Heinz Strunk und Kaleb Erdmann werden im Bremer Rathaus ausgezeichnet
26.01.2026Der Bremer Literaturpreis 2026 wurde heute (26. Januar 2026) im Rahmen eines Festaktes in der Oberen Rathaushalle an Heinz Strunk verliehen. Der Autor erhielt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für den 2025 im Rowohlt Verlag erschienenen Erzählband "Kein Geld Kein Glück Kein Sprit".
Bremens Kultursenator, Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, betonte in seinem Grußwort: "Die Förderung guter und engagierter Literatur ist stets eine Chance. Auch und gerade in Bremen, City of Literature seit dem Jahr 2023. Darum freue ich mich sehr, heute den Literaturpreis 2026 verleihen zu dürfen. Kaleb Erdmanns Bewältigungsprosa 'Die Ausweichschule', die den Amoklauf von Erfurt im Jahr 2002 reflektiert, hat mich sehr bewegt. Stark kontrastiert wurde dies durch Heinz Strunks Kurzgeschichten aus dem prämierten Band 'Kein Geld kein Glück kein Sprit'. Es ist gerade in der aktuellen Zeit wichtig, dass Literaten uns und damit der gesamten Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Darum gelten mein Dank und meine Anerkennung den beiden neuen Trägern des Bremer Literaturpreises, und allen weiteren Akteuren und Einrichtungen, die regelmäßig zum Gelingen dieser Preisverleihung und zur anhaltenden Akzeptanz dieses Preises beitragen."
Richard Kämmerlings, Mitglied der Jury, beschreibt in seiner Laudatio: "Im neuen Buch ist es schwer, eine Widerlegung für die finstere Überzeugung zu finden, dass das Nichts am Ende stets das letzte Wort behält. Heinz Strunk ist der wohl gnadenloseste Menschensezierer der deutschsprachigen Literatur seit Thomas Bernhard. Wie dieser säbelt, stochert und schneidet Strunk mit seinen hochpräzisen Sprachwerkzeugen so lange an seinen Figuren herum, bis nichts weiter übrigbleibt als Gedärme und Geschlinge, Gewürge, Gestammel und Gejammer. Und makabres Gelächter."
Kaleb Erdmann erhielt den von Deutschlandfunk Kultur finanzierten Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro für seinen Roman "Ausweichschule" der im Ullstein Buchverlage erschienen ist.
In ihrer Laudatio lobt Jurymitglied Sandra Kegel: "'Die Ausweichschule' ist keine heroische Bewältigung eines schwierigen Stoffes, sondern das ehrliche Protokoll einer Überforderung. Auch nach 300 Buchseiten ist sie für den Ich-Erzähler nicht vorbei. Am Ende steht kein kathartischer Moment, sondern etwas viel Schwierigeres: Die Einsicht, dass das peinliche Schweigen, der Schweiß und die Umwege dazugehören und bleiben werden. Damit kann uns der Roman nicht beruhigen. Vielmehr versetzt er uns in Unruhe."
Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Lisen Rylander Löve, Lindha Kallerdahl und Riccardo Castagnola. Der musikalische Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung von jazzahead! präsentiert.
Heinz Strunk, geboren 1962 in Bevensen, ist Schriftsteller, Musiker und Schauspieler. Seit seinem ersten Roman "Fleisch ist mein Gemüse" hat er vierzehn weitere Bücher veröffentlicht. "Der goldene Handschuh" stand monatelang auf der Bestsellerliste; die Verfilmung durch Fatih Akin lief im Wettbewerb der Berlinale. 2016 wurde der Autor mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis geehrt. Seine Romane "Es ist immer so schön mit dir" und "Ein Sommer in Niendorf" waren für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Kaleb Erdmann, geboren 1991, studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, sowie Soziologie und Politische Theorie in München und Frankfurt am Main. Er war Finalist des open mike und wurde für sein Theaterstück "Unten" für den Retzhofer Dramapreis nominiert. Sein erster Roman "wir sind pioniere" wurde mit dem Debütpreis der LitCologne ausgezeichnet. Zuletzt schrieb er für das Berliner Ensemble das Stück "Always Carrey On". Kaleb Erdmann lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Weitere Informationen zum Bremer Literaturpreis: www.rudolf-alexander-schroeder-stiftung.de
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