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Die Senatorin für Finanzen

Ausgezeichnete Integrationsarbeit des AFZ gilt als bundesweites Vorzeigemodell

28.04.2006

Kooperationsprojekt erhöht die Chancen junger Migranten für den Einstieg in den öffentlichen Dienst – Senator Dr. Nußbaum: „Auszeichnung bedeutet Ansporn für die künftige Arbeit“

Bereits seit knapp zwei Jahren bereitet das Projekt „BQNet“ (berufliches Qualifizierungsnetzwerk) in seiner „Ausbildungsoffensive“ junge Menschen aus Migrantenfamilien im bremischen öffentlichen Dienst auf eine Ausbildung vor. Dafür erhielt es kürzlich auch öffentliche Anerkennung. „Zu recht“, sagt Finanzsenator Dr. Ulrich Nußbaum: „Die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern in den bremischen öffentlichen Dienst und die Erhöhung der Anzahl Auszubildender ausländischer Herkunft stellt nicht nur eine besondere Verpflichtung dar, sie hilft uns auch, den damit einhergehenden veränderten Ansprüchen in unserer Gesellschaft gerecht zu werden“. Mit der Einladung aller Projektbeteiligten ins Haus des Reichs würdigte der Senator heute Morgen (28.04.2006) den Beitrag des BQNet innerhalb dieses Veränderungsprozesses und beglückwünschte die Kooperationspartner zu ihren bisherigen Erfolgen.



Besuch im Finanzressort: Angehende Auszubildende des Migrantenprojektes „BQNet“ wurden von Senator Dr. Nußbaum zu einem Gespräch empfangen
Foto (honorarfrei): Denise Joachim, Senator für Finanzen




Senator Dr. Nußbaum: „Junge Menschen aus anderen Ländern bringen häufig Zusatzqualifikationen mit, die für eine zukunftsfähige Verwaltung unerlässlich sind. Neben ihrer Mehrsprachigkeit gehört dazu zum Beispiel die Kompetenz, sich in unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten zu bewegen“. Mit diesen Fähigkeiten würden diese Menschen mit Migrationshintergrund eine Bereicherung für die bremische Verwaltung darstellen, die in fast allen Bereichen eine zunehmende Internationalisierung spüre: „Ob in der Meldebehörde, den Schulen oder den Finanzämtern – überall stellen sich neue Anforderungen, denen aus anderen Ländern stammende Bedienstete besonders gut begegnen können“.


AFZ und AWO kooperieren, um jungen Migranten eine Chance zu bieten
Die zehnmonatige Qualifizierungsmaßnahme des BQNet ist eine Kooperation des Aus- und Fortbildungszentrums für den bremischen öffentlichen Dienst (AFZ) und der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

In ihr werden die wichtigsten Fundamente für eine Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann für Bürokommunikation gelegt: An zwei Tagen pro Woche wird den 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Schulzentrum an der Bördestraße (Berufliche Schulen für Wirtschaft und Verwaltung) Unterricht in Deutsch und kaufmännischem Rechnen erteilt, an zwei Tagen lernen sie in unterschiedlichen Ausbildungsstellen der Bremer Verwaltung den Arbeitsalltag kennen und an einem Tag werden sie entsprechend ihrer individuellen Stärken und Schwächen gefördert. Dabei lernen die jungen Migranten Verwaltungsstrukturen und Politik kennen und besuchen auch mal das Rathaus, die Bürgerschaft oder - wie heute - das Haus des Reichs. Die Staatsangehörigkeit ist für die Teilnahme am Vorbereitungskurs unerheblich, lediglich einen Eignungstest müssen die jungen Leute bestehen, erklärt Monika Schebsdat, Ausbildungsbeauftragte im AFZ.


Die Kursteilnehmer sind in der Regel zwischen 20 und 26 Jahre alt. Einige von ihnen gaben heute einen kleinen Einblick in ihre sehr unterschiedlichen Lebenswege und Erfahrungen. So leben manche schon länger mit ihren Eltern in Deutschland, andere sind erst vor kurzem aus Russland, dem Iran oder anderen Ländern zu uns gekommen. Viele der jungen Menschen mit Migrationshintergrund hatten zu Beginn der Maßnahme kaum Kenntnisse über den deutschen Ausbildungsmarkt und deshalb bisher keine Ausbildungsstelle gefunden. Einzelne dachten auch, sie hätten aufgrund ihrer Herkunft ohnehin keine Chance, in den öffentlichen Dienst aufgenommen zu werden. Häufig fehlen den Migrantinnen und Migranten die notwendigen sozialen Netzwerke zur Beratung und Unterstützung. Aufgrund fehlender Erfahrungen und Kenntnisse können ihnen oft auch ihre Eltern nicht bei der Ausbildungsplatzsuche helfen.


Gewonnenes Preisgeld fließt wieder in Vorbereitungskurse
Um Vorurteile abzubauen und Wissenslücken zu schließen, sprechen Monika Schebsdat und ihre Kollegin von der AWO, Olga Ils, die jungen Leute und ihre Eltern direkt an oder machen in Schulen und Migrantentreffpunkten auf ihr Angebot aufmerksam. Dabei kommt ihnen die Erfahrung der AWO zugute, die bereits seit vielen Jahren mit Zuwanderern arbeitet und Kontakte vermitteln kann.

Hannelore Bitter-Wirtz, Leiterin des Projektes „BQNet“ bei der AWO, hat auch die Projektskizze zum Wettbewerb „Jugend in Arbeit“ beim Bundesarbeitsministerium (Bundesagentur für Arbeit) eingereicht. Das gemeinsame Projekt von AFZ und AWO erhielt dafür den mit 25.000 € dotierten Preis eines Landessiegers.


Das gewonnene Geld soll wieder in Vorbereitungskurse fließen, die bisher aus Mitteln der Europäischen Gemeinschaft, des Bundes sowie des Senators für Finanzen und des Bildungssenators finanziert wurden. Auch eine Ausweitung der Kurse auf technisch-gewerbliche Berufe wird derzeit überprüft.


Andere Länder und Kommunen interessieren sich für Bremer Erfahrungen
Die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern ist im Land Bremen bereits früh als gesellschaftspolitische Aufgabe erkannt und als Konzept des Senats formuliert worden. „Nun hat sie mit dem Projekt BQNet auch überregionales Interesse geweckt“, erzählt Klaus-Dieter Schmeldtenkopf, Leiter der Beruflichen Ausbildung und Praktika beim AFZ. Hinsichtlich der Erhöhung des im Bundesdurchschnitt unter 5 % liegenden Migrantenanteils bei den Auszubildenden gelten die Bremer Vorbereitungskurse bereits als Vorzeigemodell, für die sich auch andere Länder und Kommunen interessieren.


Und auch intern, an den Praktikumplätzen und beim Förderunterricht, hat man gute Erfahrungen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemacht, die z. T. sehr ehrgeizig auf ihren Ausbildungsplatz hinarbeiten. Dies wird auch aus den Erfahrungsberichten deutlich, die die Jugendlichen heute über ihre Praktika im Gesundheitsamt, der Zentralen Meldebehörde und der Hundesteuerstelle im Finanzamt gaben.


Anteil der Migranten bei Auszubildenden von 2,6 auf 15,2 Prozent gestiegen
Aufgrund des Engagements auf allen Seiten konnte der Anteil der Migranten an den neu eingestellten Auszubildenden in Bremen in den letzten sechs Jahren von 2,6 % auf 15,2 % erhöht werden, im Jahr 2004 lag ihr Anteil sogar bei knapp 25 %. Aus den Vorbereitungskursen sollen etwa 75 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer den für alle Bewerberinnen und Bewerber identischen Einstellungstest bestehen und eine Ausbildung im bremischen öffentlichen Dienst beginnen können. Die Erfahrungen aus den letzten Kursen zeigen, dass diese Ziele realistisch sind.


Wie alle Beteiligten hofft nun auch Finanzsenator Dr. Nußbaum auf einen Sieg beim Bundesentscheid des Wettbewerbs „Jugend in Arbeit“ am 2. Mai in Berlin. „Eine derartige Auszeichnung bedeutet für die Verantwortlichen Ansporn für die künftige Weiterarbeit und ist auch für die jungen Menschen ein Zeichen dafür, dass sie einen guten Weg eingeschlagen haben“, erklärt der Finanzsenator und wüscht dem Projekt weiterhin viel Erfolg.



Foto: Denise Joachim, Senator für Finanzen