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Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

Zukunftsberufe Gesundheit: Gesundheitssenatorin Rosenkötter kündigt Initiative gegen Fachkräftemangel in der Pflege an

16.11.2010
Senatorin Ingelore Rosenkötter

„Pflege ist das Thema der Zukunft. Wir müssen heute handeln, um morgen die Pflege zu bekommen, die wir uns für den Fall der Fälle alle wünschen“, das sagte Sozial- und Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter heute (16. November 2010) anlässlich einer Senatspressekonferenz, bei der die Jobmesse und das Fachsymposium „G_win – Zukunftsberufe Gesundheit“ vorgestellt wurden.
Die Jobmesse und das Fachsymposium sind ein Baustein der Bremer Bildungsoffensive in der Pflege, die von Senatorin Rosenkötter initiiert wurde. „Wir wissen, dass sich die Anforderungen an die Pflege ändern. Wir wissen auch, dass zukünftig mehr Menschen pflegebedürftig sein werden. Und wir wissen, dass der Pflegeberuf für immer weniger junge Menschen attraktiv zu sein scheint. Alles in allem wissen wir also, dass wir auf ein Problem zusteuern, wenn wir nichts unternehmen“, so Rosenkötter.

„Wir sind deshalb aktiv geworden und haben bereits ein Bündel von Aktivitäten auf die Schiene gesetzt“, erläuterte die Senatorin. Dazu gehöre, dass erstens die Pflegeausbildung für verschiedenste Zielgruppen attraktiver werden muss. „Deshalb arbeiten Fachleute aus meinem Ressort auf Bundesebene mit daran, dass die Ausbildung einheitlich und generalistisch wird. Die Aufteilung in Kinderkranken-, Kranken- und Altenpfleger/in macht für die zukünftigen Anforderungen keinen Sinn mehr“, so Rosenkötter. Zudem sollen unterschiedliche Qualifikationsstufen in der Ausbildung eingerichtet werden. „Wir wollen im Frühjahr mit einer Ausbildung zur Pflegeassistent/in beginnen. Für diese Ausbildung sollen verstärkt Hauptschülerinnen und Hauptschüler angesprochen werden. Für die, die gut sind, soll es dann die Möglichkeit einer Weiterqualifizierung zur Fachkraft geben. Am Ende dieses Spektrums steht dann die Möglichkeit der akademischen Ausbildung. In Bremen wird ein neuer Bachelorstudiengang ‚Pflege’ im Jahr 2011 beginnen“, so Rosenkötter.

Für den Erfolg solcher Studiengänge sei allerdings entscheidend, dass sich auch die Praxis auf die unterschiedlichen Qualifikationsprofile einstellt und die Tätigkeiten entsprechend organisiert werden. Zudem muss darüber nachgedacht werden, die Aufgaben zwischen Medizin und Pflege neu zu ordnen. „Es ist in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß, dass eine Pflegefachkraft zum Beispiel jahrelang eine Patientin mit schwerer Diabetes ambulant zu Hause betreut und dann für die Verordnung eines Wundverbands jedes Mal den Hausarzt kontaktieren muss. Das kann die Pflegekraft mit so viel Erfahrung selber verordnen.“

Rosenkötter wandte sich außerdem gegen einen Wettbewerb der Krankenhäuser, der auf Kosten der pflegerischen Qualität geht. „Wir haben derzeit ein Finanzierungssystem der Krankenhäuser, das einen hohen Kostendruck produziert. Da 70 Prozent der Betriebskosten durch Personal ‚verursacht’ werden, ist das auch der Bereich, in dem die Krankenhäuser sparen können und müssen. Wir wollen hier eine Abwärtsspirale verhindern, die auf Kosten der medizinischen und pflegerischen Qualität geht und machen uns deshalb über den Bundesrat dafür stark, dass verbindliche Qualitätsstandards zum Einsatz von Pflegepersonal definiert werden. Nur so sind Wirtschaftlichkeit und Qualität zu erreichen“, erklärte Ingelore Rosenkötter.

Die Gesundheitssenatorin wies schließlich darauf hin, dass die Pflegeberufe – bei aller Notwendigkeit zur Veränderung und Anpassung – attraktive und zukunftsorientierte Berufe sind. „Wir sind gerade dabei eine Werbekampagne zu entwickeln, mit der wir junge Frauen und Männer auf die Vorteile dieser Berufe aufmerksam machen wollen. Immerhin handelt es sich dabei um eine qualifizierte und abwechslungsreiche Tätigkeit mit Aufstiegsmöglichkeiten“, so Rosenkötter.

Die Vielfalt des Arbeitsmarktes im Gesundheitsbereich wird bei der Jobmesse „G_win – Zukunftsberufe Gesundheit“ deutlich, die am 19. und 20. November im World Trade Center Bremen stattfindet. 37 Unternehmen und Institutionen präsentieren sich dort als Arbeitgeber mit konkreten Stellenangeboten und Fortbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte. Die Aussteller bieten zudem kostenlose Impulsvorträge an. Gleichzeitig findet ein Fachsymposium statt, in dem über die Neugestaltung der Gesundheitsberufe diskutiert wird.