Landesfrauenbeauftragte zu geringer Müttererwerbstätigkeit
11.06.2026"Die Zahlen sind erschreckend und machen deutlich, wie stark tradierte Rollenbilder hierzulande immer noch vorherrschen und wie schwer es ist, diese Strukturen nachhaltig aufzubrechen", kommentiert Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm die heute (Donnerstag, 11. Juni 2026) erschienene Veröffentlichung der Arbeitnehmerkammer zu Erwerbstätigkeit von Müttern. Danach haben nur knapp die Hälfte (52 Prozent) aller Mütter mit Kita-Kindern im Land Bremen einen Job – die wenigsten im Bundesvergleich.
"In Bremen sind im Bundesvergleich die wenigsten Frauen erwerbstätig, in der Folge haben sie ein hohes Armutsrisiko. Es ist bitter, dass dieser Befund seit Jahren Bestand hat und mit jeder neuen Untersuchung bestätigt wird", so die Landesfrauenbeauftragte weiter. Bremen hat bundesweit die höchste Armutsquote, Frauen und insbesondere Alleinerziehende sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Das hat der jüngst veröffentlichte Armutsbericht nachgewiesen. "Eigenständige Existenzsicherung sollte für Frauen normal sein – ist es aber leider immer noch nicht", so Bettina Wilhelm. "Für Eltern gilt: Die Anreize zu ungleicher Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit müssen endlich abgeschafft werden. Das Ehegattensplitting muss weg oder so verändert werden, dass es die Versorgerehe nicht mehr begünstigt. Die Partnermonate im Elterngeld müssen gleich verteilt werden: volles Elterngeld nur, wenn beide Eltern sich Erwerbs- und Sorgearbeit gleichberechtigt teilen. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, geteilte Führung und die Wertschätzung von Vätern, die aktiv Sorgearbeit übernehmen, muss in Unternehmen ausgebaut werden. Und wir brauchen eine Berufsorientierung ohne Geschlechterblick, also frei von Klischees. All dies sind Hebel für nachhaltige Veränderung."
Derzeit sei eine Wiederkehr oder ein Erstarken tradierter Geschlechterrollen zu beobachten und von Studien nachgewiesen, so die Landesfrauenbeauftragte: "Die neuen Zahlen der Arbeitnehmerkammer bestätigen diesen Trend. Doch sie geben keinen Aufschluss darüber, ob diese Aufteilung von beiden Partnern gewollt ist. Es gibt sehr viele Eltern, die sich eine gleichberechtigte Arbeitsteilung wünschen, sie aber aus wirtschaftlichen oder organisatorischen Gründen nicht verwirklichen können. Sie muss der Staat besser und zielgerichteter unterstützen. Die Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch."
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