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Die Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz

Integriertes Drogenhilfezentrum eröffnet

Gesundheitssenatorin Bernhard: "Meilenstein für die Drogenhilfe in Bremen"

24.03.2026

Die Ende Oktober 2024 gestarteten Umbaumaßnahmen einer ehemaligen Lagerhalle für das Integrierte Drogenhilfezentrum sind beendet. Somit stehen Drogenkonsumentinnen und -konsumenten jetzt umfangreiche Angebote in der Friedrich-Rauers-Straße zur Verfügung. Heute (24. März 2026) eröffnete Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard die neue Einrichtung in der Bahnhofsvorstadt.

Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz: "Die heutige Eröffnung des Integrierten Drogenhilfezentrums stellt einen Meilenstein für die Drogenhilfe in Bremen dar. Ab heute werden hier umfangreiche Angebote an einem Ort gebündelt. Damit schaffen wir eine Struktur, die die Gesundheit der Konsumierenden stärkt, Überleben sichert und Wege des Ausstiegs liefern kann. Das Integrierte Drogenhilfezentrum ist somit in der direkten Nähe des Hauptbahnhofs eine zentrale Anlaufstelle für suchtkranke Menschen. Wir gehen damit einen großen Schritt in der Verbesserung der Versorgung in der Stadtmitte. Unser Fokus muss in der Zukunft auch auf der Versorgung in den Stadtteilen liegen."

Heino Stöver, Vorstand akzept e.V.: "Mit dem Integrierten Drogenhilfezentrum hat die Stadt Bremen wichtige Antworten auf zentrale Herausforderungen der Veränderung globaler und nationaler Drogenmärkte und des Konsumverhaltens gegeben. Die zentralen Veränderungen betreffen vor allem die enorme Zunahme des Kokain- und Crackkonsums bundesweit einerseits und die Verbreitung synthetischer, hochpotenter Opioide wie Fentanyle und Nitazene andererseits. Beide Phänomene bedeuten enorme Risiken für die Erkrankungen und die Sterblichkeit von Drogenkonsumierenden, denen mit diesem differenzierten Angebot von psycho-sozialen, medizinischen und psychiatrischen Hilfen im neuen Drogenhilfezentrum begegnet werden kann."

Lea Albrecht, Gesamtleitung comeback gGmbH: "Wir freuen uns im Friedrich22 den Klient:innen ein umfassendes Angebot zur Verfügung stellen zu können. Wir können hier das anbieten, was am dringendsten gebraucht wird: medizinische Grundversorgung, Beratung, Therapievermittlung, Substitution und fast dreimal so viele Konsumplätze als zuvor. Damit passen wir uns an die neuen Herausforderungen dieser Zeit an."

Im Integrierten Drogenhilfezentrum werden die Angebote der Drogenkonsumcontainer, die bislang auf dem angrenzenden Jakobus-Parkplatz stehen, mit den bestehenden Beratungs- und Aufenthaltsangeboten des Kontakt- und Beratungszentrums (KBZ) im Tivoli-Hochhaus zusammengeführt, darunter die Medizinische Ambulanz, die Überbrückungssubstitution und der Tagesaufenthalt mit Beratungsangebot.

Nach dem Umbau stehen den Nutzenden im Untergeschoss auf rund 840 Quadratmetern drei einzelne Versorgungsmodule mit separaten, barrierefreien Eingängen zur Verfügung, die auch miteinander verbunden werden können. Die Barrierefreiheit der neuen Einrichtung wird zunehmend von den Nutzenden benötigt.

Im Modul 1 gibt es eine Substitutionsambulanz mit 50 Plätzen und psychosozialer Begleitung, medizinscher Versorgung und Gruppenangebote. Das Modul 2 besteht aus einem großen Aufenthaltsbereich mit Café, Küche, Beratungsräumen, Kleiderkammer, Dusche und Waschmaschine. Dort gibt es unter anderem die Möglichkeit, Unterstützung zu erhalten, etwa bei Antragsstellungen, der Weitervermittlung zu Fachdiensten oder in Entgiftungsbehandlungen. Im Modul 3 befindet sich der Drogenkonsumraum mit jeweils zehn betreuten Plätzen für den intravenösen und inhalativen Drogenkonsum in getrennten Bereichen sowie ein medizinischen Behandlungszimmer. Zudem gibt es Bereiche mit Ruheliegen zum kurzzeitigen Ausruhen und Schlafen, zum Beispiel für Crack-Konsumierende.

Im ersten Obergeschoss werden auf rund 450 Quadratmetern Büroräume entstehen. Diese werden voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 fertiggestellt. In der Übergangszeit stehen die Räumlichkeiten des Kontakt- und Beratungszentrums (KBZ) im Tivoli-Hochhaus weiterhin zur Verfügung.

Seit September 2020 ist für Suchtkranke der betreute Drogenkonsum in Containern auf dem Jakobus-Parkplatz möglich. 2025 fanden dort durchschnittlich rund 2.650 Besuche pro Monat statt, dabei nutzten durchschnittlich 142 Personen das Angebot zum Konsum. Insgesamt fanden 2025 im Drogenkonsumraum 12.932 Konsumvorgänge statt, im Durchschnitt 1.078 pro Monat. Im Februar 2026 wurden 1.822 Besuche, 485 Konsumierende und 930 Konsumvorgänge gezählt.

Die Mietlaufzeit beträgt 15 Jahre und beinhaltet eine Verlängerungsoption über fünf Jahre. Die jährlichen Kosten betragen rund 447.000 Euro. Darin enthalten ist der Abtrag der Umbauarbeiten, die mit rund 3,6 Millionen Euro kalkuliert sind.

Betrieben wird das Integrierte Drogenhilfezentrum von der comeback gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft im ambulanten Drogenhilfesystem, die bereits die Angebote im KBZ und in den Drogenkonsumcontainern verantwortete. Rund 14 Mitarbeitende sowie ein Sicherheitsdienst sind vor Ort in den drei Modulen tätig. Geöffnet ist das Café wochentags von 9.30 bis 14 Uhr, der Konsumraum täglich von 9.30 bis 14. und von 14.30 bis 18 Uhr – außer donnerstags, dann öffnet die gesamte Einrichtung um 12 Uhr.

Hintergrund:
Auf Grundlage eines Senatsbeschlusses vom 3. Dezember 2019 wurde am 7. September 2020 als Sofortmaßnahme der erste Drogenkonsumraum in Bremen übergangsweise in Containern auf dem Parkplatz des Jakobus-Hauses in der Friedrich-Rauers-Straße 30a in Betrieb genommen. Es wurden zwei Konsumcontainer mit Überwachungsbereich, ein Beratungscontainer, ein Aufenthaltsraum für Klientinnen und Klienten, eine kleine Küche sowie eine WC-Anlage errichtet.

Am 11. Mai 2021 beschloss der Senat die Errichtung und Finanzierung eines Integrierten Drogenkonsumraums in der Friedrich-Rauers-Straße 22. Ziel war die Zusammenführung des von comeback betriebenen Kontakt- und Beratungszentrums mit medizinischer Ambulanz und Überbrückungssubstitution und der Drogenkonsumcontainer. Aufgrund des Kostenanstiegs im Baugewerbe, des Verbraucherpreisindexes und der Energiekosten im Zuge der Coronapandemie und des Ukrainekrieges waren weitere Senatsbefassungen in 2022 und 2023 nötig.

Ab Juni 2023 wurde die Immobilie befristet für den Ruhe- und Regenerationsort (kurz: RegO) zwischengenutzt. Er bot Aufenthalt, Beratung und Schlafmöglichkeiten für Drogenkonsumierende. Seit Beginn der Umbaumaßnahmen im Oktober 2024 wird dieses Angebot übergangsweise im ehemaligen Stubu fortgeführt. Alternative Standorte sind in Planung und werden zeitnah realisiert.

Ansprechpartnerin für die Medien:
Kristin Viezens, Pressesprecherin der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, Tel.: (0421) 361-2082, E-Mail: kristin.viezens@gesundheit.bremen.de