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Sonstige

Umbauarbeiten am Telekom-Gebäude mit einem Hauch von Christo/Kurze Geschichte des historisch bedeutsamen Kontorhauses


25.08.2000

Die BIG Bremer Investitions-Gesellschaft mbH teilt mit:

Das Projekt ist ehrgeizig. Die Arbeiten am Telekom-Gebäude in der Langenstraße sind angelaufen. Außen verhüllt, wird im Innern das 90 Jahre alte Objekt gegenwärtig entkernt. Die Baupläne sehen vor: Das unter Denkmalschutz stehende Kontorhaus bleibt außen weitestgehend unverändert. Im Innern entsteht ein modernes Büro- und Dienstleistungsangebot. Bereits Ende des kommenden Jahres sollen die Funktionsräume in den oberen Etagen bezogen werden. Die im Erdgeschoss geplanten attraktiven Läden und gastronomischen Angebote sollen ab Sommer 2002 ihre Pforten öffnen.

Mit dem Umbau des Telekom-Gebäudes wird der Bereich Langenstraße/Stintbrücke/Bredenstraße städtebaulich aufgewertet. Dies erfolgt auch mit dem Ziel, die Bremer City wirtschaftlich weiter zu stärken. Die Innenstadtlage des Gebäudes am historischen Marktplatz ist von entscheidender Bedeutung beim Übergang in Richtung Martinistraße und Schlachte. Auch vor diesem Hintergrund hat der Senat die BIG-Gruppe mit dem Umbau des Telekom-Gebäudes beauftragt. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf knapp 40 Millionen DM. Ein Drittel des Objektes, das sogenannte "Thäte-Haus", wird an einen privaten Investor (Justus Grosse GmbH) verkauft, jedoch nach dem einheitlichen Konzept für das Gesamtobjekt umgebaut und vermarktet.

Die imposante Gebäudegruppe unweit des Marktplatzes entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Schon damals waren sich die Stadtväter der Bedeutung dieses Bereiches bewusst. Mit aufwendiger, frei historisierender Muschelkalk-Werksteingliederung wurde zwischen 1910 und 1912 vom Berliner Architektenbüro Bielenberg und Moser ein neues Bankgebäude für die Disconto-Gesellschaft gebaut. Die damals bedeutende Geschäftsbank hatte ihren Hauptsitz in Berlin und Filialen in Bremen, Frankfurt am Main, London und Hamburg.

Die Disconto-Gesellschaft hatte 1903 ihr Bremer Engagement begonnen, indem sie die traditionsreiche Bremer Privatbank J. Schultze & Wolde übernahm. Das Gebäude dieser Bank wurde gleichsam zur Keimzelle des Neubaus. Für die Realisierung des großräumigen Neubaus mussten benachbarte Grundstücke angekauft werden. Die heutige Ausdehnung wurde erst durch die Abtretung und Überbauung des Abschnittes der alten Bredenstraße möglich, der ursprünglich die Verbindung zur heutigen Hakenstraße herstellte. Im Gegenzug überließ die Bankgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen einen etwa drei Meter breiten Randstreifen entlang der Außenseiten des neu entstandenen geschlossenen Inselblocks an Langenstraße, Stintbrücke und Bredenstraße. Die Modalitäten des Tauschgeschäftes wurden in einem am 4. Februar 1909 abgeschlossenen Vertrag zwischen der Disconto-Gesellschaft und der Deputation für die Regulierung der Baulinien festgelegt.

Der Gesamtkomplex erweckt den Anschein, aus zwei separaten Gebäuden zu bestehen. Die Konstruktion mit tragenden Außenmauern und Innenskelett entsprach der damals üblichen Bauweise für Kontor- und Geschäftshäuser. Die zentrale große Kassenhalle erhielt eine Glasüberdachung. Insgesamt verfügt der Bau über drei Lichthöfe. Die Form der Baugruppe wurde durch Gestaltungsauflagen des Senats maßgeblich beeinflusst. So wurden die Hauptgesimshöhe auf 16,5 Meter begrenzt und, offenbar als Ersatz für die verloren gegangene Bredenstraßen-Passage, eine Kolonnade an der Stintbrückenfront vorgeschrieben.

Charakteristisch für den Hauptbau ist der Kontrast zwischen der nüchternen, fast schmucklosen Klinkerfront des Untergeschosses an der Langenstraße, der geschlossenen Muschelkalksteinverkleidung mit reichem ornamentalen und figürlichem Schmuck in frei variierten lokalen Renaissance- und Barockformen am Pseudomezzaningeschoß sowie der vollständig mit Muschelkalkstein verkleideten Doppelgiebel-Prunkfront mit Arkadengang an der Stintbrücke. Besonderen Reiz gewinnt die Bredenstraßenfront durch die dem Straßenverlauf folgende leichte Krümmung der Fassade.

1929 führte die heraufziehende Wirtschaftskrise zum Zusammenschluss der Disconto-Gesellschaft mit der Deutschen Bank. Der ehemalige Firmensitz wurde nicht mehr benötigt. 1939 erwarb die Reichspost den Komplex. Diesen nutzte zuletzt die Telekom. Mehrere Jahre stand das Gebäude leer. Im Sommer 1999 kaufte es die BIG-Gruppe. Im Frühsommer 2000 fiel der Startschuss für den Umbau. Nach dessen Abschluss wird sich eines der besten und eigenständigsten Beispiele im Bremer Bank- und Kontorhausbau ab Sommer 2002 in neuem Gewande präsentieren.

Weitere Informationen: Thomas Diehl unter Telefon 0421–3088819.