Entwürfe des hochbaulichen Wettbewerbs wurden ausgezeichnet
23.09.2026Im denkmalgeschützten Rathaus Blumenthal soll ein Quartiershaus entstehen, in dem öffentliche Dienstleistungen und Angebote unterschiedlichster Art Platz finden. Polizei und Ordnungsdienst, das Ortsamt, das Quartiersmanagement, Angebote des Gesundheitsamtes und weitere sollen in zentraler Lage Blumenthals einen neuen Anlaufpunkt für die Stadtteilbevölkerung bilden, der als Trittstein in das sich entwickelnde Kämmerei-Quartier dient. Das Vorhaben gehört daher zu den Schlüsselmaßnahmen des Integrierten Entwicklungskonzeptes Blumenthal.
Die notwendige Sanierung des historischen Rathauses wird durch das Programm Nationale Projekte des Städtebaus gefördert. Im Frühjahr 2026 wurde ein Architekturwettbewerb zu der Aufgabenstellung ausgelobt, ein Umbaukonzept für das historische Rathaus und einen Anbau mit etwa 1.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche zu entwerfen. Für den Architekturwettbewerb bewarben sich 122 Büros, 15 Büros wurden zur Teilnahme zugelassen.
Am 17. September 2026 prämierte ein Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Katja-Annika Pahl die drei besten Entwürfe des Wettbewerbs. Das Preisgericht setzte sich aus Fachpreisrichterinnen und -richtern aus den Feldern Architektur, Städtebau und Denkmalschutz sowie Sachpreisrichterinnen und -richtern zusammen, die die Perspektive des Eigentümervertreters Immobilien Bremen, des Ortsteils sowie der beteiligten Ressorts einbrachten. Die am 16. September 2026 bei der öffentlichen Einsichtnahme in die Entwürfe abgegebenen Bewertungen wurden dem Preisgericht vorgestellt, und fanden Eingang in die Beurteilung der Arbeiten.
Den ersten Preis, dotiert mit 19.000 Euro, vergab das Preisgericht an den der Entwurf des Büros Felgendreher Olfs Köchling Architektur GmbH, Berlin, mit Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten, Berlin.
Die Arbeit "Das Haus am Weg" ergänzt das Rathaus durch eine selbstständige Figur. Genauso wie sein historischer Konterpart hat dieses Gebäude keine Vorder- und Rückseite, sondern macht allen Richtungen hochwertige Angebote. Der neue Eingang orientiert sich zum Verbindungsraum des Kämmerei-Quartiers und des Blumenthaler Stadtteilzentrums. Dies wird sehr positiv gesehen. Die repräsentativen Bestandsgiebel finden ihre Entsprechung im Tonnendach des kompakten Erweiterungsbaus. Zum neuen Quartiersplatz im Süden öffnet sich der Neubau mit einer begrünten Pergola als Bühne, ein Verweilort mit Ausblick. Die Anmutung mit ihrer klaren, einfachen Ordnung entspricht dem Denkmal, dem Ort und im Besonderen der zukünftigen Nutzung.
Einen dritten Preis, dotiert mit 9.500 Euro, vergab die Jury an den Entwurf des Büros Pussert Kosch Architekten, Dresden, mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden.
Der Entwurf fügt einen Baukörper mit einer diagonal verlaufenden Fassade an den Bestandsbau an. Es entsteht ein Platzraum - eine einladende Geste. Die verglaste Erdgeschosszone erzeugt eine visuelle Durchlässigkeit und kommt damit dem Anspruch an eine Scharnierfunktion des neuen Quartiershauses zwischen Stadt und Kämmerei-Quartier entgegen. Allerdings konnte vor allem die grundsätzliche Anordnung des neuen Baukörpers nicht in Gänze überzeugen.
Einen weiteren dritten Preis, ebenfalls dotiert mit 9.500 Euro, vergab die Jury an den Entwurf des Büros Robertneun Architekten GmbH, Berlin, mit Lohrenengel Landschaft, Berlin.
Sie ordnen den geplanten Neubau hinter dem historischen Rathaus an. Gegenüber der Landrat-Christians-Straße tritt der Neubau somit nicht in Erscheinung und überlässt dem Denkmal den Vortritt. Das Volumen des Neubaus fügt sich schlüssig in den städtebaulichen Kontext ein. Kontrovers wird das äußere Erscheinungsbild im Hinblick auf den Umgang mit dem benachbarten Denkmal diskutiert.
Senatsbaudirektor Arend Bewernitz: "Felgendreher Olfs Köchling Architektur schlägt einen flächensparsamen, sehr gut auf die Nutzungen zugeschnittenen Ergänzungsbau für das historische Rathaus Blumenthal vor. Der markante Gestaltungsansatz bietet das Potenzial für ein identitätsstiftendes Gebäude in Blumenthal und leistet einen Beitrag zur Bremer Baukultur. Mit der Gestaltung der Vorplatz- und Wegeflächen löst der Entwurf die Trittsteinfunktion zwischen Stadtteilzentrum und Kämmerei-Quartier ein."
Jörg Meyer, Immobilien Bremen: "Mit dem 1. Preis wurde der Entwurf prämiert, der den flächensparsamsten Ergänzungsbau vorsieht und den Ansprüchen der Nutzungen und Einrichtungen, die das Quartiershaus künftig bespielen sowohl im Ergänzungs- als auch im Bestandsbau sehr gut entspricht. Das ist auch wirtschaftlich ein sehr gutes Ergebnis."
Landeskonservatorin Dr. Christine Onnen: "Das Projekt mit seinem ergänzenden Neubau bietet die Chance, das historische Rathaus Blumenthal zu revitalisieren und die Ansprüche an ein neues ‚Quartiershaus‘ mit breitem Angebot für die Stadtgesellschaft zu erfüllen. Der Entwurf respektiert das Denkmal, reduziert die Eingriffe in die Substanz auf ein Minimum und tritt bei einer eigenen, starken Gestaltung zugleich dahinter zurück."
Im Anschluss an den Wettbewerb und unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichtes wird das Verhandlungsverfahren mit allen Preisträgern durchgeführt. Der nächste Schritt ist dann die Beauftragung der Planungsleistung mit dem Ziel Baubeginn im Jahr 2028.
Ansprechpartner für die Medien:
Aygün Kilincsoy, Pressesprecher bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Tel.: (0421) 361 - 6012, E-Mail: ayguen.kilincsoy@bau.bremen.de