Der Bremer Landesdekolonisierungsbeirat hat sich heute (2. März 2026) konstituiert. Zur Vorsitzenden wurde einstimmig Virginie Kamche vom Afrika-Netzwerk Bremen gewählt. Ebenso einstimmig wurden die beiden Stellvertretungen Lilli Hasche ("Walle dekolonisieren") und Prof. Dr. Manfred Hinz bestimmt. Der Landesdekolonisierungsbeirat soll Politik und Verwaltung beraten. Der Beirat versteht sich als ein Forum für Dialog und Vernetzung, das Akteurinnen und Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammenbringt, um Lösungen für die Überwindung noch immer vorhandener nachkolonialer Strukturen und Einflüsse zu finden und die Entfernung ehemaliger Überreste dieser Epoche im Stadtbild voranzutreiben.
Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz erinnerte an die historische Rolle Bremens im Kolonialismus: "Bremen hat in der Phase des Kolonialismus und Imperialismus eine bedeutende Rolle gespielt. Insbesondere der bremische Überseehandel war stark geprägt von Kolonialismus und den damit verbundenen ausbeuterischen und menschenverachtenden Strukturen. Zugleich hat Bremen ab den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts eine Vorreiterrolle in der Dekolonisierung eingenommen. Vor allem die Verbindung zwischen der Universität Bremen und der namibischen Befreiungsorganisation SWAPO war und ist prägend für diese Rolle unseres Bundeslandes und unserer engen Beziehung zu Namibia. Dennoch dürfen wir nicht nachlassen in unseren Anstrengungen, die fortwährenden Spuren des ursprünglichen Kolonialismus, die sich heutzutage immer noch in Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausdrücken, zu bekämpfen. Und genau dabei kann und wird uns eine solche Institution wie der Landesdekolonisierungsbeirat sehr behilflich sein. Wir stehen hier in Verantwortung für die sicherlich nicht immer glanzvolle Historie Bremens."
Die Vorsitzende des Beirates, Virginie Kamche, betonte nach ihrer Wahl, dass es "eine Ehre für mich ist, die erste Vorsitzende dieses neuen Bremer Landesgremiums zu sein. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen werden wir dieses Instrument nutzen, um die Dekolonisierung im Land Bremen weiter voran zu treiben. Wir müssen noch viele Spuren an diese unseligen Zeiten in Bremens Stadtbild tilgen. Eine noch verbesserte Aufklärung an den Schulen gehört für mich ebenfalls zu den Aufgaben. Denn solches Wissen ist die Grundlage gegen Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit, wie wir sie zunehmend in unserer Gesellschaft wieder antreffen. Zudem gibt es unzählige Felder, in denen eine weitere Dekolonisierung und Aufklärung notwendig ist. Das beginnt bei der Erinnerungskultur, erstreckt sich über den Wissenschafts- und Schulbetrieb und muss zu einem Perspektivwechsel des postkolonialen Erinnerns führen. Dazu benötigen wir weitere Formen und Orte des dekolonisierenden Erinnerns und dementsprechend auch eine internationale Vernetzung. Das ist für diesen neu geschaffenen Beirat sicherlich eine große Aufgabe, der wir uns aber engagiert und verantwortungsbewusst stellen."
Ziel des Dekolonisierungsbeirates ist zum einen, die gesamte Bremer und Bremerhavener Stadtgesellschaft – Zivilgesellschaft, Institutionen, Verwaltung, Wirtschaft und andere – in die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Folgen des Kolonialismus einzubinden. Dafür gilt es, das Thema in Wissenschaft, Bildung und Kultur weiter zu etablieren und würdige Formen des Erinnerns und des stadtweiten Diskurses zu entwickeln. Zum anderen sollen die bis heute nachwirkenden Folgen des Kolonialismus in Bremen und in den ehemaligen deutschen Kolonien berücksichtigt werden. Zudem soll der Beirat den Senat der Freien Hansestadt Bremen beraten und bei den Zielen zur Dekolonisierung unterstützen. Die Organisationen, die sich in Bremen mit dem Thema Dekolonialisierung beschäftigen, sind daher über die Geschäftsordnung des Beirates eng eingebunden und stimmberechtigt vertreten. Dazu zählen unter anderem das Afrika-Netzwerk, DerElefant!, Walle dekolonisieren oder Lundu.
Die Satzung, die Geschäftsordnung sowie die Besetzung des Beirates mit den stimmberechtigten Mitgliedern hatte die staatliche Deputation für Kultur zuvor beschlossen.
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