Bremen verbessert Frauenanteil bei Neubesetzungen öffentlicher Unternehmen
29.07.2026Das Land Bremen hat den Frauenanteil bei der Besetzung von Spitzenpositionen in öffentlichen Unternehmen erhöht. Dies zeigt die am 15. Juli 2026 veröffentlichte "FIT-Public Management-Studie 2026" der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Die Studie untersucht jährlich die Repräsentanz von Frauen in den Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen sowie deren Berücksichtigung bei Neubesetzungen.
Im Untersuchungszeitraum von April 2025 bis April 2026 wurden in den öffentlichen Unternehmen des Landes Bremen 15 Positionen in Vorständen, Geschäftsführungen oder Unternehmensleitungen neu besetzt. Der Frauenanteil bei diesen Neubesetzungen lag bei 26,7 Prozent und damit um 14,2 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Entsprechend wurden 73,3 Prozent der Top-Positionen im Untersuchungszeitraum mit Männern besetzt. Insgesamt stieg der Frauenanteil in den Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen von 26,0 auf 31,5 Prozent. Damit liegt Bremen deutlich über dem Bundesschnitt von 23,4 Prozent und bildet gemeinsam mit Berlin die Spitze des diesjährigen Rankings. Ein Vergleich der beiden Bremer Stadtgemeinden zeigt jedoch deutliche Unterschiede: In der Stadt Bremen sind inzwischen 35,9 Prozent der Spitzenpositionen mit Frauen besetzt, in Bremerhaven liegt der Anteil bei 21,4 Prozent. Zwar konnte auch Bremerhaven den Frauenanteil steigern, der Zuwachs fiel mit 5,3 Prozentpunkten jedoch geringer aus als in der Stadt Bremen.
Bettina Wilhelm, Landesfrauenbeauftragte von Bremen: "Der Anstieg ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass Veränderungen möglich sind. Gleichzeitig dürfen wir uns mit einem Frauenanteil von gut 30 Prozent im Land Bremen nicht zufriedengeben. Solange Führungspositionen nicht annähernd paritätisch besetzt sind, besteht weiterhin Handlungsbedarf. Jetzt gilt es, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen."
Besorgniserregend ist dagegen der bundesweite Trend. Während Bremen Fortschritte erzielt, ist der Anteil von Frauen bei Neubesetzungen in öffentlichen Unternehmen bundesweit deutlich gesunken – von 30,7 Prozent auf 23,9 Prozent. Wilhelm: "Der öffentliche Sektor trägt eine besondere Verantwortung für die Gleichstellung der Geschlechter: Er hat eine Vorbildfunktion für die Privatwirtschaft. Der bundesweite Rückschritt ist deshalb alarmierend – umso wichtiger ist es, dass Bremen den eingeschlagenen Kurs fortsetzt und weiter ausbaut."
Um den Frauenanteil in den Führungsebenen öffentlicher Unternehmen im Land Bremen dauerhaft zu erhöhen, hält die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) an ihrer Forderung nach verbindlicheren Regelungen fest.
"Das Land Bremen gehört zu den wenigen Bundesländern, die bislang keine gesetzliche Regelung zur Förderung der Gleichstellung bei der Besetzung von Top-Managementpositionen in öffentlichen Unternehmen geschaffen haben. Die vom Senator für Finanzen im Handbuch Beteiligungsmanagement formulierte Empfehlung, auf eine geschlechterparitätische Besetzung hinzuwirken, ist nicht verbindlich genug und reicht daher nicht aus", erklärt Bettina Wilhelm. Vielmehr sollte landesgesetzlich gemäß Paragraf 77a Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 2 des GmbH-Gesetzes geregelt werden, dass in Gesellschaften mit Mehrheitsbeteiligung des Landes bei mehr als zwei Geschäftsführungsmitgliedern mindestens eine Frau und ein Mann in der Geschäftsführung vertreten sein müssen. Eine Stellenbesetzung, die dies nicht erfüllt, wäre dann nicht wirksam.
Ein weiterer Hebel wäre die Verankerung einer paritätischen Regelung im "Public Corporate Governance Kodex (PCGK)" der Freien Hansestadt Bremen. Der PCGK richtet sich direkt an Geschäftsführungen und Aufsichtsräte, die über Besetzungen im Topmanagement entscheiden und wird in der FIT- Public-Management-Studie neben gesetzlichen Regelungen als ein besonders wirksames Instrument benannt. Bettina Wilhelm abschließend: "Empfehlungen allein reichen nicht aus. Wer nachhaltige Gleichstellung in Führungspositionen erreichen will, muss dafür verbindliche Rahmenbedingungen schaffen."
Ansprechpartnerin für die Medien:
Susanne Gieffers, ZGF Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: (0421) 361-6050, E-Mail: presse@frauen.bremen.de