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Klinikum Links der Weser setzt Standards bei der Behandlung von einnässenden Kindern / Zahl der Patienten steigt

26.01.2005

Wenn der Weg zur Toilette zu weit ist

Gesundheit Nord – Klinikverbund Bremen teilt mit:

Der Stress wächst mit jeder Pfütze. Wenn die Siebenjährige Nacht für Nacht ins Bett macht oder der sechsjährige Sohn ständig mit nasser Hose vom Spielen kommt, sind auch die verständnisvollsten Eltern irgendwann verunsichert und genervt. Dabei ist das so genannte Einnässen bei Kindern keine Seltenheit – und vor allem kein unlösbares Problem. Im Klinikum Links der Weser, einem Haus der Gesundheit Nord, können Kinder und Jugendliche schon seit Jahren die Kontrolle ihrer Blase trainieren. Das Klinikum gehört bundesweit zu den führenden Einrichtungen bei der Behandlung von einnässenden Kindern. Die Zahl der Patienten wächst ständig. Am Freitag und Sonnabend (28. und 29. Januar 2005) lädt die Klinik zu einer Tagung ein, bei der sie ihre Arbeit anderen Krankenhäusern vorstellen will.


Für Familien ist die fehlende Blasenkontrolle des Kindes in der Regel mit enormem Stress verbunden. „Je älter die Kinder sind, umso unangenehmer wird die Situation“, sagt Professor Hannsjörg Bachmann, Chefarzt der Kinderklinik im Klinikum Links der Weser. Eltern befürchten oft, dass seelische Probleme oder eine Erkrankung Grund für das Einnässen sein könnten – und je besorgter sie sind, umso größer wird der Druck auf das Kind, das nun erst recht überfordert ist. Schwere psychische Probleme oder organische Schäden sind allerdings selten die Ursache. In den meisten Fällen liegt eine funktionelle Blasenstörung vor, oder die Kinder schlafen nachts so tief, dass sie nicht merken, wenn die Blase voll ist. Deshalb wird am Klinikum Links der Weser immer als erstes geklärt: Was ist der Grund für das Einnässen?


„Das Wissen, dass keine organische und keine psychische Störung vorliegt, befreit die Eltern oft schon von ihrem Druck und der Angst“, sagt Bachmann. Weil die Kinder in Gruppen zur ersten Untersuchung eingeladen werden, sinkt auch bei ihnen der Stress: Sie stellen fest, dass sie ganz und gar nicht die Einzigen sind, die es nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen. Manchmal hat sich das Problem dann schon nach dem ersten Klinikbesuch erledigt. Für die diejenigen, die weiter in die Hose und ins Bett machen, ansonsten aber körperlich und psychisch gesund sind, hat die Klinik ein Trainingsprogramm zusammengestellt. „Wir versuchen, die Kinder zu sensibilisieren für das, was in ihnen vorgeht“, sagt Urotherapeutin Ellen Janhsen. Oft müssten sie erst einmal lernen, dass ihre Blase kein Fremdkörper sei, kein Feind, sondern ein Teil von ihnen. Stellen die Therapeutinnen jedoch fest, dass sich hinter dem Einnässen ein psychisches Problem verbirgt, wird die Psychologin der Kinderklinik eingeschaltet.


In Deutschland gibt es nur wenige Kliniken, die auf diese Weise arbeiten. „Wie ein Kind therapiert wird, hängt oft davon ab, an wen sich die Eltern wenden“, hat Bachmann festgestellt. „Wir wollen erreichen, dass unser Programm auch in Deutschland Standard wird.“ Zu der jetzt stattfindenden Tagung im Hotel visit am Klinikum Links der Weser sind deshalb Vertreter aller Berufsgruppen, die mit dem Thema zu tun haben, eingeladen. Bei jedem einnässenden Kind, so das Ziel, solle zunächst die Ursache der fehlenden Blasenkontrolle geklärt werden, damit es dann richtig behandelt werden kann – unabhängig davon, ob die Eltern zunächst einen Arzt oder einen Psychologen aufsuchten. Im Ausland sei diese Vorgehensweise längst üblich.


Laut Bachmann wäre vielen Kindern allerdings schon geholfen, wenn Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrer nicht so unrealistische Erwartungen hätten, in welchem Alter ein Kind trocken sein muss. Manche Kinder könnten schon mit zwei Jahren allein auf die Toilette gehen, bei anderen dauere es bis zum fünften Lebensjahr. Beides sei normal. Am Ende dieser Phase blieben zudem immer noch zehn Prozent der Kinder, die nicht trocken seien. Bachmann: „In jeder ersten Klasse nässen noch zwei bis drei Kinder jede Nacht ein.“


Hinweis für Redaktionen:
Bei Rückfragen oder Interviewwünschen können Sie sich wenden an Helga Loest, Gesundheit Nord – Klinikverbund Bremen, Telefon 40819022, E-Mail: helga.loest@gesundheitnord.de.