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Senatskanzlei

70. Jahrestag des Kriegsendes – Gedenkstunde im Bremer Rathaus

Böhrnsen: Wir müssen wach bleiben und rechtzeitig dem Unrecht entgegentreten

28.04.2015

Am 27. April 1945 war für Bremen der Zweite Weltkrieg vorbei: Englische Truppen hatten die Stadt eingenommen, später wurden sie von der US-Armee abgelöst. Im Rathaus der Hansestadt erinnerte eine „Gedenkstunde zur Befreiung vom Nationalsozialismus durch britische Truppen“ an dieses historische Ereignis.
Vor 70 Jahren rückten britische Einheiten in Bremen ein. Drei Tage dauerte es von der Besetzung Habenhausens in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1945 bis zur Kapitulation des letzten Kampfkommandanten in der Nacht vom 26. auf den 27. April. Dann war für die Bremerinnen und Bremer der Krieg zu Ende und Bremen vom Nationalsozialismus befreit.

In seiner Rede bedankte sich Bürgermeister Jens Böhrnsen insbesondere bei den Briten und dem an der Gedenkstunde (am 28. April 2015) teilnehmenden britischen Botschafter, Sir Simon Gerard McDonald. Böhrnsen: "Dass in Bremen die Gräuel der Naziherrschaft beendet wurden, haben wir den Briten zu verdanken. Die britischen Truppen – im wesentlichen Schotten – haben Bremen befreit." Und weiter: "Elf Tage später, am 8. Mai 1945, hatte dann überall in Europa das Schießen und Morden ein Ende. Vom 1. September 1939 bis zum Ende des Krieges waren auf den Schlachtfeldern und in den zerbombten Städten mehr als 55 Millionen Menschen -Frauen, Männer und Kinder - zu Tode gebracht worden. Sechs Millionen Juden waren ermordet worden." In Bremen sind allein in den letzten sieben Kriegstagen noch 220 Soldaten und 540 Zivilisten ums Leben gekommen. Der Vormarsch auf Bremen forderte auch auf Seiten der Briten zahlreiche Tote, vor allem im Umland, wo Ortschaften wie Brinkum in harten Kämpfen erobert werden mussten. Im Zweiten Weltkrieg haben insgesamt 17.526 Bremerinnen und Bremer ihr Leben verloren, 13.400 davon als Angehörige der Wehrmacht während der Kriegshandlungen. 4126 wurden Opfer der 173 Luftangriffe auf die Stadt oder des Artilleriebeschusses bei der Eroberung. Als Juden wurden über 900 Bremerinnen und Bremer deportiert, 765 von ihnen wurden in den Lagern ermordet. Über 440 Menschen aus Bremen wurden Opfer der Euthanasieverbrechen. Über 150 Sinti und Roma aus Bremen wurden ermordet. Homosexuelle, Menschen im Widerstand, Zeugen Jehovas und sogenannte Asoziale waren ebenso Opfer der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Mehr als 1.100 Bremerinnen und Bremer wurden schon vor Kriegsbeginn in die Emigration getrieben, circa ein Viertel von ihnen ging in die USA.

Böhrnsen erinnerte in seiner Rede auch an die Entstehung des NS-Regimes und die Ursachen des Krieges: "Es muss uns immer bewusst bleiben: das Dritte Reich verdankt sein Entstehen weder kriegerischen oder revolutionären Unruhen noch äußerem Einwirken. Es wurde in einer Friedenszeit begründet. Es kam nicht wie ein Schicksalsschlag über die Deutschen. Es wurde von ihnen gebaut. Hitler wurde gewählt und unterstützt. Er hat die Macht nicht übernommen. Sie wurde ihm gegeben. Die Mehrheit nahm es hin, dass die Freiheiten immer mehr eingeschränkt wurden, dass man die Nachbarn holte und einsperrte, dass ganze Menschengruppen diskriminiert und zur Jagd freigegeben wurden. Die Konzentrationslager waren bekannt. Man konnte überall flüstern hören, dass geistig Behinderte ermordet wurden. Alle haben gesehen, wie die Synagogen brannten, wie die Juden geholt wurden."

Der Bürgermeister erinnerte auch an den Widerstand gegen das NS-Regime: "Gleichwohl dürfen wir auch nicht vergessen: es gab immer auch ein anderes Deutschland, auf das wir stolz sind: ein Deutschland mit friedlichen, humanen und demokratischen Traditionen. Auch in der Hitler-Zeit gab es tausende von Deutschen, zumeist unbekannte, einfache Leute, die Widerstand geleistet haben, die unter Einsatz ihres Lebens Verfolgten geholfen haben, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Viele von ihnen wurden dafür hingerichtet. Das Erbe jener mutigen Frauen und Männer wirkt nach als Verpflichtung, mitzuwirken und weiterzubauen an einer menschlichen Gesellschaft."

Unter dem Titel "Wie durch ein dunkles Tor" erinnerte anschließend Dr. Daniel Tilgner vom Landesfilmarchiv Bremen (Zentrum für Medien - Landesinstitut für Schule) mit Berichten von Zeitzeugen, Bild- und Filmdokumenten an die letzten Kriegstage in Bremen im April 1945.

Für den musikalischen Rahmen der Gedenkstunde sorgte der junge Musiker Donald Robinson, der als gebürtiger Schotte, derzeitiger Wahlbremer und Botschafter seiner Generation die Veranstaltung begleitete.