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Sonstige

Als attraktiver Arbeitgeber positionieren: Fachkräftesicherung in der Gesundheitsbranche

Regionalkonferenz 2013 des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. in Delmenhorst

22.08.2013
Die Referenten der Regionalkonferenz 2013 von Gesundheitswirtschaft Nordwest. e.V. : Karin Harms, Antje Kehrbach, Brigitte Bösch, Prof. Dr. Monika Habermann, Barbara Weider, Ansgar Rudolph (v.l.n.r.)
Die Referenten der Regionalkonferenz 2013 von Gesundheitswirtschaft Nordwest. e.V. : Karin Harms, Antje Kehrbach, Brigitte Bösch, Prof. Dr. Monika Habermann, Barbara Weider, Ansgar Rudolph (v.l.n.r.)

Wer pflegt uns morgen? Wie finden Kliniken Mitarbeiter? Welche Ideen gibt es gegen den Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die vierte Regionalkonferenz des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. heute (21. August 2013) im Veranstaltungszentrum com.media in Delmenhorst. Rund 120 Fachleute diskutierten unter dem Titel: "Attraktiver Arbeitsmarkt – Attraktive Arbeitgeber? Strategien der Fachkräftesicherung in der Gesundheitswirtschaft" auf dem ehemaligen Gelände der Nordwolle über Herausforderungen und mögliche Maßnahmen. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehörten Vertreter aus Klinken, Pflegeeinrichtungen, Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Verwaltung. Die jährlich stattfindende Regionalkonferenz des Netzwerks ist das zentrale Event der Gesundheitswirtschaft in der Metropolregion Bremen-Oldenburg. Sie bietet Akteuren aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft Gelegenheit zum Austausch.

"Ein Drittel aller Betriebe in der Gesundheitswirtschaft sehen den Fachkräftemangel als größtes Risiko für ihre wirtschaftliche Zukunft" zitierte Ansgar Rudolph, Geschäftsführer von Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. eine Umfrage des DIHK auf der Tagung. Wissenschaftlichen Studien zufolge würden im Jahr 2030 in Deutschland bis zu 800 000 Pflegevollzeitkräfte fehlen. Diese Entwicklung werde weitreichende Konsequenzen für die Gesundheitswirtschaft und jeden Einzelnen haben, prophezeite Professor Dr. Monika Habermann, Leiterin des Zentrums für Pflegeforschung und Beratung an der Hochschule Bremen. Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft würden nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Branchen um eine abnehmende Zahl an Schulabgängern konkurrieren. Daher gelte es die Attraktivität des Berufsfeldes schon jetzt deutlich zu verbessern.

Als Beispiel hierfür stellte Antje Kehrbach, Fachreferentin des Bremer Senators für Gesundheit, die ‚Bremer Pflegeinitiative gegen den Fachkräftemangel' vor. Unterschiedliche Akteure aus der Bremer Gesundheitsbranche unterzeichneten im Oktober 2012 eine gemeinsame Vereinbarung gegen den Fachkräftemangel. Die beschlossenen Maßnahmen sollen die Rahmen- und Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern, die Aus-, Fort- und Weiterbildung unterstützen, für mehr Nachwuchs in Pflegeberufen sorgen und die Finanzierung berücksichtigen. Ziel der Vereinbarung sei es, eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Pflegelandschaft in Bremen sicherzustellen, erklärte Kehrbach.

Im Anschluss daran berichteten Vertreterinnen aus öffentlichem Dienst, Verbänden und Krankenhäusern über ihre Strategien gegen den Fachkräftemangel. Dazu zählten etwa die Fachkräftesuche auf Jobmessen im Ausland, Unterstützung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ländlichen Gegenden oder Imagekampagnen. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde ein breit gefächerter Maßnahmenkatalog präsentiert: Von flexiblen Arbeitszeitmodellen, Firmenkindergärten, Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder, bis hin zur Kontaktpflege während der Elternzeit und individuellen Hilfen für Menschen, die Angehörige pflegen. Aber auch Aus-, Fort- und Weiterbildung, Mitbestimmung bei der Gestaltung des eigenen Arbeitsfelds und betriebliche Gesundheitsförderung spielten eine wichtige Rolle, um neue Fachkräfte zu gewinnen und beschäftigte zu halten.

Mithilfe einer gemeinsamen Initiative zur Imageförderung wollen regionale Akteure der Gesundheitsbranche jetzt junge Menschen für den Pflegeberuf motivieren. Ansgar Rudolph stellte die ‚Social Media Plattform Pflegeausbildung Metropolregion Nordwest' vor. An dem Projekt beteiligen sich Krankenhäuser, Altenpflegeunternehmen und wis-senschaftliche Einrichtungen unter Federführung des Netzwerks Gesundheitswirtschaft Nordwest e. V. "Die Plattform soll jungen Menschen, die sich in der Phase beruflicher Orientierung befinden, einen authentischen Eindruck über den Pflegeberuf vermitteln", erklärte Rudolph. Einer Studie der Universität Bremen zufolge hätten Jugendliche wenig Kenntnisse über Pflegeberufe. Ziel des Projektes sei es, Vorurteile abzubauen und mehr junge Menschen für die Pflege zu gewinnen.

Im Rahmen des Projektes werden potenzielle Berufsanfänger über soziale Netzwerke angesprochen: Pflegekräfte in der Ausbildung oder mit ersten Berufserfahrungen sollen ihnen den Beruf via Facebook und Twitter als Botschafter näherbringen. Das Projekt wird mit Mitteln der Metropolregion Bremen-Oldenburg in Höhe von 50.000€ unterstützt und startet Anfang 2014. Gesundheitswirtschaft Nordwest e.V. sucht hierfür weitere Kooperationspartner. Insbesondere Einrichtungen, die Fachkräfte für Kranken- und Altenpflege ausbilden oder beschäftigen sind gefragt. Interessierte melden sich in der Geschäftsstelle.

Weitere Informationen und Kontakt:
Ansgar Rudolph, Gesundheitswirtschaft Nordwest e. V.
Tel. (0421) 27 81 99 64
Fax (0421) 27 81 99 89
info@gesundheitswirtschaft-nordwest.de
www.gesundheitswirtschaft-nordwest.de

Gesundheitswirtschaft Nordwest e. V. ist eine Clusterinitiative der Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten. Der Verein hat mehr als 60 Mitglieder aus der gesamten Region und aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft. Er versteht sich als Plattform für Vernetzung von Akteuren und Initiierung von Kooperationen, mit dem Ziel, Innovationskraft und wirtschaftlichen Erfolg in der regionalen Gesundheitswirtschaft zu stärken.

Foto: Medizinkontext/Riehl-Halen