und mit seiner Tätigkeit für das Weltdokumentenerbe zunächst noch erhalten bleibt."
Der 1959 im hessischen Marburg geborene Elmshäuser studierte ab 1980 Geschichte und Germanistik an der Universität Bremen. Nach der Dissertation (1989), dem Archivreferendariat und einer ersten Tätigkeit im Staatsarchiv Stade kehrte er 1996 zum Staatsarchiv Bremen zurück, das er seit 2003 leitete.
Für die Anerkennung von Rathaus und Roland als UNESCO-Weltkulturerbe hat Elmshäuser einen wichtigen Beitrag geleistet. 2023 folgte die Aufnahme von Bremer Dokumenten zur Geschichte der Hanse in das internationale Register zum Weltdokumentenerbe. Als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bremen (seit 2004) sowie des Kuratoriums der Wilhelm und Helene Kaisen-Stiftung und in anderen Funktionen trägt Elmshäuser regelmäßig historische Themen in die Stadtgesellschaft.
Sein wissenschaftliches Werk umfasst unter anderem die in einem großen Verlagshaus als Taschenbuch erschienene "Geschichte Bremens" sowie den von ihm mitverantworteten Sammelband "Der Stadtstaat – Bremen als Paradigma". In Ausstellungen behandelte das Staatsarchiv Bremen während seiner Amtszeit wichtige Themen, darunter "700 Jahre Bremer Recht" (2003), "Glaube und Politik – Dokumente zur Reformation in Bremen" (2017) sowie "Langemarck und Langemarckstraße - missbrauchte Geschichte oder gemeinsames Gedenken?" (2025).
Der Erwerb historisch wertvoller Einzelstücke für das Staatsarchiv Bremen ist ebenso mit dem Namen Elmshäuser verbunden, namentlich die "Kundige Rolle" von 1489, eine wichtige Quelle der Stadtrechtsgeschichte, und die Karte Bremens und seines Landgebiets von 1748. Auch die digitalen Herausforderungen der Gegenwart sind unter seiner Hausleitung angegangen worden: Mit der Archiv-IT "Arcinsys" bietet das Staatsarchiv Bremen zeitgemäße Recherchemöglichkeiten; die Beteiligung Bremens an der "Digitale Archivierung Nord" sorgt für den dauerhaften Erhalt digitaler Verwaltungsunterlagen. Jahr für Jahr stellt das Staatsarchiv Bremen mehr Quellen online zur Verfügung, bald auch die Vorgänge zur Entschädigung von NS-Unrecht. Der von Elmshäuser vorbereitete Magazinneubau des Staatsarchivs wurde vom Bund als Nationales Projekt des Städtebaus prämiert, er soll 2028 fertiggestellt werden und wird die dringend benötigten Erweiterungsflächen für die Restmengen analogen Schriftguts schaffen.
Doch nicht nur auf Landesebene hinterlässt Elmshäuser seine Spuren. Seit 2009 vertritt er die deutschen Archive im Nominierungskomitee des UNESCO-Weltdokumentenerbe "Memory of the World". Seit 2024 leitet Elmshäuser dieses Gremium; er ist persönliches Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und Mitglied in deren Kulturausschuss. Dieses Engagement wird Elmshäuser auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand fortsetzen.
Die Nachfolge von Prof. Dr. Elmshäuser wird nun ausgeschrieben. Für die Übergangszeit leitet seine Stellvertreterin Dr. Brigitta Nimz das Staatsarchiv kommissarisch.
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