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Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

Ehemaliges Seniorenheim in Schwachhausen wird Unterkunft für Flüchtlinge

15.04.2016
Das neue Übergangswohnheim in Schwachhausen war zuletzt ein Altenheim
Das neue Übergangswohnheim in Schwachhausen war zuletzt ein Altenheim

Das frühere Seniorenheim in der Gabriel-Seidl-Straße kann in der kommenden Woche seinen Betrieb als Unterkunft für Flüchtlinge aufnehmen. Das Haus, das seit einigen Jahren leer steht, bietet dann Platz für 70 Menschen in kleinen Appartements für je zwei bis drei Personen. Die Flüchtlinge können sich in dem Übergangswohnheim in einer eigenen Pantry-Küchen versorgen. "Wir können hier vor allem Paaren und kleinen Familien eine neue Heimat bieten, die schon eine Weile in Bremen leben", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport bei der heutigen (15.04.2016) Übergabe es Wohnheims. "Und ich bin überzeugt, dass die Menschen auch hier von der integrativen Kraft des Stadtteils profitieren können." Franziska Görlich wird die Einrichtung für die AWO leiten, nachts und an den Wochenenden ist ein Wachdienst vor Ort.

"Auch wenn das Thema Flüchtlinge in den Schlagzeilen nicht mehr so präsent ist, auch wenn derzeit Monat für Monat weniger Menschen den beschwerlichen Weg zu uns schaffen, leben in Bremen immer noch 3.800 Menschen in Notunterkünften", sagte Senatorin Stahmann. "Ich bin daher dankbar für jeden Platz in einem Übergangswohnheim oder in einer Wohnung. Integration gelingt am besten, wenn Flüchtlinge mit Bremerinnen und Bremern Tür an Tür leben."

Senatorin Stahmann und die Leiterin des Übergangswohnheims, Franziska Görlich von der AWO
Senatorin Stahmann und die Leiterin des Übergangswohnheims, Franziska Görlich von der AWO

Ortsamtsleiterin Karin Mathes und Beiratssprecherin Barbara Schneider richten sich derzeit darauf ein, Anwohnerinnen und Anwohner von vorn herein mit einzubinden: "Wir werden in diesen Tagen Handzettel mit Telefonnummern in den Briefkästen verteilen", sagte Karin Mathes. "Damit ist sichergestellt, dass jeder Nachbar und jede Nachbarin eine verantwortliche Person in der Einrichtung an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichen kann." Barbara Schneider betonte, dass der Beirat die Entwicklung vor Ort eng begleiten werde und für alle Fragen und Anregungen ansprechbar sei: "Es gibt eine große Hilfsbereitschaft bei Schwachhauserinnen und Schwachhausern", sagte sie, "der Stadtteil heißt die geflüchteten Menschen willkommen und unterstützt sie, wo immer es nötig ist."

Derzeit leben rund 4.000 Flüchtlinge in Bremens Übergangswohnheimen. Darüber hinaus sind rund 3.800 Menschen in Notunterkünften untergebracht, unter anderem in Zelten (950), Gewerbehallen sowie umgenutzten Büro- und Verwaltungsgebäuden. Rund 700 Notplätze sind derzeit unbelegt, weitere 1.500 Plätze in Turnhallen sind inzwischen wieder aufgegeben oder stehen unmittelbar vor der Aufgabe bis Ende April.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 hat Bremen 1.774 Personen aufgenommen, 2015 waren es im Vergleichszeitraum 962. Andererseits hat das zentrale Erstaufnahmesystem der Bundesrepublik dem Land Bremen im März 2016 deutlich weniger Menschen zugewiesen als vor einem Jahr, nämlich 195. Im März 2015 waren es noch 301. "Erstmals seit mehr als einem halben Jahrzehnt liegt damit ein Monats-Wert deutlich unterhalb des Vergleichswertes aus dem Vorjahr", sagte Senatorin Stahmann. Im Jahr 2015 hatte das Land Bremen 10.274 Flüchtlinge und Asylbegehrende aufgenommen, im Jahr 2014 waren es 2.233 und im Jahr 2013 rund 1.100.

"Die Zahl der Flüchtlinge geht derzeit dramatisch zurück, und das verschafft uns im Moment eine gewisse Entspannung", sagte Senatorin Stahmann. "Wir dürfen aber auch nicht abstumpfen gegenüber der Tatsache, dass die Menschen auf der Flucht, die im griechischen Idomeni festhängen oder die es aus Syrien nicht mehr über die Grenze in die Türkei schaffen, dafür einen hohen Preis zahlen." Angesichts der "nach wie vor grauenhaften Lebensverhältnisse" in den Kriegsgebieten "sollten wir uns nicht darauf einrichten, dass die Zahl der Flüchtlinge so niedrig bleibt wie in den zurückliegenden beiden Monaten", ergänzte sie.

Für ihre weiteren Planungen lege die Sozialbehörde daher die aktuelle Prognose des Bundes zu Grunde, der von bundesweit 800.000 Flüchtlingen für das Jahr 2016 ausgeht. Weil Bremen 0,96 Prozent aller Flüchtlinge und Asylbewerber aufnimmt, ergeben sich daraus rechnerisch 8.000 für das Land Bremen, davon 6.400 für die Stadt Bremen und 1600 für Bremerhaven. Derzeit befinde sich in Bremen Übergangswohnheime für über 4.500 Menschen in der konkreten Phase der Umsetzung. Bis zu 2.000 weitere Menschen werden vermutlich in eine selbst angemietete Wohnung vermittelt.

Rückfragen an:
Bernd Schneider, 0421-361-4152 / bernd.schneider@soziales.bremen.de

Fotos: Pressereferat der Senatorin