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Senatskanzlei

Bremens maritime Tradition lebt auf

10.05.2000

Zwei Schiffsnachbauten laufen vom Stapel: Bremer Kogge und Weserkahn



Wenn am 14. Mai in Bremen-Vegesack zwei Schiffe zu Wasser gelassen werden, wird ein Stück maritimer Vergangenheit ins dritte Jahrtausend zurückgeholt: Es sind dies die wuchtige Kogge und der imposante Weserkahn – beides Nachbauten, die bei der „Bremer Bootsbau Vegesack“ in jahrelanger, liebevoller Arbeit gefertigt wurden. Ein bedeutsames Projekt für die Hansestadt auch deswegen, weil sich hierbei viele arbeitslose Handwerker und Schiffbauer qualifizieren und neue Techniken erlernen konnten. Die beiden Schiffe werden in Zukunft am Liegeplatz „Schlachte“ vor der Bremer Altstadt Bremens Tradition als Hafen- und Hansestadt symbolisieren.


Hansekoggen waren zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert das wichtigste Transportschiff des großen und mächtigen Städtebundes der Hanse, dem Bremen im Jahre 1358 beitrat. Doch es gab nur historische Abbildungen dieses Schiffstyps – bis im Jahre 1962 in der Weser ein sensationeller Fund zutage kam. Es waren die Wrackteile einer knapp 600 Jahre alten Bremer Hansekogge, die unter schwierigsten Umständen geborgen werden konnten und sodann im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven über lange Jahre sorgfältig restauriert wurden.


Nach eben diesem historischen Vorbild ist die „neue“ Kogge bei der BBV nachgebaut worden. Und zwar so wie vor sechs Jahrhunderten – fast alles wurde von Hand gefertigt. Eichenstämme wurden in kraftraubender Handarbeit mit dem im Mittealter gebräuchlichen Dechsel für den Einbau vorbereitet, in einer kleinen Schmiede 10.000 Koggennägel („Spiker“). geformt. Sie halten den Schiffsrumpf zusammen und verbinden die Planken untereinander. Zum Abdichten trieben die Handwerker Wolle und Pflanzenfasern mit Hammer und Holzmeißel in die Ritzen und versiegelten sie mit einer Bitummasse.


Vier Jahre lang haben insgesamt 120 Beschäftigte an diesem Projekt gearbeitet, haben Erwerbslose einen Job gefunden und sich als Bootsbauer, Tischler, Schlosser, Elektriker, Maler oder Konstrukteur qualifiziert. Das rund 8,7 Millionen Mark teure Projekt wurde durch das Land Bremen, das Arbeitsamt und mit EU-Mitteln finanziert.


Parallel zur Kogge ist bei der „Bremer Bootsbau Vegesack“der historische Weserkahn nachgebaut worden. Hierbei handelt es sich um ein Frachtschiff mit geringem Tiefgang. Dieses Plattbodenschiff wurde etwa ab dem 17. Jahrhundert auf der Weser eingesetzt, weil der Strom immer mehr versandete und die größeren Handelsschiffe die bremischen Hafenanlagen an der Schlachte nicht mehr erreichen konnten. Auch bei diesem, mit rund acht Millionen Mark finanzierten Nachbau konnten auf der Werft der BBV erwerbslose Männer und Frauen ausgebildet und weiterqualifiziert werden. Der Weserkahn wird ebenfalls an der Schlachte liegen und soll ganzjährig als Bildungs-, Freizeit- und Ausstellungsschiff von Jugendlichen genutzt werden. Das Schiff soll über die Binnengewässer und entlang der Küsten bis nach Dänemark schippern.


Der Stapellauf beginnt am 14. Mai um 11 Uhr bei der „Bremer Bootsbau Vegesack“, Schulkenstraße/Tor Fähr in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Henning Scherf und Christine Koschnick, der Ehefrau des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Hans Koschnick. Sie ist Taufpatin des Kogge-Nachbaus. Den Weserkahn wird Bremens Senatorin für Arbeit, Hilde Adolf, taufen.