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Sonstige

Käfer im Theater, Meeresspiegel-Cocktail und Starkregen zum Testen

17.06.2009

Bremer Forschungsprojekt „KlimaWandel Unterweser“ legt innovative Konzepte zur Kommunikation des Klimawandels vor

Wir alle müssen uns dem Klimawandel stellen, soviel ist klar. Aber nicht zwangsläufig muss das im vielfach beschworenen Katastrophenszenario enden. „Der Klimawandel ist da, aber das Ausmaß seiner Folgen ist keinesfalls festgeschrieben“, betont Andreas Lieberum, Geschäftsführer des Sustainability Centers Bremen, „es lohnt sich, zu handeln und Anpassungsstrategien zu entwickeln, um Klimaveränderungen begegnen zu können.“ Doch wie erreicht diese Botschaft möglichst schnell offene Ohren, schafft Bewusstsein und mündet in Taten?


Das herauszufinden, war erklärtes Ziel des Forschungsprojektes „KlimaWandel Unterweser“. Wissenschaftler und Fachkräfte aus dem Team des Projektträgers Sustainability Center Bremen setzten auf die tatkräftige Unterstützung wichtiger Multiplikatoren. Gemeinsam mit Akteuren aus Tourismus, Landwirtschaft sowie Stadt- und Regionalplanung in der Region Unterweser entwickelten sie binnen der vergangenen zweieinhalb Jahre in Workshops und Arbeitsgruppen Kommunikationskonzepte, die den Klimawandel praktisch „erfahrbar“ machen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Entstanden sind sechs spannende, zum Teil wegweisende Angebote für verschiedene Zielgruppen.


Neue Ideen, die Zugänge öffnen
Klimawandel im Theater? Was auf den ersten Blick nicht zusammengehört, hat sich im Rahmen von „KlimaWandel Unterweser“ bereits bewährt. Die drei Hauptakteure des Stücks „Coleoptera – die Klimakünstler“, drei Käfer, die sich als einzige Überlebende der Klimakatastrophe auf einer kleinen Insel in der norddeutschen Tiefebene wiederfinden, sinnieren nicht immer ganz ernst gemeint darüber, wie es soweit kommen konnte und was nun zu tun ist. Über die Methode des „Playback-Theaters“ werden die Zuschauer in das Geschehen auf der Bühne einbezogen. Sie können eigene Gedanken, Gefühle und Erlebnisse rund um das Thema Klimawandel einbringen. „Die Erfahrungen aus der Premiere zeigen deutlich, dass sich das Medium Theater sehr gut eignet, ältere Jugendliche und Erwachsene auf emotionale Art und ohne den erhobenen Zeigefinger anzusprechen“, berichtet Andreas Lieberum, Gesamtkoordinator des Projektes „KlimaWandel Unterweser“, aus ersten Erfahrungen.


Ein weiteres der sechs Angebote ist die „Mottotour Klimawandel“. In Butjadingen können Anwohner, Touristen, Schulklassen und interessierte Touristiker anderer Regionen diese Tour buchen. An verschiedenen Haltepunkten entlang der Küste erfahren sie Wissenswertes zu den Auswirkungen des Klimawandels vor Ort und sollen „Hand anlegen“. Wie hoch müssen Deiche sein, damit sie die Menschen im Hinterland, schützen? Verständlich und anschaulich vermitteln eigens geschulte Gästeführer, welche Daten und Fakten entscheidend sind – geschätzt, gerechnet und gebaut werden muss selbst. Ein Stangenmodell von mehreren Metern Länge zeigt, wie hoch ein wirksamer Flutschutz tatsächlich sein sollte. Auf Wunsch sorgt der Buttermilch-Cocktail „Spiegel des Meeres“ für eine Stärkung während dieser „etwas anderen“ Gästeführung.

Doch nicht nur Theater und Mottotour gehören zu den neu erdachten Kommunikationskonzepten. Hinzu kommt eine Qualifikation für Anbieter aus der Touristikbranche, die ihre Teilnehmer mit Seminaren, einem Newsletter und einem neuen Ideenwettbewerb zu klimaangepassten Tourismusangeboten sensibilisiert. An Ausbilder und Auszubildende für den Beruf des Landwirtes richtet sich ein Lehrbaustein, der einen Ausbilderworkshop, Unterrichtsmaterialien und einen Praxisleitfaden für Exkursionen in die Ausbildung integriert. Er zeigt auf, wie sich die Auszubildenden in ihren späteren landwirtschaftlichen Betrieben auf Veränderungen des Klimas vorbereiten können. Für Stadt- und Regionalplaner steht künftig ein praxisnaher Leitfaden zur Verfügung, der unter anderem beschreibt, welche Klimaveränderungen für den Raum Unterweser zu erwarten sind und welche Instrumente der Stadt- und Regionalplanung sich eignen, um darauf zu reagieren. Und eine Wanderausstellung dokumentiert und erläutert in Zukunft, welche Auswirkungen die Nutzung und Bewirtschaftung von Land durch den Menschen auf den Wasserhaushalt einer Region hat. Eignen sich solche Effekte vielleicht, um Änderungen im Zuge des Klimawandels bewusst zu dämpfen? Interessierte, Gruppen und Schulklassen können an Modellen in der Ausstellung selbst experimentieren und erfahren so beispielsweise, wie Starkregen wirkt.


Ergebnisse, die weiter tragen
„Alle diese Projekte haben Modellcharakter“, hebt Andreas Lieberum hervor. Die Angebote seien, natürlich mit einer Anpassung an örtliche Gegebenheiten, auch auf andere Regionen in Deutschland übertragbar. Für ihn und Dr. Fritz Heidorn, den sozialwissenschaftlichen Leiter des Projektes, habe sich herausgestellt, dass der Kommunikation eine zentrale Rolle im Hinblick auf das Thema Anpassung an den Klimawandel zukomme: „Wir möchten möglichst viele Menschen so ansprechen, dass sie nicht nur unsere Botschaft wahrnehmen, sondern auch die Notwendigkeit ihres Handelns und ihre persönliche Rolle im Gesamtzusammenhang des Klimageschehens erkennen. Wir möchten ihnen zeigen, dass sie selbst etwas ändern können.“ Das Prinzip der „jetzt für später - Entscheidungen“ sei zwar schwer zu vermitteln, räumt der Gesamtkoordinator des Projektes „KlimaWandel Unterweser“ ein, dennoch sei er fest davon überzeugt, dass ungewöhnliche Kommunikationswege wie Theater, Lehrbausteine, Mottotouren und Experimentalmodelle ihre Wirkung nicht verfehlen. Eines habe das Projekt heute – die abschließende Auswertung steht noch aus – schon gezeigt: „Die Zusammenarbeit mit unseren Multiplikatoren hat sich bewährt. Durch ihre Arbeit mit den Menschen vor Ort ist deren Akzeptanz für das Thema Anpassung an den Klimawandel deutlich gestiegen“.


Das Projekt „KlimaWandel Unterweser“ wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) im Rahmen des Forschungsprogramms „klimazwei“ der Bundesregierung sowie von der Bremer Energie Konsens GmbH und dem Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa, Bremen. Weitere Infos: www.klimawandel-unterweser.deExternes Angebot