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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Pressemitteilung mit Foto Das Lachen hilft beim Gesundwerden

19.12.2003

Seit fünf Jahren gibt es in der Kinderklinik des ZKH St.-Jürgen-Straße Besuche von Klinikclowns


Am Bett eines kleinen Patienten sorgt eine Clownin für Freude.

Loretta hat ihren kleinen Friedrich immer dabei, wenn sie zu den kranken Kindern geht. Friedrich, die Puppe der Klinikclownin, wird von den Kindern geliebt. „Ein Mädchen hat für Friedrich ein Bett gebaut, damit er sich auch einmal ausruhen kann“, erzählt Annemie Missinne, seit fünf Jahren in der Prof.-Hess-Kinderklinik des Zentralkrankenhauses St.-Jürgen-Straße als Clownin Loretta tätig. „Es bestand aus einer Nierenschale als Liegefläche, vier Füßen aus kleinen Bechern für Medikamente und einer „Bettwäsche“ aus Zellstofftüchern. Und damit Friedrich auch pünktlich aus dem Bett kommt, wurde aus einer Klebefilmrolle eine Uhr gebastelt“, fügt die Künstlerin an. Häufig sitzt Friedrich auch auf dem Kopfkissen der Kinder und hört sich an, was Loretta so alles zu besprechen hat. Dann mischt er sich ein und stellt einmal mehr unter Beweis, dass er für jeden Spaß zu haben ist. Die 42jährige Loretta alias Annemie Missinne kann viele Geschichten aus ihrem Leben als Clownin in der Kinderklinik des größten Bremer Krankenhauses erzählen.

Begonnen hat die Grundschullehrerin ihre Arbeit in der Klinik kurz nach ihrer Clownsausbildung am TUT, der staatlich anerkannten Schule für Clown, Tanz und Theater in Hannover. Ihr war von Anfang an klar, dass sie als Klinikclownin arbeiten wollte. Schnell kam der Kontakt zu dem Elternverein Leukämie- und Tumorkranker Kinder zustande, der angetan war von der Idee, den Kindern, die ja oft wochen- und monatelang in der Prof.-Hess-Kinderklinik bleiben müssen, ein wenig Abwechselung zu verschaffen und ihnen zu helfen, das Lachen nicht zu verlieren. Der Verein beschloss, die Arbeit der Clownin zu finanzieren.

Die Vorstellung, mit krebskranken Kindern zu arbeiten, gefiel Annemie Missinne von Anfang an. So begann sie 1998 ihre Arbeit auf der Station 5. Seither hat sie viele Kinder zum Lachen gebracht und viele schlossen Freundschaft mit Loretta und dem kleinen Friedrich. Ihre wöchentlichen Besuche gehören inzwischen zum festen Stationsprogramm. Auch die Eltern und das Pflegepersonal freuen sich immer wieder, wenn Mittwoch ist und Loretta kommt. Da Clowns keine Tabus kennen, können selbst schwierige oder komplizierte Dinge mit einer gewissen Leichtigkeit angesprochen werden.


Fröhliche Gesichter auf der Kinderstation des Krankenhauses St.-Jürgen-Strasse.

Seit ein paar Monaten ist Loretta nicht mehr allein in der Klinik. Die Clownin Wilma hat im Sommer ihre Arbeit in der Kinderklinik aufgenommen. Julia Wiegmann, wie sie im bürgerlichen Leben heißt, ist gelernte Krankenschwester und Diplom-Psychologin. Sie absolvierte ihre Clownsausbildung an derselben Schule wie ihre Kollegin Annemie Missinne. Zusammen besuchen sie jetzt regelmäßig auch andere Stationen der Prof.-Hess-Kinderklinik sowie der Kinderchirurgischen Klinik. Wenn die beiden als Wilma und Loretta auftreten, geht es vor allem darum, sehr schnell die Situation und die Gefühle des kranken Kindes zu erfassen und diese spielerisch aufzugreifen. Vielfach ist Interesse und Neugierde vorhanden, manchmal sind die Kinder aber auch wütend oder verängstigt, traurig oder sehnsüchtig. „Wir tasten uns ganz langsam vor, greifen die Spielimpulse der Kinder auf und beziehen stets die Anwesenden mit ein. Da kann es schon passieren, dass plötzlich die Ärztin oder der Großvater in die Spielszene einbezogen werden und sie so dazu beitragen, dem Kind für einige Zeit die Krankheit vergessen zu lassen“, erklärt Julia Wiegmann. Der 37jährigen Clownin ist aufgefallen, dass die Kinder es sehr gerne haben, wenn das Klinikpersonal mit ins Spiel aufgenommen wird: „Besondere Freude kommt auf, wenn über die Ärzte und Ärztinnen gelacht werden darf. Offenbar ist es den Kindern ganz wichtig wahrzunehmen, dass auch sie nur Menschen sind.“

Loretta und Wilma beginnen mit ihrem Spiel bereits auf den Fluren der Stationen. Sie gehen aber auch in die einzelnen Zimmer oder begleiten Kinder bei Untersuchungen. In ihren Taschen haben sie immer ein paar Utensilien. Zum Beispiel einen Zauberstab oder Federn und Tücher. Diese helfen, die Angst der Kinder schnell kleiner und den Spaßfaktor größer werden zu lassen. Manchmal dauert ihr „Auftritt“ nur wenige Sekunden, in einigen Fällen werden es aber auch schon einmal 20 Minuten, die sie mit einem Kind verbringen. Je nachdem, wie es den Kindern gerade geht. Für die Eltern bedeuten die Besuche von Wilma und Loretta zumeist große Entlastung. Für sie ist es sehr wohltuend, ihre Kinder in dieser Situation lachen zu sehen.

Der weitere regelmäßige Einsatz des Duos für das Jahr 2004 ist leider nicht gesichert. Da die Clowneinsätze nicht zur Regelversorgung im Krankenhaus gehören, müssen sie durch Spenden finanziert werden. Damit weiterhin Clownbesuche stattfinden können, wurde ein Sonderkonto eingerichtet: Bremer Landesbank; Konto-Nr.: 1070330002, BLZ 29050000, Stichwort: Bremer Klinikclown Nr.: 374900 (bitte stets angeben).


Weitere Informationen:
Helga Loest, Öffentlichkeitsarbeit im ZKH St.-Jürgen-Straße, Tel.: 4973231, E-Mail: helga.loest@zkh-bremen-mitte.de