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Senatskanzlei

27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Umfangreiches Veranstaltungsprogramm

08.01.2014

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in der Bundesrepublik Deutschland ein nationaler Gedenktag - 1996 durch den damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Dieses Datum bezieht sich auf den 27. Januar 1945 als jenem Tag, an dem Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit hatten. Und es ist nach wie vor ein nationaler und inzwischen auch europäischer wie internationaler Gedenktag, der allen Opfergruppen der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet ist.

Dieser Gedenktag dient nicht nur dem Zweck, ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen, sondern soll auch aktuell wirken. In der Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog hieß es: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muß auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken."

Unter der Koordination der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen, der Landeszentrale für politische Bildung und des Bremer Vereins "Erinnern für die Zukunft e.V." wird nun im Jahre 2014 zum 18. Mal in Folge ein Programm präsentiert, an dem sich wieder eine große Zahl von Kooperationspartnern beteiligt hat und in dem unterschiedlichste Aspekte des Erinnerns, des Mahnens und Gedenkens angesprochen werden. Das Programm - im Internet unter www.lzpb-bremen.de und www.erinnernfuerdiezukunft.de - beginnt Mitte Januar und reicht bis Mitte März 2014. Wieder versammelt das Veranstaltungsprogramm eine Vielzahl unterschiedlicher Themen und Formen als Angebot zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert und mit den Bemühungen, aus dieser Geschichte auch Lehren zu ziehen - es gibt Vorträge, Ausstellungen, Diskussionen, Stadtrundgänge, Filme und Buchvorstellungen.

Den thematischen Schwerpunkt des Programms 2014 bilden die Deportationen Bremer Jüdinnen und Juden nach Minsk am 18. November 1941 und 1942 sowie 1945 nach Theresienstadt. Die konkreten Bemühungen um die Gründung einer [FETTGedenkstätte Trostenez bei Minsk in Weißrussland] seit dem Jahre 2013 haben auch in Bremen zu einer nicht nur finanziellen Beteiligung geführt. Eine Bremer Delegation wird im Juni zur Grundsteinlegung nach Minsk reisen. Das Titelbild des Programms zeigt die Eingangsschranke zum Lager Trostenez. Der Vortrag "Ein Landgut als Vernichtungsstätte: Maly Trostinez bei Minsk (1942 – 1944)" von Dr. Petra Rentrop am 11. Februar stellt die historischen Hintergründe des Ortes der Vernichtung vor. Die Bremer Chorwerkstatt wird am 8. Februar 2014 in der Bremer Friedenskirche ein Benefizkonzert für eine Gedenkstätte in Trostenez aufführen.

Am 23. Juli 1942 und am 13. Februar 1945 fuhren von Bremen aus Deportationszüge nach Theresienstadt. Prof. Dr. Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, hat sich in seiner jüngsten Veröffentlichung mit Theresienstadt auseinander gesetzt. Er ist Ehrengast bei der Gedenkveranstaltung im Rathaus und spricht zum Thema "Der Verrat an den deutschen Juden: Theresienstadt als Ort der ‚Endlösung’". Diese zentrale offizielle Gedenkstunde des Senats der Freien Hansestadt Bremen mit Bürgermeister Jens Böhrnsen findet am Montag, 27. Januar 2014, um 19.30 Uhr im Rathaus statt. Wieder werden Schülerinnen und Schüler die Namen ermordeter Opfer des Nationalsozialismus verlesen. Die Bremer Chorwerkstatt begleitet die Veranstaltung musikalisch.

Den Auftakt der Veranstaltungen bildet ein Gespräch mit Dr. Grigori Pantijelew vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde über Missverständnisse unter dem Motto "Wann hört die ‚Deutsche Schuld’ auf?". Wieder aufgegriffen wird am 20. Januar die Frage, wie man nach 2015 mit dem Buch "Mein Kampf" umgehen soll. In einem Werkstattbericht wird Dr. Othmar Plöckinger vom Institut für Zeitgeschichte München über den Fortgang der Arbeiten an einer kommentierten Neuausgabe des Buches berichten und sicherlich auch die aktuellen Auswirkungen der Kündigung der finanziellen Förderung durch die Regierung des Freistaates Bayern schildern. Diese politische Entwicklung war bei der Programmplanung noch nicht absehbar.

Das Kommunalkino City 46 zeigt den Film "Der zerbrochene Klang" über Musikerfamilien in Bessarabien und die Zerstörung der dortigen Kulturen. Diese Veranstaltung am 4. Februar findet statt als Kooperation der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste mit der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.

Das Schulmuseum veranstaltet Führungen durch die eigene Ausstellung über Kindheit und Jugend in Bremen und durch den Erdbunker auf dem Gelände. Das Schulmuseum veranstaltet zudem einen Vortrag über "Geschichtsunterricht im neuen Geiste" über den Bremer Lehrer Friedrich Walburg. Um Medizinverbrechen an Bremer Kindern und Jugendlichen geht es in einer Ausstellung, die in der Staats- und Universitätsbibliothek erneut gezeigt werden wird. Die Verfolgung so genannter "Asozialer Familien" in Bremen während der NS-Zeit schildert Elke Steinhöfel in einem Vortrag. Um Bremer Orte, Spuren jüdischen Lebens und um Bremer Stadtteile in der NS-Zeit geht es in verschiedenen [FETTStadtführungen] von Joachim Bellgart.

Die Bremische Bürgerschaft präsentiert gleich mehrere Ausstellungen, darunter auch die Darstellung "Versöhnung im Alleingang – Die Blocklandmorde im November 1945". Ab 16. Januar wird dort auch die Ausstellung der Inge Deutschkron Stiftung mit dem Titel "Dem Leben hinterher – Fluchtorte jüdischer Verfolgter" zu sehen sein. Zur Finissage am 28. Februar wird Inge Deutschkron sprechen.

Eine Reihe von Veranstaltungen von Friedenskirche und dem Denkort Bunker Valentin, einem Referat der Landeszentrale für politische Bildung, widmet sich dem Ort U-Boot-Bunker Valentin, aber auch dem Nachdenken über das Erinnern.

In der offiziellen Veranstaltung der Universität Bremen am 27. Januar referiert Dr. Ulf Hashagen vom Forschungsinstitut für Technik- und Wissenschaftsgeschichte beim Deutschen Museum in München über "Mathematiker und ‚Rechner’ im NS-Staat".

Das Buch "Landschaften der Metropole des Todes" von Otto Dov Kulka, Überlebender der Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz und im November 2013 Träger des Geschwister-Scholl-Preises, wird von Dr. Hermann Kuhn vorgestellt.

Das Erinnerungsprojekt "Stolpersteine" des Kölner Bildhauers Gunter Demnig bildet erneut einen besonderen Schwerpunkt. Stadtrundgänge - bereits erwähnt - auf den Spuren der Stolpersteine informieren stadtteilbezogen über die verlegten Gedenksteine und die dahinter verborgenen Schicksale. Und das 2013 durch die Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Lundner initiierte Kunstprojekt "Zimmerdenkmal" kann unter dem Motto "Auf den Spuren der Familie Lundner" erneut besichtigt werden. Band 1 der Reihe "Stolpersteine in Bremen" beschäftigt sich mit der Region Nord und wird im Rahmen einer musikalischen Lesung am 18. Februar in der Zentralbibliothek vorgestellt.

Das Ringen [FETTder verschiedenen NS-Opfergruppen um Anerkennung nach 1945] ist Thema eines Vortrags von Manfred Bannow am 13. Februar. Und die Bremer Landesarchäologin, Prof. Dr. Uta Halle, befasst sich am 25. Februar mit dem Thema "Sinalco-Limo, Hansa-Bier und Litho-Ziegelsteine. Die ‚Arisierung’ der Lippischen Thonwarenfabrik". Am 11. März wird dann Dieter Schenk, der bereits mehrfach in Bremen vorgetragen hat, sein neues Buch über Danzig, Bremens Partnerstadt, unter dem Titel "Danzig 1930-1945. Das Ende einer Freien Stadt" vorstellen.