Sie sind hier:

Der Senator für Kultur

Nachruf auf Prof. Dr. Wulf Herzogenrath

19.06.2026

Der langjährige Direktor der Bremer Kunsthalle Prof. Dr. Wulf Herzogenrath ist gestern (18. Juni 2026) im Alter von 82 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Das gab heute seine Familie bekannt. Der Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler ist demnach in Berlin gestorben.

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz würdigte den Verstorbenen: "Unter der Leitung von Prof. Dr. Herzogenrath hat sich die Kunsthalle Bremen in der Spitzengruppe der deutschen Museen positioniert. Erinnert sei an Ausstellungen von zum Teil nationaler Bedeutung, die auch für den internationalen Rang von Museen zunehmend wichtiger werden – sowohl, was das wissenschaftliche Ansehen der selbst erarbeiteten Themen anbelangt, als auch im Hinblick auf die Anziehungskraft für ein großes, überregionales Publikum. Prof. Herzogenrath hat die Kunsthalle zudem einem breiten Publikum geöffnet und damit die Kunst für viele Bevölkerungsschichten zugängig gemacht. Im Ergebnis hat die Kunsthalle Bremen heute so viele Mitglieder wie Werder Bremen. Nicht zuletzt fiel die wichtige Erweiterung der Kunsthalle in seine Amtszeit. Ich darf an dieser Stelle aus der Laudatio für ihn zur Verleihung der Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft zitieren: Prof. Dr. Wulf Herzogenrath war nicht nur ein Glücksfall für die Kunsthalle, sondern ein Glücksfall für Bremen."

Auch Bremens Ehrenbürgerin Karin Hollweg von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung zeigte sich zutiefst betrübt über die Nachricht zum Tod von Prof. Herzogenrath: "Es war eine stete Freude mit Wulf Herzogenrath zusammenzuarbeiten. Sein Kunstverständnis gepaart mit dieser unbändigen Lust, die Kunsthalle immer weiter zu entwickeln hat uns ungemein inspiriert und gipfelte letztendlich in dem wundervollen und wichtigen Erweiterungsbau der Kunsthalle. Wulf Herzogenrath wird Bremen stets als großer Vermittler und Förderer der Kunst im Gedächtnis bleiben."

Prof. Dr. Wulf Herzogenrath hatte das Amt als Direktor der Kunsthalle Bremen von 1994 bis 2011 inne und war seit Herbst 1995 Professor an der Hochschule für Künste. Charakteristisch für die unter ihm realisierten Ausstellungsprogramme waren die Verbindungen zwischen den großen Traditionslinien der Kunsthalle mit innovativen und zeitgenössischen konzeptionellen Ansätzen. So brachten Sonderschauen zu Henri Toulouse-Lautrec und Max Liebermann die Kunsthalle bei einem breiten Publikum auch überregional wieder ins Gespräch. Eine wissenschaftliche Reihe zur Aufarbeitung der großen Sammler und Stifter des Hauses wurde mit einer Ausstellung und Publikation über Johann Friedrich Lahmann begonnen. Ein neues, junges Publikum wurde schließlich durch die Ausstellung von Zeichnungen und Aktionen von John Lennon gewonnen. Mit dem "Blauen Reiter" begann 2000 eine Reihe von sehr erfolgreichen Projekten der Bremer Kunsthalle: 'Van Gogh – Felder' in 2003, 'Monet und Camille' in 2005, 'Paula-Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900' in 2008 mit Leihgaben bedeutender internationaler Museen.

Zu den bedeutendsten Erwerbungen seit dem Amtsantritt von Herzogenrath gehören der Video-Synthesizer von Nam June Paik (1969) sowie die "Ton- und Lichtinstallation Essay" von John Cage. Ab 1996 wurde mit Herzogenraths maßgeblicher Beteiligung die Fortsetzung der Renovierung der Kunsthalle weiter vorangebracht. Bereits während dieser Sanierungsarbeiten, die bis 1998 reichten, gelang es Herzogenrath, einige der Kunsthallen-Schätze – und damit auch Bremen als Standort der Werke – an anderen Orten zu präsentieren.

Prof. Dr. Wulf Herzogenrath wurde 1944 in Rathenow geboren. Seine beruflichen Stationen führten ihn über das Museum Folkwang, die documenta, die Nationalgalerie Berlin hin zur Kunsthalle Bremen.

Jens Tittmann, Pressesprecher beim Senator für Kultur, Tel.: (0421) 361 - 90637, E-Mail: jens.tittmann@kultur.bremen.de

Bremen von oben ·