Mehr als 700 Seiten Rückmeldungen
19.06.2026Über 700 Seiten Anregungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge haben die Qualitätsoffensive Bildung von Kinder- und Bildungssenator Marc Rackles verändert. Nach der Beteiligung von mehr als 200 Akteurinnen und Akteuren aus Kitas, Schulen, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung liegt nun die überarbeitete Fassung vor. Nachgeschärft wurde sie unter anderem beim Einsatz von iPads in Grundschulen, beim Umgang mit Schulleistungsdaten und bei der Rolle der frühkindlichen Bildung.
Kinder- und Bildungssenator Mark Rackles betont: "Die Qualitätsoffensive ist kein Papier für die Schublade. Wer Beteiligung ernst meint, muss bereit sein, Vorschläge aufzugreifen und Positionen zu verändern. Genau das haben wir getan. Die Rückmeldungen aus Kitas, Schulen, Wissenschaft, Politik, Vereinen und Verbänden haben die Offensive noch tragfähiger gemacht. Ich danke ausdrücklich allen Mitwirkenden für ihre Expertise und ihre Zeit."
Die Rückmeldungen bestätigen die grundsätzliche Ausrichtung der im Februar gestarteten Qualitätsoffensive mit ihrem Fokus auf frühe Sprachbildung, Basiskompetenzen, Inklusion, Verbindlichkeit und wirksame Unterstützungssysteme. Zugleich haben sie zu konkreten Veränderungen und Schärfungen geführt.
Eine der sichtbarsten Änderungen betrifft die Digitalisierung in den Grundschulen. Digitale Lernzeit soll verantwortungsvoll gestaltet werden: Alle Schulen entwickeln verbindliche Mediennutzungskonzepte, um Bildschirmzeiten, Konzentrationsförderung und analoges Lernen in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. In den Grundschulen erfolgt eine Ausstattung mit Endgeräten in den Jahrgängen 1 und 2 in der Regel über Klassen- oder Jahrgangssätze. Diese verbleiben in der Schule (keine personalisierte Mitnahme).
Grundlage dieser Entscheidung sind Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie, Bildungsforschung und schulischer Praxis. Die Rückmeldungen machten deutlich, dass digitale Endgeräte in den ersten Schuljahren gezielt und pädagogisch begründet eingesetzt werden sollten, anstatt zum ständigen Lernbegleiter zu werden.
Künftig setzt die Qualitätsoffensive auf einen differenzierten Ansatz: Klassensätze für konkrete Unterrichtsvorhaben, eine systematische Medienbildung sowie digitale Förderangebote dort, wo sie einen nachweisbaren pädagogischen Mehrwert bieten.
Ebenfalls verändert wurde der Umgang mit Schulleistungsdaten. Die Qualitätsoffensive verzichtet künftig auf eine grundsätzliche Veröffentlichung von Leistungsdaten einzelner Schulen.
Die Rückmeldungen machten deutlich, dass öffentliche Vergleiche schnell zu verkürzten Rankings führen können. Leistungsdaten bilden immer nur einen Ausschnitt schulischer Wirklichkeit ab und müssen im jeweiligen sozialen und pädagogischen Kontext betrachtet werden. Hinzu kommen datenschutzrechtliche Anforderungen.
Statt auf öffentliche Ranglisten setzt die Qualitätsoffensive auf datengestützte Qualitätsentwicklung innerhalb des Bildungssystems. Schulen sollen Leistungsdaten nutzen können, um ihre Arbeit gezielt weiterzuentwickeln, ohne dass daraus vereinfachende Vergleiche entstehen.
Besonders umfassend wurde die Qualitätsoffensive im Bereich der frühkindlichen Bildung überarbeitet.
Die neue Fassung macht deutlich, dass Kitas nicht als Vorstufe von Schule verstanden werden, sondern einen eigenständigen Bildungs-, Erziehungs- und Förderauftrag erfüllen. Frühkindliche Bildung folgt eigenen Qualitätslogiken und eigenen Entwicklungszielen.
Gleichzeitig werden die Übergänge zwischen Kita und Grundschule stärker in den Blick genommen. Verlässliche Kooperationen, gemeinsame Sprachbildung sowie abgestimmte Bildungsprozesse sollen dafür sorgen, dass Kinder beim Wechsel in die Schule besser begleitet werden.
Die Beteiligungsrunde hat zudem gezeigt, dass Qualitätsentwicklung nur dann glaubwürdig ist, wenn auch die strukturellen Voraussetzungen berücksichtigt werden. Deshalb werden Fragen wie Personalausstattung, Vertretungsregelungen, Gruppengrößen und Zeitressourcen künftig stärker in der Umsetzung berücksichtigt. Inklusion und sprachliche Vielfalt werden dabei als Querschnittsaufgaben verstanden, die sowohl pädagogische Konzepte als auch verlässliche Rahmenbedingungen benötigen.
Viele Rückmeldungen bezogen sich nicht nur auf Kitas und Schulen, sondern auch an die Bildungsverwaltung selbst. Als Reaktion darauf wird die neue Maßnahme "Verlässliche SKB" in die Qualitätsoffensive aufgenommen.
Ziel ist es, Verfahren transparenter zu gestalten, Zuständigkeiten klarer zu definieren und Schulen sowie Kitas verlässlichere Unterstützung anzubieten.
Die überarbeitete Fassung der Qualitätsoffensive wird nun schriftlich veröffentlicht. Zur Steuerung der Umsetzung wird ein Steering Board eingerichtet. Gleichzeitig entsteht mit dem "Labor der guten Ideen" ein dauerhaftes Beteiligungsformat, in dem weitere Vorschläge aus der Praxis gesammelt und ausgewertet werden.
Ein digitales Qualitätsportal soll den Fortschritt der Maßnahmen transparent machen. Zudem ist für die zweite Jahreshälfte ein erster "Qualitätsgipfel Kita & Schule" geplant, auf dem über die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen berichtet wird.
Die Qualitätsoffensive entwickelt sich damit von einem Beteiligungsprozess zu einem langfristigen Landesprogramm für Bremen und Bremerhaven – mit dem Anspruch, Bildungsqualität messbar zu verbessern und zugleich gemeinsam mit der Praxis weiterzuentwickeln.
Die überarbeitete Fassung der Qualitätsoffensive findet sich auf der Homepage des Senators für Kinder und Bildung Bremen: www.bildung.bremen.de/offensive-fur-mehr-bildungsqualitat
Ansprechpartnerin für die Medien:
Patricia Brandt, Pressesprecherin beim Senator für Kinder und Bildung, Tel.: (0421) 361-2853, E-Mail: patricia.brandt@bildung.bremen.de