Innensenatorin stellt Verfassungsschutzbericht 2025 vor: "Bericht ist ein Auftrag zu mehr Wachsamkeit"
29.06.2026"Die Sicherheitslage ist ernst." Mit diesen Worten stellte Bremens Innensenatorin Dr. Eva Högl heute (29. Juni 2026) den Verfassungsschutzbericht 2025 vor. Hybride Bedrohungen durch fremde Staaten, wachsender Rechts- und Linksextremismus, die Gefahr islamistischer Anschläge und ein anhaltend hoher Antisemitismus fordern Staat und Gesellschaft zugleich. Gemeinsam mit Thorge Koehler, dem Leiter des Bremer Verfassungsschutzes, warb die Senatorin dafür, den Bericht nicht nur als Informationsquelle zu lesen, sondern als "Auftrag zu mehr Wachsamkeit".
Fremde Staaten wollen Deutschland und Europa gezielt schwächen – unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges, mit Desinformation, Cyberangriffen, Spionage und Sabotage. "Allen voran betreibt Russland seit Jahren Kampagnen gegen unsere Demokratie", so Högl. Vor der Bundestagswahl im Februar 2025 reagierte der Bremer Verfassungsschutz früh: Gemeinsam mit der Bremischen Bürgerschaft, der Landeszentrale für politische Bildung und dem Unternehmen Ströer warnte er in 177 Städten auf digitalen Stadtbildschirmen vor gezielter Desinformation. Ein Projekt, welches bundesweit bei den Sicherheitsbehörden der anderen Länder Beachtung findet.
Warum Bremen besonders im Visier steht, erklärte Koehler: Die Häfen in Bremerhaven gehören zu den wichtigsten Nato-Drehscheiben, dazu kommt Bremens starke Sicherheits-, Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie. "Immer wieder gibt es Ausspähversuche durch Drohnen über kritischer Infrastruktur", so Koehler. Erstmals widmet der Bericht den hybriden Bedrohungen ein eigenes Sonderkapitel.
Der Antisemitismus sei "kein Randphänomen und kein Phänomen eines einzelnen politischen Lagers.", so Högl. "Deshalb enthält der Bericht erstmals ein eigenes Sonderkapitel zu Antisemitismus. Die Bedrohungslage macht den Schutz jüdischer Einrichtungen auch in Bremen weiter notwendig.
Die größte Gefahr für die Demokratie geht nach Überzeugung der Senatorin von der "Neuen Rechten" aus. Ihr Ziel: eine ethnisch homogene Gesellschaft an Stelle der offenen, pluralen Ordnung. Eine zentrale Rolle in diesem Netzwerk spielt die AfD. Auch im Bremer Landesverband wächst der Einfluss der "Neuen Rechten". In Bremen gingen die Sicherheitsbehörden 2025 entschlossen gegen die rechtsextreme Gruppierung "weserems.aktion" vor. Besonders besorgt zeigte sich Innensenatorin Högl über die sogenannte Attentäter-Fanszene, in der Täter glorifiziert und junge Menschen zu Anschlägen gedrängt werden.
"Die Gefahr durch den Islamismus ist nicht kleiner geworden", warnte Högl. Der Nahostkonflikt treibt die jihadistische Szene weiter an und hat das ohnehin hohe Anschlagsrisiko noch einmal spürbar erhöht. Im August 2025 deckten die Bremer Sicherheitsbehörden in Bremerhaven eine islamistisch motivierte Anschlagsplanung auf. "Das war ein Erfolg und ein deutliches Signal, dass die Bedrohung real und manchmal sehr nah ist", so die Senatorin. Sorge bereitet vor allem die Radikalisierung Jugendlicher über Plattformen wie TikTok.
Gewaltbereite Linksextremistinnen und Linksextremisten sind eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Das zeigte der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar. Auch in Bremen bleibt die Gewaltbereitschaft hoch: Im Dezember 2025 brannte das Lieferfahrzeug eines Restaurants, im März 2025 mehrere Polizeifahrzeuge. "Russland versucht, Gruppen aus beiden Lagern für sich zu nutzen", betonte Högl.
"Unser Bericht 2025 zeigt, dass es notwendig ist, den Verfassungsschutz weiter konsequent zu stärken. Und zwar mit angepassten Rechtsgrundlagen, mehr Personal, Räumen und Technik um die Vielzahl der Aufgaben auf bereits hohem Niveau stetig steigender Bedrohung angemessen erfüllen zu können." so die Innensenatorin.
Der Verfassungsschutzbericht 2025 (pdf, 4.7 MB) ist dieser Mitteilung als PDF angehängt.
Ansprechpartner für die Medien:
René Möller, Pressesprecher bei der Senatorin für Inneres und Sport, Tel.: (0421) 361-9002, E-Mail: rene.moeller@inneres.bremen.de