Sie sind hier:

Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Neubau ermöglicht optimale Notfallversorgung

01.11.2001

Der Zentral-OP schafft die bauliche Voraussetzung für völlig neue Ablauf- und Organisationsformen

„Die Fertigstellung dieses Neubaus ist ein Stück Zukunftssicherung für unser Haus.“ Mit diesen Worten fasste Walter Bremermann, Verwaltungsdirektor des Zentralkrankenhauses Sankt-Jürgen-Strasse, am Donnerstag, 1. November, vor Journalisten die Bedeutung des Zentral-OPs mit integrierter Patientenaufnahme, einer notfallmedizinischen Einheit und einer Ambulanten Sprechstunde zusammen. Das 70 Mio. DM teure Projekt, das am Donnerstag eingeweiht wurde, sei nicht nur das bisher kostenintensivste Bauwerk in der 150jährigen Geschichte des Hauses, sondern auch eines der wichtigsten. Wichtig deshalb, weil das Krankenhaus durch die bauliche Verbindung der beiden großen Zentren für Chirurgie und Innere Medizin erstmals architektonisch ein „Gesicht“ bekomme und damit trotz Pavillonbauweise und fünf verschiedenen Zugangswegen einen Haupteingang an der St.-Jürgen-Straße. Vor allem biete der Neubau aber die Möglichkeit, völlig neue Formen der Kooperation innerhalb der verschiedenen klinischen Bereiche zu etablieren und damit eine Optimierung der unterschiedlichen Arbeits- und Prozessabläufe zu erreichen. Die operative und notfallmedizinische Versorgung des Zentralkrankenhauses werde dadurch nicht nur optimiert, sondern auch wirtschaftlicher. Bremermann unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die Beschäftigten, die dieses Gebäude zukünftig nutzen werden, an der Erarbeitung dieser neuen Ablauf- und Organisationsprozesse von Beginn an konsequent beteiligt wurden.


Nach Angaben des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Wolfgang Arnold, findet künftig die Notfallversorgung der beiden Zentren für Innere Medizin und für Chirurgie, in denen sich insgesamt neun Fachkliniken befinden, in einer gemeinsamen Einheit, der sogenannten Notfallbehandlung, statt. Dort wird rund um die Uhr ein internistischer, chirurgischer und anästhesiologischer Dienst anzutreffen sein. Schwerverletzte oder lebensbedrohlich erkrankte PatientInnen, die per Rettungshubschrauber oder Notarztwagen eingeliefert werden, finden in der Notfallbehandlungseinheit alles vor, was an lebensrettenden und erstzuversorgenden Interventionen benötigt wird. Neben einem Not-OP, einem Schock- und Reanimationsraum verfügt dieser Bereich auch über eine radiologische Ausstattung mit einem leistungsstarken Computertomographen. Der auf dem Gebäudedach befindliche Hubschrauberlandeplatz ermöglicht den schnellsten Transport der PatientInnen.


Getrennt davon wird es eine Ambulante Sprechstunde für die fünf chirurgischen Kliniken geben. Diese wird wie eine Arztpraxis geführt. PatientInnen mit planbaren Operationen können sich dort mit den Untersuchungsergebnissen der einweisenden Ärzte vorstellen, das vor der Operation notwendige Gespräch mit dem Narkosearzt führen und eventuell noch anfallende Untersuchungen vor Ort vornehmen lassen. Dann gehen sie mit einem festen OP-Termin nach Hause. Für die PatientInnen hat diese neue Organisationsstruktur große Vorteile. Gegenüber der alten Notfallaufnahme, in der akut erkrankte bzw. verletzte und ambulante PatientInnen gemeinsam versorgt wurden, fallen nun so gut wie keine oder nur sehr kurze Wartezeiten an, weil die Patienten jetzt nicht mehr auf Notfälle Rücksicht nehmen müssen.


Wie Arnold weiter ausführte, wird es aber auch neue Ablauf- und Organisationsformen im Zentral-OP geben. Der radikale Wandel wird daran deutlich, dass der Zentral-OP als Dienstleistungszentrum mit interner Leistungsverrechnung geführt wird. Das Konzept sieht vor, dass sich die Operateure der fünf chirurgischen Kliniken OP- und Narkosezeiten mieten und fallbezogen dazu die sterilen OP-Instrumente sowie Ver- und Gebrauchsgüter anfordern, wie z.B. Nahtmaterial oder Verbandsstoff. Insofern wird die OP-Saal-Nutzung nicht mehr fachgebunden im Sinne von Hand-OP, Kiefer- und Gesichtschirurgie-OP, Unfall-OP usw., sondern für alle chirurgischen Fächer geeignet sein. Auf diese Weise kann flexibel auf das OP-Aufkommen reagiert werden.


Nach Aussage von Krankenpflegedirektor Hermann Küker drückt sich die Flexibilität aber nicht nur in der räumlichen OP-Nutzung aus, sondern auch in der personellen. Durch entsprechende Fort- und Weiterbildungen ist das OP-Fachpersonal in die Lage versetzt worden, zu rotieren und in allen chirurgischen Disziplinen zu instrumentieren. Zunächst wird es weiterhin eine fachliche Zuordnung zu einer chirurgischen Disziplin geben, langfristig sollen diese fachlichen Zuordnungen jedoch völlig aufgehoben werden. Küker: „Das bedeutet, dass jede OP-Schwester und jeder OP-Pfleger imstande ist, in allen fünf chirurgischen Fächern zu arbeiten.“


Herbert Eickworth, der das Gebäude gemeinsam mit seiner Kollegin Martina Iggena entworfen hat, unterstrich während der Pressekonferenz, dass die ersten Überlegungen für diesen Neubau bereits 1989 erfolgten. Nachdem das Projekt dann für mehrere Jahre auf Eis gelegt worden war, setzten sich die Architekten 1994 erneut ans Reißbrett, um ein Eingangsgebäude mit hohem architektonischen Anspruch zu entwerfen. Eickworth, der bereits die HNO-Klinik, die Frauenklinik sowie einen großen Intensivbereich im Zentrum für Chirurgie für das Zentralkrankenhaus entworfen hat, konnte aufgrund seiner spezifischen Kenntnis des Hauses am ehesten die Philosophie und den Anspruch des größten Bremer Klinikums transportieren: nämlich als Haus der Maximalversorgung nicht nur für eine kompetente Hochleistungsmedizin zu stehen, sondern auch menschliche Zuwendung und ganzheitliche Betreuung als wichtige Grundlage für den Heilungserfolg zu sehen. Der Neubau verbindet beide Aspekte auf einzigartige Weise. Zum einen ist er funktional und technikintensiv, zum anderen licht, warm und großzügig.


Michael Bester wies als Projektleiter des Zentralkrankenhauses auf die Schwierigkeit hin, ein derartig großes Vorhaben bei laufendem Krankenhausbetrieb durchzuführen. Dies habe viel Planung und Organisation

auf allen Ebenen bedeutet. Die Dimension des Projektes wird dadurch deutlich, dass unzählige Bau-, Arbeitsgruppen-, und Lenkungsausschusssitzungen sowie Projektbesprechungen über die Zeit notwendig waren, um alle Abstimmungsprozesse voranzutreiben. Und abzustimmen gab es jede Menge. Die Infrastruktur der Haus- und der Medizintechnik musste festgelegt, die EDV geplant, die Inneneinrichtung ausgewählt und die Kommunikationsstrukturen etabliert werden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Für die Entwicklung der völlig neuen Organisations- und Ablaufformen waren ebenso viele Arbeitsgruppen- und Projektgruppensitzungen notwendig. “Dass wir es gemeinsam geschafft haben, sowohl den Zeit- als auch den Kostenrahmen einzuhalten, spricht für die kollegiale Zusammenarbeit aller Beteiligten“, betonte Bester.


Thorsten Leerhoff, Leiter der Technischen Abteilung im ZKH Sankt-Jürgen-Strasse, freute sich besonders über den Umstand, dass es während der nahezu dreijährigen Bauzeit nur kleinere Arbeitsunfälle gab. Nach Ansicht des Abteilungsleiters ist diese positive Bilanz auf das große arbeitssicherheitstechnische Engagement des Hauses zurückzuführen. Leerhoff würdigte an dieser Stelle außerdem den besonderen Einsatz seiner MitarbeiterInnen, die während der Bauzeit noch drei andere Großprojekte auf den Weg gebracht haben: den Umbau der alten HNO zur Cafeteria und zum integrierten Bildungszentrum, die Sanierung des OP-Bereiches der Augenklinik und der Urologie sowie den Neu- und Umbau der Kinderklinik.