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Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz

Neue Beratungsstelle für Täter und Täterinnen häuslicher Gewalt eröffnet

Intervention.plus stellt Arbeit mit Tätern und Täterinnen neu auf

23.03.2026

Am morgigen Dienstag (24. März 2026) öffnet Intervention.plus die Türen, die neue spezialisierte Interventions- und Beratungsstelle für Täter und Täterinnen häuslicher Gewalt in Bremen. Das Projekt des Vereins Hoppenbank bietet seit Januar 2026 erstmals eine dauerhaft verankerte, qualitätsgesicherte Täterarbeit nach bundesweiten Standards an – eine zentrale Ergänzung der bestehenden Opferschutzstrukturen. Gerade die aktuelle bundesweite Diskussion zur digitalen Gewalt zeigt, wie wichtig die Arbeit mit Tätern und Täterinnen ist, um die Gewalt zu beenden.

Um Gewaltkreisläufe zu durchbrechen, setzt Täter- und Täterinnenarbeit dort an, wo die Gewalt entsteht – bei denen, die Gewalt ausüben. Das proaktive Beratungsangebot Intervention.Plus unterstützt Teilnehmende dabei, ihr Gewaltverhalten nachhaltig zu beenden.

Dazu Claudia Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz: "Die Aufmerksamkeit liegt in diesem Themenfeld meist auf den Betroffenen. Gleichzeitig ist es aber zentral, die Täter und Täterinnen – meist Männer – in den Blick zu nehmen, um am Ursprung der Gewalt anzusetzen. Mit Intervention.plus gibt es ab sofort ein Angebot auf fachlicher Grundlage, das hilft, weitere Gewalttaten zu verhindern und Täter:innen ein gewaltfreies Verhalten zu ermöglichen. Daher ist der Ausbau der Täter:innenarbeit ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung unseres Landesaktionsplans Istanbul-Konvention."

Svenja Böning, Geschäftsführerin des Hoppenbank e.V., betont die fachliche Ausrichtung: "Gewalt ist ein erlerntes Verhalten, das auch wieder verlernt werden kann. Veränderung und nachhaltige Sicherheit sind möglich – vorausgesetzt, dass die Täter und Täterinnen Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können. Eine sichere Interventionskette zum Schutz der Betroffenen muss diesen Aspekt mitdenken."

Gewaltspirale durchbrechen – Wie funktioniert Täterarbeit?

Das Programm setzt direkt an den ursächlichen Gewaltmechanismen an. In sozialtherapeutischen Gruppen- und Einzelsettings lernen die Täter und Täterinnen häuslicher Gewalt unter anderem, eigene Risikosituationen und körperliche Warnsignale frühzeitig zu identifizieren. Statt impulsiv zu agieren, erarbeiten sie die Anwendung konkreter Notfallpläne (Time-Out-Techniken), um die Situation gewaltfrei zu verlassen. Zentral ist dabei auch die Arbeit an der Verantwortungsübernahme: Rechtfertigungsstrategien (zum Beispiel Schuldzuweisungen an das Opfer) werden aufgedeckt, um eine Verantwortungsübernahme seitens der Täter und Täterinnen zu fördern und neue, gewaltfreie Konfliktlösungsmuster nachhaltig zu verankern.

Intervention.plus arbeitet zum Schutz der Betroffenen von häuslicher Gewalt eng vernetzt mit Opferschutzeinrichtungen, Polizei und Justiz zusammen.

Kontaktdaten der Beratungsstelle:
Hoppenbank e.V.
Intervention.Plus
Hastedter Heerstraße 290, 28207 Bremen
Tel.: 0176 97728974, E-Mail: Intervention.Plus@hoppenbank-ev.de

Hintergrund Landesaktionsplan Istanbul-Konvention:

2022 wurde der Bremer Landesaktionsplan "Istanbul-Konvention umsetzen – Frauen und Kinder vor Gewalt schützen" vorgelegt. Er beinhaltet mehr als 70 Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Kindern vor geschlechterspezifischer Gewalt. Von 2022 bis 2025 hat der Senat für den Aktionsplan Mittel in Höhe von 3,15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die die beteiligten Ressorts durch eigene Haushaltsmittel ergänzten. 2026 wird der zweite Landesaktionsplan erarbeitet, der auf der erfolgreichen Umsetzung der bisherigen Maßnahmen aufbaut. Die Istanbul-Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie von häuslicher Gewalt. In Deutschland ist die Istanbul-Konvention für Gesetzgeberinnen und Gesetzgeber, Gerichte und Behörden in Bund, Ländern und Kommunen seit Februar 2018 rechtlich bindend.

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