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Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz

Bessere Vernetzung: Vermittlungsstellen für Hebammen

12.06.2018

In Bremen wird eine Vermittlungsstelle für Hebammen eingerichtet. Die Deputation für Gesundheit und Verbraucherschutz stimmte heute (Dienstag, 12. Juni 2018) dem Vorschlag zu, den die Gesundheitssenatorin gemeinsam mit dem Hebammen-Landesverband Bremen und der ZGF (Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau) erarbeitet hat.

Die Pläne sehen vor, eine digitale Plattform für eine Hebammenvermittlung aufzubauen. Das Internetportal zeigt ein differenziertes Angebot der Hebammenleistungen stadteilbezogen und mehrsprachig an. Freiberufliche Hebammen werden dadurch besser erreicht. Senatorin Quante-Brandt: „Mit einer Vermittlungsstelle für Hebammen im Internet können Frauen und Paare schneller Informationen über Angebote und Verfügbarkeiten erhalten und somit selbst aktiv werden, um eine Hebamme in ihrem Umfeld zu finden.“
Ergänzend dazu wird eine telefonische Beratung eingeführt, in der sie Informationen erhalten und Fragen stellen können.

Als dritter Baustein der Strategie zur besseren Vernetzung soll ein Pilotprojekt „Quartiersnahe Hebammenzentren“ entwickelt werden. Ein Zentrum kann die Koordination und Vernetzung der lokalen Versorgungserbringer wie zum Beispiel Familienbildungsstätten, Geburtshaus, Frauenärztinnen, Sozialstationen und Familiengesundheitspflegerinnen, fördern. Senatorin Quante-Brandt ist überzeugt, dass die neuen Versorgungsformen in den Stadteilen die Angebote der Hebammen bündeln können: „Hebammenzentren können in den Stadtteilen gezielt Angebote machen. In den Zentren arbeiten Hebammen im Team und betreuen dadurch mehr Familien. Die Frauen und ihre Familien werden im Stadtteil direkt angesprochen. Dabei können die Angebote passgenau für Zielgruppen wie zum Beispiel Migrantinnen, Alleinerziehende oder Teenage-Mütter entwickelt werden.“ Auch die Arbeit des Bündnisses für natürliche Geburt, das in Bremen aktiv ist, wird durch die bessere Vernetzung gestärkt.

In der Deputationssitzung wurden auch die Ergebnisse einer Befragung der freiberuflichen Hebammen im Land Bremen vorgestellt, die das Socium der Universität Bremen im Rahmen des Gesundheitsberufe-Monitorings durchgeführt hat. Die Studie hatte das Ziel, die Zahl, Altersstruktur und den Beschäftigungsumfang so valide wie möglich zu erfassen, um eine möglichst verlässliche Datengrundlage für die Fachkräfteplanung zu haben.

Die Befragung ergab, dass der Bedarf an Hebammen in den nächsten Jahren – basierend auf der aktuellen Bevölkerungsschätzung des Bremer Landesamtes für Statistik – relativ konstant bleiben. Bis 2027 werden jedes Jahr voraussichtlich mindestens 15 neu ausgebildete Hebammen benötigt, um den aktuellen Fachkräftestand aufrecht zu erhalten. Zur Verbesserung der aktuellen Versorgungssituation müssen mehr Hebammen rekrutiert werden.

Rund 160 Hebammen waren Ende 2016 in einem Beschäftigungsverhältnis tätig. Die Anzahl der in Bremen freiberuflich tätigen Hebammen ist laut SOCIUM schwer abzuschätzen, sie wird auf ebenfalls 160 geschätzt. Etwa 55 der an den Kliniken beschäftigen Hebammen sind auch freiberuflich tätig. Laut Befragung ist insgesamt von bis zu 216 Hebammen auszugehen, die entweder an den Kliniken beschäftigt oder freiberuflich tätig sind und in Bremen wohnen.

Senatorin Quante-Brandt: „Es ist gut, eine Grundlage für die Planung zu haben. Mit einer Aufstockung der Ausbildungsplätze machen wir einen wichtigen Schritt, um auch künftig den Bedarf decken zu können. Wichtig ist auch, dass der Beruf attraktiver wird, damit sich mehr Männer und Frauen dafür entscheiden.

Die Ausbildung ändert sich grundlegend. Mit der Akademisierung der Hebammenausbildung wird die Ausbildung künftig nicht mehr an der Hebammenschule in Bremerhaven, sondern an einer Hochschule stattfinden. Die gute Arbeit der Beschäftigten wird in die Umsetzung des Konzeptes einbezogen. Bremerhaven bleibt mit dem Klinikum Bremerhaven weiterhin ein wichtiger Praxispartner in der Hebammenausbildung. Diese Veränderung sieht eine EU-Richtlinie vor, die bis 2020 umgesetzt sein muss. Der Grund: Die Anforderungen an den Hebammenberuf sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Das Tätigkeitsspektrum wie auch die Form der Berufsausübung von Hebammen haben sich grundlegend verändert. Auch hier geht es - wie in den anderen Pflegeberufen – immer stärker um reflektiertes Handeln, die Stärkung der Beratungskompetenz sowie angesichts eines höheren Migrationsanteils auch um die interkulturelle Kompetenz. Mit der Akademisierung wird der Beruf deutlich attraktiver, so dass sich hoffentlich mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden.“