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Die Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration

Sozialsenatorin Karin Röpke warnt vor Gewalt- und Kinderpornographie im Internet



27.03.2002

Sozialsenatorin Karin Röpke hat die Veröffentlichung eines Berichtes über jugendgefährdende Angebote im Internet zum Anlass genommen, Eltern und Pädagogen/Pädagoginnen auf Rechtsextremismus sowie Gewalt- und Kinderpornographie im Internet hinzuweisen.


Leider wächst der Anteil kinder- und jugendgefährdender Seiten im Internet. Das Internet ist keine virtuelle Spielwiese für Erwachsene mehr, auf der sich die Nutzer – wie in den Anfängen dieses Mediums – weitgehend selbst regulieren, sondern hier ist auch ein jugendgefährdender Ort entstanden.


Senatorin Karin Röpke: "Ich möchte alle Eltern bitten, ihre Kinder nicht einfach an das Medium Internet abzugeben. Eltern sollten sich damit beschäftigen, was ihre Kinder sich im Internet eigentlich anschauen. Eltern können das Surfen begleiten, auch wenn sie selbst zunächst kein Interesse daran haben." Dabei ist es ratsam, nicht einfach Verbote auszusprechen, die gewaltverherrlichende oder pornographische Internet-Seiten eventuell nur noch interessanter machen, sondern kinderfreundliche Websites gemeinsam mit den Kindern aufzusuchen.


Senatorin Röpke weist alle Interessierten auf das hilfreiche "jugendschutz.net" hin, einer gemeinsamen Einrichtung der Bundesländer, die jetzt ihren "Erfahrungsbericht 2001" vorgelegt hat. Dieser Bericht liegt zusammen mit einer Mitteilung der Länderreferenten für Jugendschutz in einer gekürzten Fassung dieser Pressemitteilung bei.


Besonders empfehlenswert für Eltern und Pädagogen ist die Broschüre "Ein Netz für Kinder - Surfen ohne Risiko?" des Bundesministeriums für Familie. Der praktische Leitfaden steht im Internet zum Download bereit unter:

www.bmfs.de/Anlage.pdf




Erfahrungsbericht 2001
jugendschutz.net – Zentralstelle der Obersten Landesjugendbehörden für Jugendschutz in Mediendiensten


Jugendschutz im Internet durchsetzen

jugendschutz.net hat den Auftrag, jugendgefährdende Angebote im Internet zu überprüfen und auf deren Veränderung oder Herausnahme zu dringen. Ziel ist ein vergleichbarer Jugendschutz wie in den traditionellen Medien. Durch die konsequente Auseinandersetzung mit jugendschutzrelevanten Angeboten berücksichtigen inzwischen sehr viel mehr Web-Angebote die Notwendigkeit des Jugendschutz, als jugendschutz.net sie jemals kontrollieren könnte.


Jugendschutzrelevante Probleme im Internet

Das Internet zeichnet sich nach wie vor durch ein exponentielles Wachstum aus, auch wenn im Zuge der Krise der New-Economy die Wachstumsgeschwindigkeit im letzten Jahr etwas abgenommen hat. Über das Internet werden große Mengen an absolut unzulässigen und jugendgefährdenden Angeboten verbreitet, die in ihrer Quantität und ihrem Gefährdungspotenzial weit über das Maß hinausgehen, das in traditionellen Medien zu finden ist. Als jugendschutzrelevanter Problembereich neu hinzugekommen sind die so genannten File-Sharing-Systeme.


Angesichts der Schnelligkeit des Mediums und der unüberschaubaren Fülle jugendschutzrelevanter Angebote ist eine umfassende Kontrolle im Internet nicht mehr möglich. jugendschutz.net versucht deshalb, durch gezieltes exemplarisches Handeln, durch vielfältige Kooperationen und durch eine Konzentration auf die wirklich relevanten Angebote die vorhandenen Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen. Wichtig ist vor allem, die Perspektive von Kindern und Jugendlichen einzunehmen und sich auf die Angebote zu konzentrieren, auf die Minderjährige in relevantem Umfang gewollt und vor allem auch ungewollt stoßen.


3000 Beschwerden über Jugendschutzverstöße im Internet

jugendschutz.net hat 1999 im Rahmen des INHOPE-Projektes eine Online-Melde-stelle eingerichtet, die aus Mitteln der Internet Action Plan for a Safer Use of the Internet der EU-Kommission gefördert wird. Allein im letzten Jahr gingen über diese Hotline mehr als 3.000 Beschwerden ein. Die Hotline ist eine Art Stimmungsbarometer der surfenden Bevölkerung, das anzeigt, ob und welche Angebote gerade Brisanz und Aktualität besitzen. Gemeldet wurden insbesondere pornographische An-gebote ohne Altersschutz, kinderpornographische Darstellungen, rechtsextreme Angebote und so genannte Tasteless-Sites.


Maßnahmen gegen 1000 unzulässige Angebote

Obwohl jugendschutz.net nur exemplarisch tätig werden kann, hat sich die Auseinandersetzung mit jugendschutzrelevanten Angeboten im Internet zum Massenverfahren entwickelt. Im letzten Jahr sind mehr als 2.500 Websites neu erfasst worden (Steigerung um 50% gegenüber 2000). Jeweils die Hälfte der Erfassungen basierte auf eigenständigen Recherche von jugendschutz.net und auf Meldungen an die Hotline. Im Jahr 2001 ist jugendschutz.net gegen insgesamt 1.000 Angebote im In- und Ausland vorgegangen.


Von den insgesamt etwa 1.000 erfassten deutschen Websites waren ca. 650 Angebote unzulässig. jugendschutz.net hat hier die Anbieter aufgefordert, den Jugendschutz zu berücksichtigen. Etwa 450 Angebote wurden auf Grund der Beanstandungen abgeändert, rund 200 an die Aufsichtsbehörden der Länder zur Einleitung von Straf- und Ordnungsmaßnahmen weitergeleitet (Steigerung um 150% gegenüber 2000). Zusätzlich wurden etwa 200 Fälle von Kinderpornografie (+15%) und ca. 75 Fälle von Tier- und Gewaltpornografie an das BKA abgegeben. Große Steigerungen gab es vor allem im Bereich so genannter Posenfotos (+250%).


Rechtsextremismus im Internet die Plattform entziehen

Schwerpunkt der Projektarbeit von jugendschutz.net war letztes Jahr die Re-cherche rechtsextremer Jugendszenen im Internet. Im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung und des Bundesfamilienministeriums konnten etwa 1.000 deutschsprachige rechtsextreme Angebote dokumentiert werden. Neben der Sichtung und Bewertung von Angeboten, die ganz gezielt jugendliche Seh- und Kommunikationsgewohnheiten (Spiele, Musik, interaktive Angebote wie Gästebücher und Foren) bedienen, ging es hier auch um die Erprobung von Möglichkeiten, wie dem Rechtsextremismus im Internet die Propaganda-Plattform entzogen werden kann.


Die meisten rechtsextremen Angebote werden anonym über US-amerikanische Hoster ins Netz gestellt. jugendschutz.net hat hier erste Erfahrungen gesammelt, wie in Verhandlungen mit Host- und Service-Providern nach deutschem Recht unzulässige Angebote auch im Ausland geschlossen werden können. Bei 106 ausgewählten Angeboten wurden geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen. Insbesondere wurden Hostprovider angeschrieben und unter Bezugnahme auf ihre Geschäftsbedingungen gebeten, Websites zu schließen. Auf Betreiben von jugendschutz.net konnten so 30 Angebote in Deutschland und 35 Websites in den USA geschlossen werden.


Handreichungen für Eltern und Pädagogen

Die Rechercheprojekte von jugendschutz.net dienen nicht nur dazu, die Jugend-schutzrelevanz von wichtigen Phänomen im Internet besser einschätzen zu können, sondern es geht auch darum, medienpädagogische Handreichungen zu entwickeln. Im Jahr 2001 sind in diesem Rahmen ein Leitfaden für Eltern und Pädagogen „Ein Netz für Kinder – Surfen ohne Risiko?“ (Auftrag: Bundesfamilienministerium) und eine CD-ROM „Rechtsextremismus im Internet – Recherchen, Analysen, pädagogische Modelle“ (Auftrag: Bundeszentrale für politische Bildung) entstanden.


Auf der CD-ROM werden nicht nur die Rechercheergebnisse von jugendschutz.net dokumentiert, sondern sie enthält auch eine umfangreiche Materialsammlung (z.B. gespiegelte Websites, einschlägige Songs und Nazi-Spiele) und ausgearbeitete Seminarkonzepte für die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus.


Kommunikation mit wichtigen Schnittstellen im Netz

Um die Effektivität der Arbeit zu erhöhen und über den Einzelfall hinaus Wirksamkeit zu erzielen, versucht jugendschutz.net mit wichtigen Schnittstellen im Internet ins Gespräch zu kommen bzw. im Gespräch zu bleiben (z.B. mit Betreibern von Suchmaschinen). Gerade die flüchtigen Bereiche des Internets (z.B. Chat, Foren, Communities, Auktionshäuser) lassen sich nur noch in Kooperation mit den Betreibern regulieren.


Im letzten Jahr wurde insbesondere der Versuch unternommen, mit Adult-Anbietern und Betreibern von Altersverifikations-Systemen zu einem Konsens über Mindeststandard bei der Alterskontrolle zu kommen.


Internationale Zusammenarbeit

Bei der Durchsetzung des Jugendschutzes im Internet wird es auf lange Sicht entscheidend sein, wie gut es gelingt, auf internationaler Ebene zu gemeinsamen Schutzregelungen und zu einer gemeinsamen Praxis gegen „harmful content“ im Internet zu kommen. In diesem Rahmen ist vor allem die Einbindung von jugendschutz.net in das INHOPE-Hotline-Projekt zu erwähnen. Die Zentralstelle der Länder arbeitet hier als einzige staatliche Einrichtung mit 14 Hotlines aus 9 europäischen Ländern zusammen.


Im Rahmen der Rechtsextremismus-Projekte wurden erstmals antirassistische Initiativen aus dem europäischen Ausland zu einem Expertenmeeting nach Mainz eingeladen, um Möglichkeiten einer Kooperation auszuloten, den Austausch von Daten und eine konkrete Zusammenarbeit zu vereinbaren.


Neuregulierung des Jugendschutzes im Internet

jugendschutz.net hat sich an der Diskussion um den Entwurf eines Jugendmedienschutzstaatsvertrages intensiv beteiligt und sich insbesondere um eine Präzisierung der das Internet betreffenden Regelungen bemüht. jugendschutz.net versucht, die durch die öffentliche Diskussion erreichte Sensibilisierung für Fragen des Jugendschutzes gezielt zu nutzen. Ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit wird es sein, den bisher vernachlässigten Bereich der schwer zu regulierenden entwicklungsbeeinträchtigenden Darstellungen im Internet zu recherchieren und mit der Internet-Industrie einen Code-of-Conduct für die kindgerechte Gestaltung ihrer Portale zu erarbeiten.


Rücksicht auf Kinder im Netz

jugendschutz.net hat mit seiner Arbeit dazu beigetragen, daß sich auch in der Öffentlichkeit ein Bewußtsein über das Gefährdungspotential des Internets entwickelt hat. Das Internet ist keine virtuelle Spielwiese für Erwachsene mehr, auf der sich die Nutzer – wie in den Anfängen dieses Mediums – weitgehend selbst regulieren, sondern hier ist auch ein jugendgefährdender Ort entstanden. In der Arbeit von jugendschutz.net geht es nicht nur darum, auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu drängen, sondern darüber hinaus auch für eine stärkere Rücksichtnahme auf Kinder und Jugendliche im Netz zu werben. Industrie, Staat und Ge-sellschaft sind im Sinne einer „Kultur gemeinsamer Verantwortung“ aufgefordert, Angebote nicht unreflektiert ins Netz zu stellen, sondern immer auch potentielle Wirkungen auf Seiten jugendlicher Nutzer zu berücksichtigen.


Mainz, 20.03.02


Kontakt für weitere Informationen:

jugendschutz.net, Fritz-Kohl-Str. 24, 55122 Mainz
06131/328520 (Anrufbeantworter), -22 (Fax), buero@jugendschutz.net http://www.jugenschutz.net




jugendschutz.net: Immer mehr jugendgefährdende Internetangebote ohne ausreichenden Jugendschutz


jugendschutz.net, die Zentralstelle der Länder für Jugendschutz im Internet hat im letzten Jahr mehr als 2.500 jugendschutzrelevante Websites überprüft. Insgesamt wurde gegen 1000 unzulässige Internet-Angebote im In- und Ausland vorgegangen.


jugendschutz.net hat etwa 650 deutsche Anbieter, die ungeschützt Porno-grafie präsentierten, aufgefordert, den Jugendschutz zu berücksichtigen. In etwa 2/3 der Fälle nahmen die Anbieter ausreichende Änderungen vor, die restlichen 187 Angebote wurden zur Einleitung von Strafmaßnahmen an die zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder abgegeben. Zusätzlich recherchierte jugend-schutz.net 200 Fälle von Kinderpornografie und 75 Fälle sonstiger harter Pornographie (Gewalt- und Tierpornographie), die direkt an das BKA weitergeleitet wurden.


Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von jugendschutz.net bestand letztes Jahr in der Recherche rechtsextremer Jugendszenen im Internet. Im Rahmen von zusätzlichen Projekten im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung und des Bundesfamilienministeriums konnten etwa 1.000 deutschsprachige rechtsextreme Angebote dokumentiert werden. Neben der Sichtung und Bewertung von Angeboten, die ganz gezielt jugendliche Seh- und Kommunikationsgewohnheiten (Spiele, Musik, interaktive Angebote wie Gästebücher und Foren) bedienen, ging es hier auch um die Erprobung von Möglichkeiten, wie dem Rechtsextremismus im Internet – auch im Ausland – die Propaganda-Plattform entzogen werden kann. Bei 106 Angeboten wurden geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen (z.B. Anschreiben von Host und Serviceprovidern). Auf Betreiben von jugendschutz.net konnten 30 Angebote in Deutschland und 35 Websites in den USA geschlossen werden.


Etwa die Hälfte der Verstöße recherchierte jugendschutz.net selbst, der Rest basierte auf Hinweisen von Internet-Nutzern. jugendschutz.net hat vor zwei Jahren eine Online-Meldestelle eingerichtet, die im Rahmen des INHOPE-Verbundes der EU mit 14 Hotlines aus 9 Ländern kooperiert. Gemeldet wurden insbesondere pornographische Angebote ohne Alterskontrolle, kinderpornographische Darstellungen und so genannte Tasteless-Sites (zynisch kommentierte Bilder von kranken, verletzten oder getöteten Menschen).

Die von Bund und Ländern angestrebte Neuregelung des Jugendmedienschutzes versucht, einheitliche Schutzregelungen für Rundfunk und Internet zu etablieren. Im Rahmen dieser Diskussion hat sich jugendschutz.net verstärkt mit großen Internetportalen auseinandergesetzt, weil sie im Vergleich zum Fernsehen den Jugendschutz nur unzureichend berücksichtigen. Viel besuchte Webangebote wie Suchmaschinen oder Angebote privater Rundfunkanbieter verlinken nicht nur auf unzulässige Hardcore-Sites, auch entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte, die im Fernsehen erst ab 23:00 Uhr gesendet werden dürften, sind in der Regel ohne Schutzmaßnahmen zugänglich.


Mit besonderer Sorge betrachtet jugendschutz.net die Entwicklung im Bereich der Adult-Angebote. Zunehmend werden deutsche Websites mit pornografischen Bildern, Videos und Live-Peepshows völlig ungeschützt über 0190er-Zugänge oder ohne ausreichende Alterskontrollen angeboten. Zu beobachten ist, dass Webmaster schon im frei zugänglichen Vorschaubereich die Grenzen austesten und mit allen möglichen Tricks versuchen, Surfer, darunter auch unerfahrene Kinder, auf ihre Seiten zu locken und dort „gefangen“ zu halten. Gerade im Bereich dieser aggressiven Vermarktungsmethoden sind freiwillige Selbstbeschränkungen der Anbieter zu fordern.


jugendschutz.net wurde vor 3½ Jahren als gemeinsame Einrichtung von den Jugendministerien der Länder gegründet. Die Zentralstelle hat den Auftrag, jugendgefährdende Angebote im Internet zu überprüfen und auf deren Veränderung oder Herausnahme zu dringen. Ziel ist ein vergleichbarer Jugendschutz wie in den traditionellen Medien. Angesichts der Vielfalt und Schnelligkeit des Mediums Internet ist eine komplette Kontrolle nicht mehr möglich. Die präventive Wirkung der Kontrollen von jugendschutz.net auf deutsche Anbieter, das Gefühl, dass hier eine staatliche Einrichtung auf die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet drängt, ist von zentraler Bedeutung.



Kontakt für weitere Informationen:


jugendschutz.net
Fritz-Kohl-Str. 24
55122 Mainz
06131/328520 (Anrufbeantworter)
06131/328522 (Fax)
buero@jugendschutz.net
www.jugendschutz.net