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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Umweltbehörde startet innovative Grundwasserreinigung in Sebaldsbrück

13.11.2014

Im Bereich Sebaldsbrücker Heerstraße/Schlossparkstraße, auf dem Gelände einer ehemaligen Silberwarenfabrik, startet die Umweltbehörde jetzt eine umfangreiche Grundwassersanierung. Das Grundwasser ist hier durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) verunreinigt. Seit September 2014 laufen bereits die Zirkulationsbrunnen um eine "Grundwasserwalze" zu erzeugen. Von nun an werden aktiv Schadstoffe im Untergrund reduziert. Im Rahmen der innovativen Sanierung wird durch Zugabe bestimmter Wirkstoffe der Abbau der Schadstoffe In-Situ (am Ort) durch chemisch-biologische Prozesse angeregt und intensiv unterstützt. Die Maßnahme wird voraussichtlich fünf Jahre dauern und kostet 3,3 Millionen Euro.

Auf dem Gelände der ehemaligen Silberwarenfabrik – heute ein Firmenparkplatz – wurde zuvor mit konventionellen Sanierungstechniken bereits eine Menge von 840 Kilogramm reiner Schadstoffe aus dem Untergrund zurückgewonnen. Gleichwohl sind hier immer noch massive Schadstoffbelastungen mit Quellpotential festzustellen. Diese sehr tief reichenden und ungleichförmig verteilten Schadstoffe sollen mit Hilfe innovativer Verfahren nun so weit wie möglich von dem Grundstück entfernt werden. Dazu werden die physikalischen und chemischen Milieubedingungen im Grundwasserleiter gezielt beeinflusst, so dass chemische und mikrobiologische Abbauprozesse direkt an den Belastungsschwerpunkten wirksam werden können. So sollen die LHKW stufenweise zunächst oxidiert und danach unter anaeroben Bedingungen (ohne Sauerstoff) weiter abgebaut werden.

Die von dem Grundstück ausgehende Grundwasserbelastung erstreckt sich in einer Schadstofffahne von etwa 750 Metern Länge und circa 280 Metern Breite bis zum Schloßpark-Bad. Sie erreicht damit eine Fläche von rund 20 Hektar. Den betroffenen Anwohnern wurde vom Gesundheitsamt Bremen und dem Umweltressort vorsorglich empfohlen, das Grundwasser nicht mehr zu nutzen.

"Sauberes Grundwasser ist ein hohes Gut, das wir uns und zukünftigen Generationen bewahren müssen. Die altlastenbedingten Verunreinigungen des Bodens und Grundwassers, die das Erbe der Industrialisierung des 20. Jahrhunderts sind, gilt es für die Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger zu beseitigen. Die Entwicklung innovativer Sanierungsmethoden hilft uns bei dieser Aufgabe", sagte Umweltsenator Dr. Joachim Lohse zu den Sanierungsarbeiten in Sebaldsbrück.

Die Umweltbehörde hat per Ausschreibung die Firma Züblin Umwelttechnik GmbH mit den Sanierungsarbeiten beauftragt. Der Erfolg der Sanierung wird in neun Stufen der erreichten Grundwasserqualität gemessen. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen an die zu erreichenden Zielwerte. Mit der letzten Stufe, werden die LHKW-Gehalte im Grundwasser unter 20 µg/l liegen und damit die Geringfügigkeitsschwellenwerte einhalten.

Hintergrund:
Zwischen der Zeppelinstraße im Westen und der Schlossparkstraße im Osten befindet sich beiderseits der Sebaldsbrücker Heerstraße eine Grundwasserverunreinigungen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) mit einer Gesamtfläche von rund 100 Hektar. Der Ursprung der dortigen Kontaminationen stammt von mehreren Hauptquellen der Vergangenheit, deren "Schadstofffahnen" sich teilweise überlagern. Verursacher sind u.a. eine ehemalige chemisch-pharmazeutische Fabrik in der Hemelinger Bahnhofstraße, eine ehemalige chemische Fabrik an der Sebaldsbrücker Heerstraße sowie eine ehemalige Silberwarenfabrik an der Sebaldsbrücker Heerstraße 174-180.

Direkt auf den genannten Quellgrundstücken hat die Umweltbehörde bereits zwischen 1998 und 2008 umfangreiche Boden- und Grundwassersanierungsmaßnahmen der jeweiligen Schadstoffherde veranlasst. Für die Finanzierung der Maßnahmen wurden, soweit möglich, die Verursacher oder die Grundstückseigentümer herangezogen sowie Fördermittel u.a. aus dem EU-EFRE-Programm eingesetzt.
Die auf den Grundstücken der ehemaligen chemischen Fabriken ausgeführten Sanierungsmaßnahmen waren erfolgreich, es gelangen keine relevanten Mengen von LHKW mehr ins Grundwasser.