Anonyme Online-Befragung will Hürden im Hilfesystem sichtbar machen
25.08.2026Wie finden Betroffene von K.O.-Tropfen nach einem Vorfall Hilfe? Welche Hindernisse erleben sie auf dem Weg zu medizinischer, rechtlicher oder psychosozialer Unterstützung? Diesen Fragen widmet sich eine neue wissenschaftliche Studie, die jetzt im Land Bremen startet und von der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) unterstützt wird.
Ziel des Forschungsprojekts von Studentinnen des Masterstudiengangs Gesundheitsförderung und Prävention der Universität Bremen ist es, Hürden beim Zugang zum Bremer Hilfesystem für Menschen zu untersuchen, denen unfreiwillig K.O.-Tropfen verabreicht wurden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Unterstützungsangebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und Versorgungslücken sichtbar zu machen.
Das Verabreichen von K.O.-Tropfen kann zu Kontrollverlust und Erinnerungslücken führen. Nicht zuletzt hat der international bekannt gewordene Fall von Gisele Pelicot die Aufmerksamkeit auf eine Form sexualisierter Gewalt gelenkt, bei der Betäubungsmittel gezielt eingesetzt werden, um Übergriffe zu ermöglichen.
Die Aufklärung eines Verdachts wird dadurch erschwert, dass viele der eingesetzten Substanzen nur für kurze Zeit nachweisbar sind und die hierfür erforderlichen spezialisierten Laborverfahren in der Regel nicht über die Zentralen Notaufnahmen erfolgen. Personen, die sich nach einem solchen Vorfall ohnehin in einer psychisch belastenden Situation befinden, stehen dadurch unter zusätzlichem Zeitdruck, wenn sie über eine ärztliche Untersuchung, Spurensicherung oder eine Strafanzeige entscheiden müssen.
Dies könnte ein Grund dafür sein, dass Betroffene von K.O.-Tropfen bestehende Angebote im Land Bremen – darunter die Zentralen Notaufnahmen der Bremer Kliniken, die Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremen-Mitte sowie Beratungsstellen nach sexualisierter Gewalt – bislang nur selten in Anspruch nehmen. Weitere Gründe sind bisher kaum erforscht.
Die Studie untersucht daher, welche strukturellen, institutionellen und persönlichen Barrieren Betroffene erleben und welche Verbesserungen sich daraus für das Hilfesystem und die medizinische Versorgung ableiten lassen. Sie umfasst eine anonyme Online-Befragung und vertrauliche Interviews. Teilnehmen können volljährige Personen, die selbst von K.O.-Tropfen oder sogenanntem Drink Spiking betroffen waren. Auch Menschen, die entsprechende Situationen miterlebt oder beobachtet haben, sind eingeladen, ihre Erfahrungen zu teilen. Weitere Kooperationspartnerinnen sind die Gewaltschutzambulanz am Klinikum Bremen-Mitte und der Zucker-Club e.V.
Flyer und Plakate mit einem QR-Code zur Online-Befragung werden in den kommenden Wochen in verschiedenen Bremer Clubs, Cafés und weiteren Einrichtungen verteilt. Direkter Link zur Befragung: shorturl.at/CS9JV
Weitere Informationen zum Forschungsprojekt: www.frauen.bremen.de/spiking
Ansprechpartnerin für die Medien:
Susanne Gieffers, ZGF Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: (0421) 361-6050, E-Mail: presse@frauen.bremen.de