Sie sind hier:

Senatskanzlei

Antworten auf globale Ungleichheit

Bundesratspräsident Bovenschulte im Gespräch mit Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz

19.05.2026

Großer Andrang in der Bremer Landesvertretung am gestrigen Abend (18. Mai 2026) in Berlin: Rund 200 Personen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft waren der Einladung im Rahmen der Bremer Bundesratspräsidentschaft gefolgt. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte diskutierte mit Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Joseph Stiglitz über globale Ungleichheit.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz (rechts) diskutierte mit Bürgermeister Andras Bovenschulte (Mitte). Carl Mühlbach (links) moderierte die Veranstaltung.
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz (rechts) diskutierte mit Bürgermeister Andras Bovenschulte (Mitte). Carl Mühlbach (links) moderierte die Veranstaltung. Foto: Landesvertretung

Im Mittelpunkt der von Carl Mühlbach (Fiscal Future) moderierten Diskussion standen Fragen sozialer Ungleichheit, gerechter Teilhabe und der Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dies vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie den Kriegen im Iran und in der Ukraine, einer schwächelnden Weltwirtschaft und der Krise des Multilateralismus.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Bekämpfung globaler Ungleichheit weiterhin zu den größten Aufgaben unserer Zeit gehört. Stiglitz warnte davor, dass wachsende globale Ungleichheit nicht nur wirtschaftliche Chancen zerstört, sondern auch Demokratien schwächt und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Dabei machte er auch deutlich, dass Ungleichheit kein Naturgesetz ist. Sie sei das Ergebnis politischer Entscheidungen – und deshalb könne Politik sie auch verändern.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte übertrug dies auf die Situation in Deutschland: "Wir denken bei Ungleichheit zunächst an Armut. Aber sie ist nicht nur ein Problem der Armut, sondern hat auch einen Einfluss auf das demokratische System. Ungleichheit zerstört die Basis einer gesunden Demokratie. Deshalb bleibt es eine zentrale Aufgabe demokratischer Politik, Freiheit nicht nur formal zu garantieren, sondern sie für alle Menschen praktisch erfahrbar zu machen."

Dabei griff Bovenschulte auch den von dem Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz geprägten Begriff der "positiven Freiheit" auf. Freiheit bedeute nicht nur die Abwesenheit staatlicher Eingriffe, sondern vor allem die reale Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Anhand konkreter Beispiele aus Bremen machte Bovenschulte deutlich, wie wichtig leistungsfähige öffentliche Dienstleistungen und Investitionen in öffentliche Güter seien. Dazu zählten insbesondere der Ausbau von Kitas und Schulen, Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sowie moderne und bürgernahe Verwaltungsangebote.

Die Gäste diskutierten zudem über aktuelle steuer- und finanzpolitische Fragen, darunter die Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen sowie die Verantwortung hoher Einkommen und Vermögen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Einigkeit bestand darüber, dass wirtschaftliche Transformation und soziale Gerechtigkeit gemeinsam gedacht werden müssten. Die große Resonanz und die intensive Debatte mit dem Publikum unterstrichen den Erfolg der Veranstaltung. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer würdigten insbesondere den offenen Austausch und die Verbindung von wissenschaftlichen Perspektiven mit konkreten politischen Erfahrungen aus der Praxis.

Über Prof. Joseph E. Stiglitz: Joseph E. Stiglitz, geboren 1943 in Gary, Indiana, studierte am Amherst College und am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Anschließend lehrte er unter anderem an den Universitäten Yale, Princeton, Stanford und Columbia. Stiglitz war Chefökonom der Weltbank sowie Vorsitzender des Council of Economic Advisers unter Präsident Bill Clinton. 2001 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Forschung zur Informationsasymmetrie. Bekannt ist er insbesondere für seine Arbeiten zu Ungleichheit und Globalisierung.

Achtung Redaktionen:
Die Pressestelle des Senats bietet Ihnen das Foto zu dieser Mitteilung zur honorarfreien Veröffentlichung an. Foto: Landesvertretung

Ansprechpartner für die Medien:
Veit Swoboda, Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei der Bevollmächtigten der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und für Europa, Tel.: (030) 26930-34950, E-Mail: veit.swoboda@lvhb.bremen.de

Bremen von oben ·