Die Jury des Pauli-Preises spricht im Jahr 2026 Annette Kelm (vorgeschlagen vom Stifterkreis für den Pauli-Preis) den mit 30.000 Euro dotierten Preis zu. Die öffentliche Preisverleihung findet am Dienstag, dem 15. September 2026, um 18 Uhr in der Kunsthalle Bremen statt. Die Werke der Preisträgerin sowie der weiteren sieben nominierten Künstlerinnen und Künstler sind noch bis zum 4. Oktober 2026 in der Kunsthalle zu sehen.
Annette Kelm, 1975 in Stuttgart geboren, zeigt in der Ausstellung zum Pauli-Preis ihre Fotoserie "Die Bücher" von 2019–2021, mit der sie ausgewählte Exemplare der im Nationalsozialismus als "undeutsch" verbotenen und 1933 zum Teil öffentlich verbrannten Bücher porträtiert. Sie stehen stellvertretend für die kulturelle Vielfalt ihrer Zeit. Die Werke und Ideen dieser Autorinnen und Autoren sowie Gestalterinnen und Gestalter der Moderne sollten aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden. In "Die Bücher" sind Kelms Interesse für Objektfotografie zu erkennen, ebenso ihre konzeptionelle Arbeitsweise. Annette Kelm lebt und arbeitet in Berlin.
Die Begründung der Jury:
"Die Arbeit 'Die Bücher' von Annette Kelm überzeugt durch ihre Direktheit und konzeptuelle Stringenz. Sie besteht aus insgesamt 102 Fotografien, die jeweils das Cover eines von den Nationalsozialisten verbotenen und verbrannten Buches zeigen (in der Ausstellung zum Pauli-Preis ist eine Auswahl von 47 zu sehen). Die Bücher sind immer aus derselben Distanz und mit derselben Beleuchtung aufgenommen, sodass sie eine fast skulpturale Wirkung entfalten.
Der unversehrte Zustand der dargestellten Bücher zeugt von der Unzerstörbarkeit der Gedanken und der Ideenwelten, die sie verkörpern. Die Ruhe, die das Werk in seiner seriellen Anlage ausstrahlt, steht im Gegensatz zu der brutalen Gewalt, mit der die Nationalsozialisten gegen die Bücher und ihre Verfasserinnen und Verfasser vorgingen, sie zu zerstören und auszulöschen versuchten."
Die Mitglieder der Jury des Pauli-Preises 2026:
Terminhinweise:
Öffentliche Preisverleihung: Dienstag, 15. September 2026, 18 Uhr in der Kunsthalle Bremen
Anwesend: Annette Kelm (Künstlerin) und Thomas Brabant (Erster Sprecher des Stifterkreises für den Pauli-Preis)
Ausstellungslaufzeit: noch bis 4. Oktober 2026
Im Jahr 2026 wird in der Kunsthalle Bremen der Pauli-Preis zum 50. Mal verliehen. Der Pauli-Preis (ehemals Kunstpreis der Böttcherstraße, 1955 erstmals vergeben) zeichnet im deutschen Sprachraum lebende Künstlerinnen und Künstler für einen hervorragenden Beitrag zur jüngsten Kunst der Gegenwart aus und gilt als einer der bedeutendsten Preise für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Der mit 30.000 Euro dotierte Kunstpreis ist einer der bestdotierten in Deutschland. Seit 2024 erinnert er unter dem Namen Pauli-Preis an den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle Bremen, Gustav Pauli (1866–1938). Auf seine progressive Sammlungspolitik gehen die berühmtesten Werke aus der Kunsthallen-Sammlung zurück. Seinem fortschrittlichen Geist sieht sich auch der Pauli-Preis verpflichtet. Seit 1985 wird der Pauli-Preis vom Stifterkreis für den Pauli-Preis finanziert, der sich aus einer Gruppe von Mitgliedern des Kunstvereins in Bremen zusammensetzt sowie dem Senator für Kultur und der Sparkasse Bremen. Der Stifterkreis ermöglicht somit das Preisgeld wie auch die Kosten für die Ausstellung, den Katalog und den Ankauf eines Kunstwerks für die Sammlung der Kunsthalle Bremen.
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