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Senatskanzlei

Bremer Senat erinnerte an die Rettung dänischer Juden vor 70 Jahren

Böhrnsen: Ein moralisches Signal in einer Zeit voller Verbrechen

01.10.2013
Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Katharina Duckwitz, Gemeinde-Vorsitzende Elvira Noa und Senator Dr. Joachim Lohse am Hinweisschild auf dem Botschafter-Duckwitz-Platz
Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Katharina Duckwitz, Gemeinde-Vorsitzende Elvira Noa und Senator Dr. Joachim Lohse am Hinweisschild auf dem Botschafter-Duckwitz-Platz

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Rettung der dänischen Juden haben Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen und Senator Dr. Joachim Lohse heute (1. Oktober 2013) an die Rettungsaktion und an die Zivilcourage des Bremer Diplomaten Georg Ferdinand Duckwitz (1904 - 1973) erinnert. An der Gedenkveranstaltung auf dem Botschafter-Duckwitz-Platz nahmen auch die Nichte des Diplomaten, Katharina Duckwitz, und die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde im Lande Bremen, Elvira Noa, teil.

Duckwitz - ehemaliger Staatssekretär im Außenministerium und in Fragen der Ostpolitik einer der wichtigen Berater von Willy Brandt - hatte als Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kopenhagen im Oktober 1943 durch einen heimlichen Hinweis vor der bevorstehenden Deportation der dänischen Juden in die Vernichtungslager gewarnt und damit die Flucht von über 7.000 Menschen ermöglicht - in einer Nacht- und Nebelaktion konnten sie an Bord unzähliger Boote über den Öresund nach Schweden fliehen.

Bürgermeister Jens Böhrnsen: "Die Dänen haben haben in ihrer Rettungsaktion Mitmenschlichkeit und Solidarität gezeigt. Dieser Akt war möglich, weil Georg Ferdinand Duckwitz den lebensrettenden Hinweis gegeben hat." Und weiter: "Georg Ferdinand Duckwitz hat ein moralisches Signal in einer Zeit voller Verbrechen gesetzt." Böhrnsen erinnerte an die "Metamorphose des Diplomaten", der vom Anhänger zum Gegner der mörderischen NS-Ideologie wurde. Der Bürgermeister: "Der Staat Israel hat ihn in Yad Vashem als 'Gerechter unter den Völkern' geehrt, wir erinnern auf dem bereits nach ihm benannten Platz mit einer nun angebrachten Hinweistafel an das Ereignis vor 70 Jahren. Wir erinnern an Zivilcourage und an das Recht und die Pflicht zum Widerstand, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden." Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sagte in ihrer Ansprache: "Das Beispiel Duckwitz macht Mut, sich für eine menschenfreundliche Gesellschaft einzusetzen." Bausenator Dr. Joachim Lohse: "Es ist wichtig, dass wir Tag für Tag auch durch Straßennamen und durch die Aktion Stolpersteine die Erinnerung wach halten."

Aus Anlass des 70. Jahrestages wurde das Straßenschild auf dem Botschafter-Duckwitz-Platz erneuert und mit einer erklärenden Hinweistafel versehen. Sie hat folgenden Text:
„Georg Ferdinand Duckwitz (* 29.9.1904 Bremen – + 16.2.1973 Bremen), ermöglichte 1943 als Mitarbeiter der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen mehr als 7000 dänischen Juden die Flucht vor der Deportation. Geehrt als Gerechter unter den Völkern in Yad Vashem, Israel. Nach 1945 Botschafter und Staatssekretär im Auswärtigen Amt.“
Der in Bremen-Vegesack zwischen Reeder-Bischoff-Straße und Rohrstraße gelegene Platz trägt seit 1991 den Namen des Diplomaten - vorher hieß der Platz 'Kleiner Markt'.

Lesenswerte Gedenkschrift
In der Reihe „Diplomatische Profile“ hat das Auswärtige Amt zum 70.Jahrestag eine erweiterte und aktualisierte Neufassung der 2004 erschienenen Studie "Georg Ferdinand Duckwitz - Die Rettung der dänischen Juden" vorgelegt. Die Publikation ist auch online verfügbar: PDF Gedenkschrift für Georg Ferdinand Duckwitz (pdf, 2.4 MB)

Foto: Pressestelle des Senats