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Der Senator für Kultur

"Wir sind!" gewinnt den Frauenkulturförderpreis 2022

Verleihung im Rahmen des Grand Opening für das ZFK im Tabakquartier

16.01.2023

Der Frauenkulturförderpreis 2022 geht an "Wir sind!", ein Kooperationsprojekt von Saher Khanaqa-Kükelhahn (Bürgerzentrum Neue Vahr), Vera Zimmermann (Kulturladen Huchting), Virginie Kamche (Afrika Netzwerk Bremen) und der Autorin Betty Kolodzy. Die Verleihung nahm Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz am gestrigen Sonntag (15. Januar 2023) im neuen Zentrum für Kunst (ZFK) im Bremer Tabakquartier vor.

Gruppenbild mit Siegerinnen: Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (7.v.r.) mit den Preisträgerinnen des Frauenkulturförderpreis 2022. Foto: Kulturressort
Gruppenbild mit Siegerinnen: Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (7.v.r.) mit den Preisträgerinnen des Frauenkulturförderpreis 2022. Foto: Kulturressort

"Ich freue mich, dass der Frauenkulturförderpreis heute erstmals hier vergeben werden kann. Das nehmen wir als deutliches Zeichen dafür, dass die Frauenkultur im ZFK ihren Platz gefunden hat und auch behaupten wird. Künftig sollen hier auch die netzwerkenden Künstlerinnen nationenübergreifend und kulturverbindend arbeiten", Carmen Emigholz einleitend zur Preiseverleihung.

Der Frauenkulturpreis werde vergeben an ein Projekt, das im gerade zu Ende gegangenen Jahr durch den Senator für Kultur gefördert wurde. Mit diesem Verfahren wolle man weitere Künstlerinnen angeregen, sich mit ihren Projekten zu bewerben. "Dass dies sehr erfolgreich funktioniert, zeigt sich durch den Anstieg der bisher beantragten Frauenprojekte. Im Jahr 2018 gab es noch keinen Projektantrag 'von Frauen für Frauen'. 2023 sind es schon 14 Anträge, von denen immerhin neun mit den vorhandenen Mitteln gefördert werden können."

Um weitere Mittel für Frauenprojekte zu akquirieren, soll das Original des Frauenkulturförderpreises 'Die Kleine Aphrodite' in zwei Jahren versteigert werden. Denn das Kunstwerk kann siebenmal gegossen werden und bleibt solange ein Original. Der Preis steht daher der Stadt langfristig zur Verfügung. Carmen Emigholz bedankte sich ausdrücklich bei der Künstlerin Anne Baisch und dem Bremer Rat für Integration, die die Statue als Frauenkulturförderpreis zur Verfügung gestellt haben.

Sieben Monate lang haben die Kooperationspartnerinnen in einer Vielzahl von Workshops mit den unterschiedlichsten Frauen herausgearbeitet, was Frausein ausmacht. Was ist weibliches Verhalten sowohl aus gesellschaftlicher, als auch aus der Innen-Sicht? Wer sind wir und wer wollen wir sein? Wie können wir unsere Kompetenzen stärken und stolz auf unsere weiblichen Besonderheiten sein? Wie beeinflussen Mütter und Vorbilder die Wahrnehmung der eigenen Rolle? Was ist Würde und wie können Frauen gestärkt werden, sich mit ihren Fähigkeiten und ihren Besonderheiten selbstbewusst und stark zu zeigen? Wie können wir Vielfalt wertschätzen und jede sein, wie sie ist?

Mit künstlerischen Mitteln sollten die teilnehmenden Frauen einerseits ein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Besonderheiten entwickeln, in ihrem Auftreten nach außen gestärkt werden und andererseits eine selbstbewusste und aktive Teilhabe am kulturellen Gestalten und öffentlichem Leben gefördert werden. Viele der Teilnehmerinnen haben einen Migrationshintergrund, bei dem Projekt ging es also auch um die Begegnung von Frauen unterschiedlicher Herkunftskulturen und die Teilhabe an der Gesellschaft. 400 Frauen haben an den Projekten in den Stadtteilen Neue Vahr, Huchting und Kattenturm teilgenommen.

Während woanders nichts ging aufgrund der Pandemie, durften Workshops weiterhin stattfinden, so dass im Bürgerzentrum Neue Vahr Mütter- und Töchterinterviews durchgeführt wurden über Träume, Wünsche und weibliche Identität. Daraus entstanden kleine Filme, die die Teilnehmerinnen selbst bearbeitet und geschnitten haben. Es entstanden ein Theaterstück und ein Instagrammaccount mit Texten zum Thema Frausein.

Der Kulturladen Huchting hat in "Königin WÜRDE" Bremer Frauen aller Generationen, die schon lange hier leben oder gerade erst angekommen sind, interviewt und fotografisch portraitiert. Das Fotoprojekt will die "Königin WÜRDE" einer jeden Projektteilnehmerin sichtbar machen, indem sich die Frauen ihrer Würde und der darin liegenden Kraft bewusst werden und sich trauen, sie öffentlich zu zeigen. Entstanden sind großformatige Portraits und ein Film.

In interreligiösen Kochgesprächen hat Virginie Kamche mit Frauen verschiedener Kulturen beim gemeinsamen Kochen und Essen Gespräche über Erziehung, Bildung, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Frauenrechte, Freizeitangebote geführt und filmisch festgehalten.

Im Schreibworkshop "Wer bist Du?" zu weiblichen Vorbildern hat die Autorin Betty Kolodzy, die bereits den Frauenkulturförderpreis 2019 gewann, mit den Teilnehmerinnen aus verschiedenen Kulturen das heutige Frauenbild analysiert und mittels kreativer Schreibübungen herausgearbeitet "wer wir sind beziehungsweise wer wir sein wollen", ohne selbst auferlegte Begrenzungen.

Alle Projektergebnisse wurden im August 2021 bei der "Langen Tafel" der Frauen am Vahrer See präsentiert. Bei afrikanischem Essen feierten 200 Frauen aus den Projekten gemeinsam mit Politikerinnen, Künstlerinnen und Frauen aus dem Stadtteil.

Die Jury hat in ihrer Preisvergabe die zielgruppengerechte Ansprache mit verschiedenen künstlerischen Formaten, mit denen "Wir sind!" die Grenzen zwischen unterschiedlichen Generationen und Kulturen aufgehoben hat, besonders hervorgehoben. Das Projekt ist nach Ansicht der Jury dasjenige, das die größte Anzahl und Vielfalt von Teilnehmerinnen ansprechen und unter einem gemeinsamen Dach verbinden konnte. Die Jury hält die Kooperation von unterschiedlichen Einrichtungen und Künstlerinnen mit einem breit aufgestellten Programm über verschiedene künstlerische Sparten hinweg für besonders gelungen. Als besonders lobenswert wird wahrgenommen, dass das Projekt nicht für Frauen, sondern mit den unterschiedlichsten Frauen herausarbeiten konnte, was Frausein und die Stärken von Frauen ausmacht – in aller Unterschiedlichkeit, Gemeinsamkeit und Wertschätzung von Vielfalt. Die Jury hebt auch besonders hervor, dass das Projekt trotz der Einschränkungen durch die Pandemie ununterbrochen über den Zeitraum von sieben Monaten stattfand. Für diesen herausragenden Einsatz bedankt sich die Jury ausdrücklich bei allen Projektträgerinnen und Organisatorinnen. Hervorgehoben wird auch die Nachhaltigkeit des Projektes, das in einem Teil der beteiligten Einrichtungen weiterläuft. "Wir sind!" ist weiterhin bei Instagramm sichtbar. Im Kulturladen Huchting und im Bürgerzentrum Neue Vahr laufen die Workshops zum Thema Würde, Empowerment, Bewusstsein der eigenen Stärken und Wertschätzung von Vielfalt weiter.

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Werner Wick, Pressesprecher beim Senator für Kultur, Tel.: (0421) 361-16173, E-Mail: werner.wick@kultur.bremen.de