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Die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung | Sonstige

Erinnerungskultur darf nicht im Bauschutt verschwinden

Senatorin Ünsal und Landeszentrale für politische Bildung appellieren: Stolpersteine bei Bauarbeiten schützen

19.05.2026

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Landeszentrale für politische Bildung Bremen

In Bremen werden bei Bauarbeiten durch Dritte immer wieder Stolpersteine als Gedenksymbole aus dem Gehweg gelöst und nicht wieder ordnungsgemäß eingesetzt – manche tauchen nie wieder auf. Was sich im stillen Vollzug von Tiefbau- und Leitungsarbeiten durch Auftraggeber abspielt, ist erschütternd: Ausgerechnet die sichtbarsten Zeichen, die in Bremen an die ermordeten Opfer des Nationalsozialismus erinnern, verschwinden still – häufig dort, wo Baustellen morgens kommen und abends wieder gehen.

Die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung und Schirmfrau der Bremer Stolpersteine, Özlem Ünsal, und die Landeszentrale für politische Bildung Bremen mahnen deshalb gemeinsam dazu, hinzusehen und zu handeln.

Mehr als 800 Stolpersteine erinnern inzwischen in Bremen an Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Sie liegen vor ihren letzten selbst gewählten Wohnorten – an der Stelle, an der diese Menschen einmal Nachbarn waren. Für viele Familien ist dieser kleine Messingstein im Gehweg das einzige individuelle Zeichen, das von ihren Angehörigen geblieben ist. Kein Grab. Kein Denkmal. Ein Stein im Boden, vor der Haustür. Wer ihn entfernt und nicht zurücklegt, löscht dieses Gedenken aus.

Özlem Ünsal, Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung: "Es erschüttert uns zutiefst, dass in unserer Stadt Stolpersteine unachtsam im Bauschutt landen. Als Schirmfrau unserer Stolpersteine und selbst Patin für den 800. Bremer Stolperstein weiß ich, wie viel ehrenamtliche Recherche, wie viel persönliche Zuwendung in jedem einzelnen Stein unserer Erinnerungskultur steckt. Diese Steine sind oft das Einzige, was von einem ermordeten Menschen im öffentlichen Raum geblieben ist. Ich fordere deshalb alle Verantwortlichen auf, dieser Aufgabe und Verantwortung nachzukommen und achtsam wie respektvoll mit den Stolpersteinen umzugehen. Wer in Bremen baut und Arbeiten im öffentlichen Raum verrichtet, trägt Verantwortung – für die Straße, für die Anwohnerschaft, und für die Erinnerung, die im Boden liegt. Bauunternehmen und ihre Subunternehmer müssen vor Beginn der Arbeiten prüfen, ob sich Stolpersteine im Baufeld befinden. Diese sind fachgerecht zu sichern und nach Abschluss der Arbeiten am exakt selben Ort wieder einzusetzen. Auftraggeberinnen und Auftraggeber – ob öffentlich oder privat – stehen in der Pflicht, diese Vorgabe in ihren Ausschreibungen und Verträgen verbindlich festzuschreiben und ihre Einhaltung zu kontrollieren."

Dr. Thomas Köcher, Leiter Landeszentrale für politische Bildung Bremen: "Die über 800 Stolpersteine sind ein unverzichtbarer Teil der Bremischen Erinnerungskultur und leisten einen großen Beitrag zum kulturellen Gedächtnis dieser Stadt. Die Absicht der Steine ist es, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus - Juden, Sinti und Roma, Opfer der 'Euthanasie', politisch Verfolgte, Jehovas Zeugen und Homosexuelle - aufrecht zu erhalten und ihre Namen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Wenn Stolpersteine entfernt werden, entsteht eine Leerstelle; der Name verschwindet – ein zweites Mal – aus der Öffentlichkeit und die Erinnerung an die Personen verblasst."

Was wir erwarten: Bremen muss hinsehen, wenn dieses Gedenken angegriffen wird – auch dann, wenn es nicht aus Bosheit, sondern aus Achtlosigkeit geschieht. Bauunternehmen und ihre Subunternehmer müssen vor Beginn der Arbeiten prüfen, ob sich Stolpersteine im Baufeld befinden. Diese sind fachgerecht zu sichern und nach Abschluss der Arbeiten am exakt selben Ort wieder einzusetzen. Auftraggeberinnen und Auftraggeber – ob öffentlich oder privat – stehen in der Pflicht, diese Vorgabe in ihren Ausschreibungen und Verträgen verbindlich festzuschreiben und ihre Einhaltung zu kontrollieren.

Hinweise aus der Bevölkerung ausdrücklich erwünscht

Wer bemerkt, dass ein Stolperstein nach Bauarbeiten fehlt oder verlegt wurde, kann sich an das Pressereferat der Senatorin oder an die Landeszentrale für politische Bildung wenden. Die Hinweise werden an den Initiativkreis Stolpersteine Bremen weitergeleitet, der die Verlegungen koordiniert.

Ansprechpartner für die Medien:

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