Europaweite Premiere in Bremerhaven
19.01.2026Ein Meilenstein für die nachhaltige Schifffahrt: Im Überseehafen Bremerhaven wird erstmals in Europa ein Autocarrier während der Liegezeit mit Landstrom versorgt. Mit der erfolgreichen Landstrom-Abnahme der "Lake Shirasagi" der Reederei Wallenius Wilhelmsen setzen die bremischen Häfen heute (19. Januar 2026) ein starkes Zeichen für Klimaschutz, Innovation und zukunftsfähige Hafeninfrastruktur.
Das rund 200 Meter lange RoRo-Schiff hatte in Bremerhaven etwa 2.000 Fahrzeuge be- und entladen. Parallel zum eigentlichen Lade- und Löschvorgang absolvierte die "Lake Shirasagi" einen umfangreichen technischen Integrationstest, den alle Schiffe, die Landstrom abnehmen, im Vorfeld einmalig bestehen müssen. Bereits am gestrigen Sonntag wurde dieser Test gemeinsam von der Schiffscrew und dem Bremenports Landstrom-Team begonnen – und es blieb spannend bis zum heutigen späten Vormittag. Da der Test zunächst bordseitig nicht fehlerfrei abgeschlossen werden konnte, wurde sogar der offizielle Eröffnungstermin für die Anlage letztlich abgesagt. Am Ende aber konnte der Fehler doch noch gefunden werden – und der Weg war frei für die europaweit erste Landstromversorgung eines Autocarriers.
Seit heute, Montag, 13 Uhr, liegt mit der "Lake Shirasagi" erstmals ein Autocarrier emmisionsfrei mit Landstrom versorgt in einem europäischen Hafen.
Die neue Onshore-Power-Supply-Anlage (OPS) am Autoterminal versorgt das Schiff während der Liegezeit mit Strom vom Land. Bisher mussten Autocarrier dazu ihre bordeigenen Dieselgeneratoren durchgehend betreiben – mit entsprechenden CO2-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen. Durch die Umstellung auf grünen Landstrom werden diese Emissionen im Hafenbetrieb nun vermieden.
Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Häfen und transformation: "Ab 2030 sollen gemäß EU-Vorgaben die Liegeplätze von Container-, Fähr- und Kreuzfahrtschiffen in großen europäischen Häfen mit Landstrom ausgestattet sein. Für RoRo-Schiffe gibt es diese Verpflichtung bislang nicht – umso wichtiger ist es, dass wir hier bereits heute vorangehen."
Um die Nutzung von Landstrom auch vor etwaigen Verpflichtungen durch die EU frühzeitig zu fördern, wurden bereits mit mehreren Reedereien Vereinbarungen geschlossen: Neben Höegh Autoliners haben auch Wallenius Wilhelmsen, EUKOR, sowie im Container-Segment MSC und NCL diese unterzeichnet und ihre Bereitschaft erklärt, mit ihren Landstrom-fähigen Schiffen auch entsprechend Strom abzunehmen, wenn diese Bremerhaven anlaufen.
Senatorin Vogt betont: "Dass wir diese europaweite Premiere hier in Bremerhaven realisieren konnten, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Investitionen, enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und klarer politischer Zielsetzung. Mit der ersten Landstromversorgung eines Autocarriers in Europa zeigen wir ganz konkret, wie Klimaschutz im Hafen funktioniert: weniger Lärm und Abgase im Hafenbetrieb und spürbare Entlastung für Mensch und Umwelt. Bremerhaven beweist damit, dass moderne Hafenwirtschaft und konsequente Transformation zusammengehören und dass wir bereit sind, neue Standards für nachhaltige Schifffahrt in Europa zu setzen."
Sebastian Leifermann, Vizepräsident Customer Growth Germany bei Wallenius Wilhelmsen: "Die erstmalige Nutzung von Landstrom durch unseren Autotransporter 'Lake Shirasagi' ist ein wichtiger Schritt für uns. Nachhaltige Lieferketten und Ressourcenschonung sind die Zukunft unserer Branche, und wir sind stolz darauf, im RoRo-Segment an der Spitze dieser Entwicklung zu stehen."
Ähnlich sieht es der Vorstandsvorsitzender der BLG Logistics Group, Matthias Magnor: "Die erfolgreiche Landstromversorgung eines Autocarriers ist ein entscheidender Schritt für die Dekarbonisierung der maritimen Logistik. Als erster RoRo-Terminalbetreiber in Europa, der diesen Service anbietet, stärken wir nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Bremerhaven nachhaltig."
Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe ergänzt abschließend: "Ein wirklich guter Tag für die bremischen Häfen: Mit dem erfolgreichen Start der Landstromversorgung für Autocarrier zeigen wir, wie nachhaltige Hafenentwicklung konkret umgesetzt werden kann. Davon profitieren Umwelt, unsere Partner in der Wirtschaft sowie die Anwohnerinnen und Anwohner und die Beschäftigten des Hafens gleichermaßen."
Die Inbetriebnahme der Anlage ist Teil des umfassenden Landstrom-Ausbauprogramms in den Bremerhavener Häfen. Im ersten Ausbauschritt entstehen insgesamt fünf Landstromanlagen: zwei mobile Anlagen, eine fest installierte Anlage an der Stromkaje, eine Anlage für Kreuzfahrtschiffe an der Columbuskaje sowie die nun in Betrieb genommene Anlage für große RoRo-Fahrzeugcarrier am Autoterminal. Auch an den Containerterminals wird in Kürze erstmals Landstrom zur Verfügung stehen: Eine fest installierte Anlage am MSC Gate befindet sich in der Endphase der Fertigstellung, ergänzt durch zwei verfahrbare Anlagen an den Terminals von Eurogate und NTB, die voraussichtlich im Herbst 2026 betriebsbereit sein werden. Für die neue Landstromanlage am Kreuzfahrtterminal wird in Kürze mit der Verlegung des Kabelkanals an der Columbuskaje gestartet – im Sommer wird auch diese dann in Betrieb gehen. Insgesamt rund 50 Millionen Euro wird dieser erste Ausbauschritt dann gekostet haben – trotz einer Förderung des Bundes in Höhe von rund 22 Millionen Euro und einer gemeinsam mit den Häfen von Aarhaus, Göteborg und Stockholm zusätzlich eingeworbenen Förderung durch das Projekt "Connecting Europe Facilities", die für Bremerhaven immerhin 5,23 Millionen Euro bedeutete, ein deutlicher Kostenfaktor.
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