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Die Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation

Umweltzertifizierung für bremische Häfen - Großer Schritt auf dem Weg zum „grünen“ Hafen

05.05.2011

Die bremischen Häfen haben auf dem Weg zum „grünen und nachhaltigen“ Hafen einen weiteren großen Schritt gemacht. Als erster deutscher Seehafenstandort haben sich die Zwillingshäfen Bremen/Bremerhaven erfolgreich gemäß dem Umweltmanagementsystem PERS (Port Environmental Review System) zertifizieren lassen. Eine entsprechende Urkunde wurde einer Vertreterin der Hafenbehörde heute (Do. 05.05.2011) im Rahmen der „European Seaports Conference 2011“ in Limassol, Zypern überreicht.

Der Senator für Wirtschaft und Häfen, Martin Günthner: „Die bremischen Häfen als zweitgrößter Hafenstandort Deutschlands übernehmen national wie auch für die Region zentrale wirtschaftliche Funktionen. Unser Ziel ist es, diese wirtschaftlichen Belange mit den Umweltbelangen in Einklang zu bringen. Denn erfolgreiches Wirtschaften, soziale Verantwortung und ökologische Vernunft gehören zusammen.“ Günthner verwies darauf, dass bereits in der Vergangenheit eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen worden sind, um eine ökologisch orientierte Hafenpolitik voranzubringen. „Mit der Zertifizierung bekommt dies eine neue Qualität. Die Anstrengungen werden verstärkt und systematisiert und alle am Hafengeschehen Beteiligten eingebunden.“

In einer Erklärung zur Umweltpolitik verpflichtet sich der Senator für Wirtschaft und Häfen, dass die bremischen Häfen die Vermeidung von Umweltbelastungen und Abfällen als einen entscheidenden Faktor im Hafenbetrieb und der Hafenentwicklung ansehen. Konkret verpflichtet sich Bremen, dass die bremischen Häfen

  • ein Umweltmanagementsystem gemäß den Vorgaben von Ecoports einführen, mittels dessen die Leistungen im Umweltschutz dokumentiert und kontinuierlich verbessert werden und das einen Rahmen darstellt, um Umweltziele zu setzen und zu überprüfen,
  • die Vermeidung von Umweltverschmutzung und die gebührende Berücksichtigung des Naturschutzes als einen entscheidenden Faktor beim Hafenbetrieb und bei Hafenplanungen ansehen,
  • über die gesetzlichen Umweltstandards hinaus voranschreiten, um innovative Umwelttechniken und –verfahren einzuführen,
  • möglichst Ressourcen sparend wirtschaften und bestrebt sind, insbesondere die Energieeffizienz zu steigern und damit die CO-2-Emissionen zu senken,
  • Produkte nachfragen und einsetzen, die bezüglich ihrer Fertigung und Entsorgung möglichst geringe Umweltauswirkungen haben,
  • der Vermeidung von Unfällen mit schädlichen Umweltauswirkungen sowie den Möglichkeiten der Unfallbekämpfung eine große Bedeutung zumessen,
  • einen Umweltbericht erstellen, in geeigneter Form veröffentlichen und alle zwei Jahre aktualisieren.

Um diese Umweltpolitik umzusetzen werden die Bremischen Häfen dafür Sorge tragen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend zu informieren und zu schulen, um ein hohes Niveau im Bereich der Umweltvorsorge dauerhaft zu sichern.
Darüber hinaus werden sich die bremischen Häfen bemühen, alle in Schifffahrt und Häfen tätigen Akteure für nachhaltige und umweltfreundliche Techniken und Praktiken zu gewinnen.

Die Zertifizierung umfasst im Wesentlichen weitere Punkte:

  • Dargestellt werden die wesentlichen signifikanten Umweltauswirkungen des Hafenbetriebes, die hierfür einschlägigen rechtlichen Grundlagen und die relevanten Zuständigkeiten. Wesentliche Umweltauswirkungen sind beispielsweise Überbauung von Natur und Landschaft bei Hafenbauvorhaben oder Auswirkungen auf Pflanzen- und Tierwelt durch Störwirkungen, Lärmbelastung, Auswirkungen durch Baggerei und Umlagern sowie Deponierung von Sedimenten um Wassertiefen zu gewährleisten, Verunreinigungen von Wasser und Boden bspw. beim Umschlag, Anfall von Abfällen.
  • Die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten der Bremischen Hafenverwaltung im Umweltbereich werden detailliert dargestellt.
  • Es werden sechs Umweltindikatoren ausgewählt anhand deren der umweltbezogene Fortschritt des Hafens kontrolliert und gemessen werden kann.
    1. Baggermenge pro Jahr in Bezug zur Gesamtwasserfäche des Hafens, beispielsweise wurde 2008 0,08 m³ pro m² Wasserfläche gebaggert, im Jahr 2009 waren das 0,065 m³ pro m². Dies bedeutet eine positive Tendenz. In den kommenden Jahren wird der Trend beobachtet.
    2. Anteil des verwerteten Baggergutes in Relation zur Gesamtjahresbaggermenge, 2008 wurden 9,6% des anfallenden Baggergutes verwertet, z.B. für Deichbauvorhaben, 2009 waren dies 15 %, was eine deutliche Steigerung bedeutet
    3. Nutzung regenerativer Energien (Anteil regenerativer Energien an Energieversorgung für die Hafeninfrastruktur) 2008: 18%, 2009: 20,3%
    4. Biotop-Index für Gesamthafen (von Bremischen Häfen verantwortete Bioptopfläche in ha/Gesamthafenfläche in ha, 2008: 20,08%, 2009: 22,52%
    5. Lärmentwicklung des Containerterminals in Relation zur Jahresumschlagsmenge
    6. Schiffskontrollen (Festgestellte Mängel in Relation zur Anzahl der Schiffsbesichtigungen), Spätestens alle zwei Jahre wird ein Umweltbericht veröffentlicht, der die wesentlichen umweltrelevanten Aktivitäten des Hafens beschreibt. Der Umweltbericht stellt die im Antrag erarbeiteten Inhalte öffentlichkeitswirksam dar. Darüber hinaus werden sonstige umweltrelevante Aktivitäten dargestellt, z.B. das Greenports Konzept.
  • Mindestens zwei Beispiele der „guten Praxis“, die erfolgreiche Lösungen in der Bewältigung umweltbezogener Probleme beinhalten, werden dokumentiert. Zum einen die Darstellung des nachhaltigen Wassertiefenmanagements der Bremischen Häfen, zum anderen das Biotop- und Kompensationsmanagement.

Bei dem Umweltmanagementsystem „PERS“ handelt es sich um ein freiwilliges Instrument des vorsorgenden Umweltschutzes mit der Umweltauswirkungen des Hafens systematisch erhoben und vermindert werden. Dieses System wurde speziell für die Anforderungen von Häfen entwickelt und bietet einen anerkannten Standard der „guten Praxis“ für Häfen.

Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses haben wesentliche Akteure des Hafens, bremenports und das Hansestadt Bremische Hafenamt unter Federführung des Senators für Wirtschaft und Häfen eng zusammengearbeitet. Aufgrund der vielfältigen Arbeitsprozesse mit Umweltrelevanz wurden darüber hinaus weitere wichtige Akteure wie bspw. BLG und Eurogate eingebunden.

Die Bewertung des Antrages und die Zertifizierung erfolgte durch Lloyd´s Register, Rotterdam. Das nun verliehene Zertifikat gilt zunächst zwei Jahre.