Sie sind hier:
  • Leiter des Staatsarchivs Dr. Hartmut Müller tritt in den Ruhestand

Der Senator für Inneres

Leiter des Staatsarchivs Dr. Hartmut Müller tritt in den Ruhestand

13.09.2000

Mit einem Empfang im Rathaus wird morgen (14.9.) Dr. Hartmut Müller, Leiter des Staatsarchivs von Bürgermeister Dr. Henning Scherf und Kultursenator Dr. Bernt Schulte aus Anlass seines Ausscheidens aus dem Dienst geehrt.

Dr. Hartmut Müller hat das Staatsarchiv seit 1975 als Archivdirektor geleitet, nachdem er seit dem Eintritt in den Vorbereitungsdienst 1965 alle Phasen der Fachausbildung in Bremen und der Archivschule in Marburg absolviert hatte. Er wurde in der Nachfolge von Karl H. Schwebel mit 37 Jahren der jüngste Archivdirektor der Bundesrepublik Deutschland.

Die Nachfolge von Dr. Hartmut Müller im Staatsarchiv wird zunächst kommissarisch von seinem bisherigen Stellvertreter Dr. Adolf E. Hofmeister wahrgenommen.

Hartmut Müller wurde 1938 in Trier geboren, ist dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abitur absolvierte er das Studium der Geschichte und Germanistik an den Universitäten in Mainz und Saarbrücken. Mit dem Thema seiner Dissertation blieb Hartmut Müller noch in der Pfälzer Landesgeschichte. Nach seinem beruflichen Umzug nach Norddeutschland wurden die unterschiedlichsten Gebiete der bremischen Landesgeschichte: Wirtschafts- und Schifffahrtsgeschichte, Firmen- und Handelsgeschichte, vorzugsweise Wein, Kaffee und Baumwollhandel das Feld seiner Betätigung als Forscher, Autor und Herausgeber.

Neben den Kernaufgaben der täglichen Archivarbeit, der Organisation und Verwaltung und seit 1975 auch der Leitung des Staatsarchivs, weisen eine Fülle von Aufsätzen, Beiträgen, Studien sowie zahlreiche Quelleneditionen in seiner Bibliografie Hartmut Müller als engagierten und fachkundigen Archivar und Historiker aus. Darüber hinaus ist er auch engagierter Bremer, obwohl er seinen Wohnsitz in Stuhr hat. So ist es besonders die historische Selbständigkeit Bremens, die ihn nicht nur staatspolitisch interessiert hat, wie z.B. in der Zusammenarbeit an einem Sammelband mit Volker Kröning u.a. „Das Land Bremen in Deutschland und Europa“.

Das Engagement für die Rückführung der im Krieg verloren gegangenen Archivalien, die aus der DDR 1987, aus Moskau 1990 zurückkehrten, wie auch für die nach Bremen verschleppten Zwangsarbeiter sowie die Bewusstmachung der Verantwortung der Stadt und ihrer Bevölkerung zeugen von der Identifikation mit dem Land seiner beruflichen Tätigkeit. Als Vorsitzender des Zwangsarbeitervereins „Walerjan Wróbel“, Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, der Deutsch-Lettischen Gesellschaft, der Freunde und Förderer der Villa Ichon in Bremen und dem Verein „Erinnern für die Zukunft“ hat Hartmut Müller weit über seine beruflichen Verpflichtungen hinaus Anstöße gegeben und zur Profilierung der Arbeit dieser Vereine beigetragen.

Die historischen Beziehungen Bremens zu anderen Ländern, Regionen und Städten auch im Kontext der Städtepartnerschaften der Freien Hansestadt Bremen hat Dr. Hartmut Müller für die Senatskanzlei zur Vorbereitung außenpolitischer Aktivitäten dargestellt, diese Texte warten noch auf ihre Veröffentlichung.

Auch kritische Themen, die durch Ausstellungen und Materialien für die Öffentlichkeit größere Kreise der Stadtbevölkerung erreichen sollen, gehörten immer wieder zu den Schwerpunkten des Interesses und des Einsatzes von Hartmut Müller. Vor allem die Arbeiterbewegung und die Auswirkungen der NS Herrschaft auf Bremen sind in Dokumentationen wie „Bremen im Dritten Reich“, „Kriegsende in Bremen“, Ausstellungen wie z.B. „Reichskristallnacht“ immer wieder mit historischen und politischen Gespür für Zeitpunkt und Präsentation zu wichtigen Beiträgen für die Aufklärung der Bevölkerung geworden.

Zu dieser „Archivpolitik“ von Hartmut Müller gehörte auch, dass er die Bewegung der lokalen Geschichtsgruppen der siebziger und achtziger Jahre, den Vereinen zur Errichtung von Gedenkstätten und „Erinnern für die Zukunft, zur Unterstützung der Opfer des Nazi-Regimes, Bürgerinitiativen und Schulen die Heranführung an das Archiv und semiprofessionelle Arbeitsweisen ermöglicht hat.

Viele Jahre hat Hartmut Müller die Stadtgemeinde Bremen im Rundfunkrat vertreten, von 1993 bis 1996 auch im Programmbeirat der ARD. In seiner Wohnsitz-Gemeinde Stuhr war Hartmut Müller von 1985 bis 1988 kommunalpolitisch tätig und Ratsmitglied im Gemeinderat.