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Senatskanzlei

Bald wird Bremens Rathaus ganz verhüllt: Fassade muss saniert werden Restaurierungs-Spezialist meidet Chemie und setzt auf alte Materialien

21.12.2000

Wer fürs kommende Jahr einen Bremen-Besuch eingeplant hat, sollte sich vormerken: In den nächsten Monaten präsentiert sich das Bremer Rathaus mit seiner prächtigen Front noch in voller Schönheit. Doch im Sommer wird der eindrucksvolle Anblick gnadenlos verhüllt. Dann werden sich Fachleute ans Werk machen und die im 17. Jahrhundert entstandene Renaissance-Fassade sanieren. Es ist höchste Zeit, denn die Schäden sind gravierender als zuvor angenommen. Auf Chemikalien soll bei der Restaurierung weitgehend verzichtet werden. Statt dessen sollen Naturmaterialien und handwerkliches Können Regie führen.

Keine Frage – Bremens Rathaus ist eines der schönsten Europas. Doch an dem 1405 gebauten Haus nagt der Zahn der Zeit. Der zwei Jahrhunderte später vorgesetzten Schmuckfassade mit ihrem überaus reichhaltigen Figurenprogramm haben - wie andernorts auch - die Umwelteinflüsse heftig zugesetzt. Hinzu kommen jedoch die Sünden vorangegangener Sanierungen, bei denen beispielsweise synthetische Festigungsmittel eingesetzt wurden. Konrad Fischer, Architekt und Experte für Restaurierungen, hat in den vergangenen Monaten die Schäden begutachtet. Statt moderner Bauchemie setzt der Spezialist auf Materialien, wie sie vor Jahrhunderten benutzt wurden. So sollen etwa Kalkmörtel zum Abdichten der Fugen oder Leinöl für den Fensteranstrich benutzt werden.

Erfahrungen mit derartigen Methoden bei Sanierungen historischer Baudenkmäler liegen vor. Gleichwohl gibt es in Bremen eine Erprobungsphase. Eine kleinere Fläche ist bereits auf schonende Art repariert worden und soll nun der Witterung ausgesetzt werden. Hält das Verfahren der Prüfung stand, kann ab Sommer nächsten Jahres die Südfassade komplett saniert werden. Besucher werden sich dann mit der Lektüre eines soeben neu erschienenen Rathausbuches trösten können, das die Pressestelle des Senats herausgegeben hat - oder sie entscheiden sich zu einer Führung durch das Innere dieses in vielerlei Hinsicht sehenswerten Hauses.

Wenn die Arbeiten an der Renaissance-Fassade abgeschlossen sind und die Schauseite des Rathauses wieder sichtbar wird, werden sich die Fachleute die beiden Seitenfronten vornehmen. Sie sind übrigens überwiegend so erhalten, wie die Baumeister des 15. Jahrhunderts sie schufen. Nach Abschluss der Sanierung freilich wird sich rein äußerlich kaum etwas verändert haben. So soll es auch sein – schließlich geht es nicht um eine Verschönerungskur. Vielmehr sollen auch nachfolgende Generationen sich noch an dem Denkmal vergangener Jahrhunderte erfreuen können.




Bis zum nächsten Sommer präsentiert sich das Bremer Rathaus noch in voller Schönheit. Dann wird die Front wegen Sanierungsarbeiten an der Renaissance-Fassade verhüllt