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Sonstige

Verleihung Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2017 an Etienne Balibar

23.11.2017

Am Freitag, 1. Dezember 2017, um 18 Uhr, überreichen Antonia Grunenberg, Vorstand des Hannah Arendt Preis für politisches Denken e.V., der Bremer Senator Joachim Lohse und Peter Siller für die Heinrich Böll Stiftung, den „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2017“ im Bremer Rathaus an den französischen Philosophen Etienne Balibar.

Étienne Balibar (© Cagri Kilicci), jpg, 3.9 KB
Étienne Balibar (© Cagri Kilicci)

Étienne Balibar, geb. 1942, studierte an der Ecole normale supérieure (ENS). Er war Schüler und Mitarbeiter des Philosophen Louis Althusser. Bis 2002 lehrte er politische Philosophie und Moralphilosophie an der Universität von Paris-Nanterre. Inzwischen Professor emeritus , lehrt er aber seit den 1990er Jahren an mehreren Universitäten. Zurzeit ist Balibar Gastprofessor an der Columbia University in New York für französische und vergleichende Literatur.
Der Hannah-Arendt-Preis wird von der Stadt Bremen und der Heinrich Böll Stiftung vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird an Personen verliehen, die mit einer mutigen Intervention das „Wagnis Öffentlichkeit“ annehmen. Die Laudatio auf Etienne Balibar hält Vlasta Jalušiè. Sie war Direktorin und ist aktuell Senior Research Fellow am Peace Institute (Institut für zeitgenössische soziale und politische Studien) in Ljubljana.
In ihrer Begründung formulierte die Jury, dass Balibar, aus der Schule des Marxismus und der kommunistischen Partei kommend, in beeindruckender Weise jenes Weiterdenken betreibt, das Hannah Arendt immer wieder von der Philosophie gefordert hatte. Er kritisiert, dass und wie die liberalen Demokratien brennende Fragen (Gleichheit, Gerechtigkeit) ausklammern. Er stellte die Flüchtlingspolitik der westlichen Staaten in Frage, wonach Flüchtlinge nur als Objekte der Fürsorge und der bürokratischen Verfahren gesehen nicht aber als Subjekte, die „das Recht haben, Rechte zu haben“ (Arendt). Aus dieser Kritik folgt sein Vorschlag einer europäischen Staatsbürgerschaft.

Balibar ist ein nimmermüder Kämpfer für ein Europa, das sich erneuern muss.
Ein Kolloquium am 2. Dezember um 11:00 im Institut Français, Contrescarpe 19, Bremen wird seine Kritik und seine Fragen an Europa zur Debatte stellen: Kolloquium: Europa – Chaos und Pluralität

Ist das Projekt eines geeinten und pluralen Europas angesichts des „Versagens der europäischen Flüchtlingspolitik“ und des Wiedererstarkens populistischer Tendenzen gescheitert? Befindet Europa sich nicht nur in einer Krise, sondern in einem Zustand des Chaos?
Étienne Balibar unternimmt in immer wieder neuen Anläufen den Versuch, die Bedingungen für die Herausbildung eines anderen, pluralen und demokratischen Europas sichtbar zu machen. In seinem Buch „Europa: Krise und Ende?“ analysiert Balibar z. B. nicht nur den Schwund politischen Handelns, sondern arbeitet heraus, wie es Europa gelingen kann, wieder die Gestalt eines „politischen Projekts“ anzunehmen.
Doch wie ist ein erweitertes und plurales Selbstverständnis Europas in der heutigen Situation politisch zu realisieren? Wie lässt sich der höchst heterogene und komplexe europäische Raum überhaupt (neu) bestimmen? Und wie entgeht man, aus der Perspektive Arendts gefragt, hierbei der Gefahr, ein wie auch immer geartetes „Europa-Ideal“ zu formulieren?

Diskussion mit: Étienne Balibar, Vlasta Jalušiè, Frieder Otto Wolf und Martin Nonhoff Gesprächsleitung: Antonia Grunenberg

Beide Veranstaltungen sind öffentlich. Der Eintritt ist kostenlos.

Für die Veranstaltung im Rathaus ist eine Anmeldung erforderlich unter ruedel.boell@arcor.de

Kontakt: Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich Böll Stiftung, Peter Rüdel, Plantage 13, 28215 Bremen.
Tel.: (0421) 35 23 68, E-Mail: ruedel.boell@arcor.de, Webseite: www.boell-bremen.de

Foto: Cagri Kilicci