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Erstes Europäisches Servicemodul aus Bremen für das NASA-Raumschiff Orion bereit zur Auslieferung

Airbus Bremen führt im Auftrag der ESA europäisches Projektteam / Erste Mission in 2020 wird neue Ära der bemannten Raumfahrt einläuten

02.11.2018

Airbus wird in der kommenden Woche (Montag, dem 5. November 2018) das erste Europäische Servicemodul (ESM) für das NASA-Raumschiff Orion von seinem deutschen Raumfahrtstandort Bremen ausliefern. Mit einer Antonov-Frachtmaschine wird das ESM am frühen Morgen vom Bremer Airport zur NASA ins Kennedy Space Center nach Florida/USA geflogen. Damit ist nach vier Jahren Entwicklungs- und Bauzeit ein wichtiger Meilenstein des Projektes erreicht. Die ESA hatte Airbus als Hauptauftragnehmer für die Entwicklung und Fertigung des ersten ESM im November 2014 ausgewählt.

Das ESM ist ein Schlüsselelement für Orion, dem Raumfahrzeug der nächsten Generation, das erstmals seit dem Ende des Apollo-Programms in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts Astronauten über die erdnahe Umlaufbahn hinaus befördern wird. Das Modul ist für Antrieb, Energie und Thermalkontrolle zuständig und wird künftig Astronauten auf ihren Missionen mit Wasser und Sauerstoff versorgen. Das ESM ist unterhalb des Crew-Moduls angebracht.

"Die Auslieferung des ersten Europäischen Servicemoduls für das NASA-Raumfahrzeug Orion ist ein herausragender Moment, und die bahnbrechende NASA-Mission in die Tiefen des Alls nimmt nachhaltig Fahrt auf. In Kürze treffen das Crew-Modul und das Service-Modul zum ersten Mal im Kennedy Space Center in Florida aufeinander, und die Integration und die Testkampagne können dann starten", sagte Oliver Juckenhöfel, Leiter von On-Orbit Services and Exploration bei Airbus. "Mit unseren Auftraggebern ESA und NASA sowie unserem Industriepartner Lockheed Martin Space haben wir im Rahmen des Orion-Projekts eine außergewöhnliche, effiziente und sehr direkte Kooperation aufbauen können. Wir werden das Vertrauen in unser Know-how und unsere Kompetenz, das ESA und NASA bereits für die Entwicklung und den Bau des ersten Europäischen Servicemoduls in uns gesetzt haben, mit hoher Motivation weiter stärken: Die Integration des zweiten Servicemoduls in unseren Reinräumen hat bereits begonnen."

Freuen sich über die symbolisierte Übergabe des ESM 1 (v.l.n.r.): Oliver Juckenhöfel (Standortleiter von Airbus Space Systems in Bremen), Mark Kirasich (Orion-Programm-Manager bei der NASA), Mike Hawes (Lockheed Martin), Bürgermeister Carsten Sieling, Dave Parker (ESA, Leietr für bemannte Raumfahrt) und Bas Thelen (Ariane Group), jpg, 152.1 KB
Freuen sich über die symbolisierte Übergabe des ESM 1 (v.l.n.r.): Oliver Juckenhöfel (Standortleiter von Airbus Space Systems in Bremen), Mark Kirasich (Orion-Programm-Manager bei der NASA), Mike Hawes (Lockheed Martin), Bürgermeister Carsten Sieling, Dave Parker (ESA, Leietr für bemannte Raumfahrt) und Bas Thelen (Ariane Group)

Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling hat an der feierliche Zeremonie zur Auslieferung des ersten ESM aus Bremen am heutigen Freitag (2. November 2018) zusammen mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Raumfahrtbranche in der Bremenhalle des Airport Bremen teilgenommen. Dabei sagte er unter anderem: "Heute freuen wir uns über einen wahren Meilenstein für den Raumfahrtstandort Bremen. Damit ist Bremens Ruf als Raumfahrtstandort Nummer eins in Deutschland einmal mehr bestätigt. Dieser Erfolg basiert auch auf den vielen Projekten, die hier bereits entwickelt und gebaut wurden: sei es das Spacelab-Projekt, das Columbus-Modul für die International Space Station, ISS, die verschiedenen ATV, die den Betrieb der ISS sichern, und natürlich auch die Oberstufen der ARIANE und andere mehr. Bremen hat wie kaum eine andere Region in Europa in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auf Luft- und Raumfahrt als Standortfaktor gesetzt. Diese Strategie hat die Raumfahrtgeschichte ‚Made in Bremen‘ erst möglich gemacht – und diese Erfolgsgeschichte schreiben wir weiter."

Der Start des ersten Orion-Raumfahrzeugs mit der neuen "Space Launch System"-Rakete der NASA findet unter dem Namen "Exploration Mission-1" statt und ist für 2020 vorgesehen. Diese Mission wird (noch) unbemannt sein und das Raumfahrzeug auf eine Entfernung von mehr als 64.000 Kilometern über den Mond hinaus bringen, um die Leistungsfähigkeit des Raumfahrzeugs zu demonstrieren. Die erste Mission mit Astronauten an Bord – die Exploration Mission-2 – ist für das Jahr 2022 geplant.

Das Design des Orion-Raumfahrzeugs ermöglicht es, Astronauten weiter als je zuvor in den Weltraum zu befördern. Das Raumfahrzeug transportiert vier Astronauten in den Weltraum, gewährleistet die Lebenserhaltung der Besatzung während des Flugs und die sichere Rückkehr in die Erdatmosphäre. Mit den geplanten Missionen über den Mond hinaus, baut die NASA die Fähigkeiten auf, Menschen zum Mars zu bringen – und läutet damit eine neue Ära in der Weltraumforschung ein.

Das ESM aus Bremen treibt Orion an, enthält die Triebwerke, Treibstoff, Steuertechnik sowie Luft und Wasser für die Besetzung. ESM ist ein Zylinder mit einer Höhe und einem Durchmesser von je etwa vier Metern. Es verfügt, wie schon das ebenfalls von Airbus gebaute "Automated Transfer Vehicle" (ATV 2008 - 2015), über einen markanten, vierflügeligen Solargenerator (mit 19 Metern Spannweite nach Entfaltung), der genug Energie liefert, um zwei Haushalte mit Strom zu versorgen. Die 8,6 Tonnen Treibstoff des Servicemoduls versorgen ein Haupttriebwerk und 32 kleinere Antriebe.

Hinweis:
Weitere Informationen zu Orion und dem ESM gibt bei Airbus Defence and Space in Bremen:
Siegfried Monser, 0421/539 5815, siegfried.monser@airbus.com.

Foto: Airbus Communications