Baden und Wassersport langfristig im Einklang mit dem ökologischen Gleichgewicht sichern
15.04.2026Der Werdersee zählt durch seine zentrale Lage zu den beliebtesten Naherholungsgebieten in Bremen. Ob Baden, Rudern, Stand-up-Paddling oder Spaziergänge am Ufer – der See ist für viele Menschen ein fester Bestandteil ihrer Freizeit. Gleichzeitig ist der Werdersee ein empfindliches Gewässer, dessen Wasserqualität, ökologische Balance und Funktion im Hochwasserschutz eng miteinander verbunden sind.
Damit das so bleibt, hat die Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft gemeinsam mit der Senatorin für Inneres und Sport ein Managementkonzept erarbeiten lassen. Ziel ist es, die starke Ausbreitung der sogenannten Wasserpest einzudämmen und gleichzeitig die vielfältige Nutzung des Sees langfristig zu sichern. Das Konzept haben die beiden Senatorinnen am Werdersee vorgestellt. Der Senat beschließt das Konzept voraussichtlich Ende des Monats.
Dr. Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft: "Unser Ziel war es, eine Lösung zu finden, die für alle funktioniert: für die Menschen, die den See zur Naherholung nutzen, für den Sport, für den Naturschutz und für den Hochwasserschutz. Gleichzeitig geht es darum, den Werdersee als sensibles Ökosystem zu stabilisieren und seine ökologische Funktionsfähigkeit zu sichern. Genau diesen Ausgleich wollen wir mit dem Maßnahmenpaket erreichen. Der Werdersee ist ein Ort für alle – niedrigschwellig, frei zugänglich und für viele Menschen eine wichtige Möglichkeit, sich unabhängig vom Geldbeutel zu erholen oder schwimmen zu gehen. Insbesondere in den Sommerferien ist dies von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig ist der See ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Fischen, Insekten und Pflanzen und damit zentral für die Wasserqualität und die ökologische Stabilität des Gewässers. Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam eine tragfähige Lösung gefunden haben."
Dr. Eva Högl, Senatorin für Inneres und Sport: "Der Werdersee ist für den Wassersport in Bremen unverzichtbar – für Vereine, für Schulen, für alle, die hier trainieren und wettkämpfen. Gerade im Sommer ist er für viele Menschen die erste Adresse: Wer keinen Urlaub am Meer machen kann, findet hier einen Ort zum Schwimmen, Paddeln und Erholen. Mit den geplanten Maßnahmen stellen wir sicher, dass Training und Wettkämpfe – insbesondere die Ruderregatta – auch künftig zuverlässig stattfinden können."
Im Frühsommer 2025 breitete sich die Wasserpest – eine auf dem Seegrund wachsende Unterwasserpflanze – innerhalb weniger Wochen im gesamten Werdersee aus. Die dichten Pflanzenbestände machten das Baden und Wassersport zeitweise unmöglich. Um zumindest die offizielle Badestelle freizuhalten, wurde der Pflanzenbestand in den Sommermonaten mehrfach maschinell entfernt. Zusätzlich wurde die Wasserpest im Herbst einmal vollständig im gesamten See gemäht, um ihre Entwicklung für das Jahr 2026 zu schwächen.
Dennoch zeigen Erfahrungen aus anderen Regionen: Die Wasserpest ist eine sehr widerstandsfähige, invasive Pflanze. Eine vollständige Entfernung gilt als unrealistisch – erforderlich ist vielmehr ein dauerhaftes Management, das sowohl die Nutzung des Sees als auch die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers berücksichtigt.
Das neue Managementkonzept ist das Ergebnis eines intensiven Abstimmungsprozesses: Seit Oktober 2025 haben verschiedene Akteure der bremischen Verwaltung gemeinsam mit externen Fachleuten – darunter der Deichverband am linken Weserufer, Bremenports GmbH & Co. KG sowie die Hanseatische Naturentwicklung GmbH – Daten zur Nutzung des Werdersees, zu ökologischen Zusammenhängen und zum Hochwasserschutz ausgewertet. Ergänzend sind auch die Erfahrungen, Bedürfnisse und Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger direkt in die Analyse eingeflossen. Darauf aufbauend wurden konkrete Maßnahmen entwickelt und mit den betroffenen Gruppen abgestimmt.
Kern des Konzepts ist es, die Nutzung des Sees auch bei starkem Wachstum der Wasserpest zu sichern. Dafür sollen in besonders wichtigen Angebotsbereichen mehrmals im Jahr Wasserpflanzen gemäht werden. Diese Angebotsbereiche werden bewusst für den Gemeingebrauch freigehalten und der Öffentlichkeit dauerhaft zur Nutzung angeboten.
Die Mahden werden in verschiedenen, alternativ zu betrachtenden Bereichen vorgeschlagen, die für den Wassersport und das Baden als prioritär angesehen werden. Im Fokus stehen unter Abwägung der ökonomischen sowie ökologischen Auswirkungen vor allem die Strecke zwischen Wilhelm-Kaisen-Brücke und Deichschart-Brücke für den Rudersport sowie der östlich anschließende Abschnitt bis zur Vogelinsel, der für Baden, Schulsport und weitere Wassersportarten vorgesehen ist. Ergänzend wird die Wasserpest an der Badestelle gezielt und teilweise mitsamt der Wurzel entfernt, um ein schnelles Nachwachsen zu bremsen.
Es kommen spezielle Mähsammelboote zum Einsatz, mit denen in prioritären Bereichen bis zu dreimal jährlich Unterwassermahd durchgeführt wird. Für 2026 sind drei flexible Mahdtermine vorgesehen, die bedarfsorientiert eingesetzt werden können. Die Mahd erfolgt jeweils rechtzeitig, bevor Nutzungsbeeinträchtigungen oder Sperrungen nötig werden. So bleibt der Werdersee trotz dichter Vegetation sicher und gut nutzbar.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Bremer Ruderregatta, die jedes Jahr Anfang Mai stattfindet und zu den größten Veranstaltungen ihrer Art in Deutschland zählt. Bei einem frühen, starken Wachstum der Wasserpest soll der Regattabereich daher bereits im April vorbereitet werden. Grundlage sind regelmäßige Kontrollen durch Taucher, die die Entwicklung der Pflanzen frühzeitig bewerten. Im Rahmen des aktuellen Tauchgangs haben die Fachkräfte den Bewuchs der Wasserpest im Werdersee begutachtet. Die Einschätzung zeigt, dass das Wachstum der Pflanze noch nicht weit fortgeschritten ist. Vor diesem Hintergrund ist eine Frühjahrsmahd zum jetzigen Zeitpunkt nicht erforderlich, sodass die für Anfang Mai geplante Ruderregatta stattfinden kann. Um das Wachstum der Wasserpest weiterhin zu kontrollieren, wird es regelmäßige Tauchgänge im Werdersee geben. Im Juni sind Mahden vorsorglich eingeplant sowohl für die Badezone als auch die Angebotsbereiche.
Die Mittel für die Umsetzung dieser Maßnahmen sollen vom Umwelt- und Sportressort jeweils zur Hälfte finanziert werden.
Neben den kurzfristig wirksamen Maßnahmen verfolgt das Konzept auch einen langfristigen Ansatz: Mit gezielten biologischen und mechanischen Maßnahmen soll das ökologische Gleichgewicht des Werdersees stabilisiert werden. Ziel ist es, die Ausbreitung der Wasserpest auf natürliche Weise zu begrenzen und gleichzeitig heimische Wasserpflanzen zu stärken.
Langfristig kann so der Pflegeaufwand reduziert und die Nutzbarkeit des Sees mit weniger Eingriffen gesichert werden. Gleichzeitig werden die Lebensbedingungen für Flora und Fauna verbessert – ein wichtiger Beitrag zu einem stabilen, widerstandsfähigen Ökosystem.
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