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Sonstige

Navid Kermani ist Hannah-Arendt-Preisträger 2011

18.07.2011
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Der Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani wird in diesem Jahr mit dem Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnet. Kermani erhält den Preis für seine „lagerüberwindenden religionswissenschaftlichen und politischen Analysen“, so die Jury. Die Auszeichnung, die von der Stadt Bremen und der Heinrich Böll Stiftung vergeben wird, ist mit 7500 Euro dotiert und wird an Personen verliehen, die in ihren Interventionen das „Wagnis Öffentlichkeit“ angenommen haben. Der Hannah-Arendt-Preis wird am 2.Dezember 2011 im Bremer Rathaus überreicht.

„So wie Denis Diderot und Hannah Arendt die Juden als Bindeglied zwischen den europäischen Nationen sahen, sieht Navid Kermani heute auch die muslimischen Einwanderer als Mittler zwischen den Staaten Europas“, sagt Jurymitglied Marie Luise Knott. In der Begründung der Jury für die Auswahl des Preisträgers schreibt sie: „Kermani spricht nie von „den Arabern“ oder „den Muslimen“ oder „den Christen“. Als Schriftsteller gibt er dem Einzelnen Raum und formuliert neben der Kritik immer auch die Schönheit der Welt“. Neben seinem schriftstellerischen Engagement für den interreligiösen Dialog würdigt die Jury auch Kermanis journalistische Arbeit: „Seine Reportagen zeichnen gestochen scharfe Bilder der Lebensverhältnisse von Menschen, die in einer Welt überleben wollen, in der widersprüchliche Werte aufeinanderprallen und ökonomische Ungleichheit, Krieg, Bürgerkrieg und Repression herrschen.“ Jurymitglied Antonia Grunenberg weist zudem darauf hin, dass mit dem Poeten Kermani in diesem Jahr explizit ein „dichterisch Denkender“ geehrt werde, um auch diese Dimension im Denken Hannah Arendts bei der Preisvergabe zu berücksichtigen. Seine Texte können, so Knott, den Blick frei schweifen lassen in christlicher wie islamischer Geschichte und Bild-Gegenwart. „Sie tragen auf diese Weise weit mehr zum Verstehen des Islam und des Christentums bei als all die wohlmeinenden interreligiösen Podiumsdebatten.“

Über den Preisträger
Der Schriftsteller Navid Kermani wurde 1967 in Siegen geboren. Er studierte Orientalistik, Theaterwissenschaft und Philosophie in Deutschland und Ägypten. 1994 gründete er ein Sprach- und Kulturzentrum in Isfahan (Iran), welches er bis 1997 leitete. Navid Kermani arbeitete am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie als Regisseur und Kurator am Schauspielhaus Köln. 2007 war er Stipendiat an der deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Seit 2009 ist er Senior Fellow des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.

Navid Kermani erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderem den Ernst-Bloch-Förderpreis (2000) und die Buber-Rosenzweig-Medaille (2011). 2009 wurde der Autor außerdem mit dem Hessischen Kulturpreis geehrt, der eine Kontroverse über seine Äußerungen zur Kreuzestheologie auslöste, die zur vorübergehenden Aberkennung des Preises führte. Navid Kermani ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Neben Poesie, einem Kinderbuch und politisch-philosophischer Literatur veröffentlichte er zahlreiche Feuilletons und Reportagen. Seine Schriften geben Einblick in die kulturelle und politische Vielfalt des Orients, in das alltägliche Glück und die Alltäglichkeit des Todes sowie in das Verhältnis von Islam und Politik in Vergangenheit und Gegenwart.

Weitere Informationen: Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich Böll Stiftung, Peter Rüdel, Tel: 0421-35 23 68, boell-bremen@arcor.de, www.boell-bremen.de

Foto: Heinrich Böll Stiftung