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Senatskanzlei

„Genug erinnert?“ Nacht der Jugend 2011 im Bremer Rathaus mit kritischen Fragen

07.11.2011

Hell erleuchtete Räume, offene Türen. Junge Leute bevölkern die Flure und Festsäle, überall fröhliche Gesichter – aber auch Besinnung und Ernst: Dieses Bild wird wie in den Jahren zuvor am kommenden Mittwoch, dem 9. November, das Bremer Rathaus prägen. Zum nunmehr 14. Mal lädt Bremens Bürgermeister zur „Nacht der Jugend“ ein. Es ist eine Veranstaltung gegen das Vergessen und für mehr Menschlichkeit. Diesmal haben sich die jungen Leute aus der Vorbereitungsgruppe das Motto „Genug erinnert?“ gewählt. Es geht um die Frage, ob es nach so langer Zeit überhaupt noch sinnvoll ist, die Schrecken der Jahre zwischen 1933 und 1945 immer wieder zum Thema zu machen. Dr. Helmut Hafner (Senatskanzlei), bei dem die Fäden der Organisatoren zusammen laufen: „ Nicht nur Schülerinnen und Schüler, auch viele Lehrerinnen und Lehrer sind hier verunsichert. Wir wollen eine kritische Debatte eröffnen.“ Gleichwohl ist er davon überzeugt: „Die Nacht der Jugend macht durch das Erinnern sichtbar, wie dünn das Eis der Zivilisation ist, wie notwendig demokratisches und humanes Denken und Handeln sind.“ Dies sei nach wie vor unverzichtbar.

Schirmherr Bürgermeister Jens Böhrnsen wird die Nacht der Jugend am 9. November um 18.30 Uhr in der Oberen Rathaushalle eröffnen. Dass der Zulauf groß sein wird, steht außer Frage: In den vergangenen Jahren haben über mehrere Stunden verteilt bis zu 3000 meist junge Leute die Veranstaltung besucht. Auch Ältere sind stets willkommen.

Etwa 500 Mädchen und Jungen haben über Monate die Nacht der Jugend in Abstimmung mit der Senatskanzlei vorbereitet. So ist auch diesmal wieder ein äußerst abwechslungsreiches Programm mit Theater, Ausstellungen, Musik und Tanz, mit Gesprächsrunden, Debatten und Workshops zustande gekommen. Die Nacht der Jugend soll für alle Beteiligten ein Ort der Begegnung sein, des zwanglosen Miteinanders. Sie bietet darüber hinaus allen Interessierten ein Forum zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und aktuellen politischen Fragen. Während in der Oberen Rathaushalle, im Festsaal und im Kaminsaal ein ebenso vielfältiges wie spannendes Bühnenprogramm abläuft, präsentieren sich auf den Fluren Organisationen und Akteure mit Ausstellungen und Infoständen.

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Obere Rathaushalle bei der Nacht der Jugend

Ein besonderes Anliegen der Nacht der Jugend ist es, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen. So wird Don Jaffé, Bremer Musiker und Überlebendes des Holocausts, über sein Leben und seine Erlebnisse berichten: 1933 als Kind einer jüdischen Familie in Riga/Lettland geboren, konnte er mit seiner Familie kurz nach dem Angriff der deutschen Truppen auf die Sowjetunion nach Sibirien fliehen. In seiner Laufbahn als Cellist, besonders aber als Komponist hat Jaffé seine Musikwerke der Erinnerung an die Shoah gewidmet.

Ein weiterer Ehrengast ist Karl Schneider, Autor des Buches „Auswärts eingesetzt – Bremer Polizeibataillone und der Holocaust. Er wird darüber sprechen, wie ganz normale Menschen zu Massenmördern werden konnten.

Zum Thema der diesjährigen Nacht der Jugend wird es eine große Diskussionsrunde im Kaminsaal mit jungen Leuten geben. Marco Bode und ein weiterer bekannter Werderspieler (dessen Namen erst am Abend selber bekannt gegeben wird) steuern eine Lesung mit Texten zum Holocaust bei. Dabei ist auch das Trio „Anders = Besonders“ mit ihren Filmbeitrag „Dem Hass keine Chance“, zudem wird es eine Diskussion mit den Zuschauern geben. Der Film, der übrigens den Bremer Senatspreis 2011 erhalten hat, zeigt zahlreiche Menschen, die mit ihrer Vielfalt und Offenheit die deutsche Gesellschaft prägen. In einer Diskussionsrunde wird es u.a. um ein Zeichen gegen Faschismus gehen.

Das Theater Bremen ist bei der diesjährigen Nacht der Jugend gleich zweimal vertreten: mit einem Beitrag aus der jüngsten Tanztheaterproduktion „Herzrasen“ und mit Arien, gesungen von der jungen Solistin Steffi Lehmann. In Sachen Tanz wird nunmehr bereits zum vierten Mal die multikulturelle Breakdance Crew “ESCAFLOW“ im Rathaus auftreten. Auch Dinipiri Etebu wird mit seinen tänzerischen Künsten die Nacht der Jugend bereichern, er wird zudem die Moderation für die Veranstaltungen im Festsaal übernehmen. Einlagen ihres Könnens zeigen neben vielen anderen auch die Limit DestroyerZ, eine 3 köpfige Hip Hop Dance Crew aus Bremen.

Musik spielt bei der Nacht der Jugend traditionell eine große Rolle. Besonderes Highlight ist in diesem Jahr eine der bekanntesten Gruppen aus Jerusalem, die „Coolooloosh“. Jazz, Hip Hop, Rap, und Funk sind ihre Markenzeichen. Auftreten werden neben vielen anderen „A & B“, zwei Musiker aus Bremen und Rio, die ihre Texte selber schreiben wie auch die zehnköpfige Band Coffee Full Flavoured. „Auch wenn es Hip Hop gibt – es ist keine Party“, betont Uli Barde, Mitorganisator der ersten Stunde. Die Erinnerung an die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland solle lebendig gestaltet werden. „Ich hoffe, dass es uns auch diesmal wieder gelingt“, so Barde.

In den Fluren und in der Oberen Halle präsentieren zahlreiche Vereine und Initiativen ihre Erinnerungsarbeit, so beispielsweise das Haus im Park, die Geschichtswerkstatt der LGO Delmestraße, “Spurensuche Bremen” . das online Projekt vom Verein “Erinnern für die Zukunft e.V.”

Foto: Senatspressestelle