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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Senatorin Stahmann: Ältere Menschen sind jetzt besonders unterstützungsbedürftig

19.03.2020

Ältere und pflegebedürftige Menschen gehören zu den Gruppen, die als besonders gefährdet durch das SARS-CoV-2-Virus („Coronavirus“) gelten. Zum ihrem Schutz und zu ihrer Unterstützung hat die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport erste Maßnahmen getroffen. „Ältere Menschen brauchen nicht nur sichere Pflege in den Einrichtungen und zu Hause, sie sollten auch Unterstützung im Alltag annehmen, wenn sie das Risiko einer Ansteckung vermindern wollen“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Frauen.

Zum Schutze der Bewohnerinnen und Bewohner dürfen Einrichtungen der Altenpflege und der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen nicht mehr besucht werden. „Ausnahmen sind nur zulässig, wenn ein besonderes berechtigtes Interesse vorliegt“, sagte Senatorin Stahmann. So sollen zum Beispiel Menschen, die im Sterben liegen, weiter Besuch von Angehörigen erhalten können.

Der Betrieb von Tagespflegeeinrichtungen für Pflegebedürftige wird bis zum Ende der Osterferien am 14. April 2020 untersagt. Eine Notbetreuung ist jedoch zugelassen, wenn

  • ärztlich verordnete Behandlungspflege geleistet werden muss, die pflegende Angehörige oder der ambulante Pflegedienst nicht sicherstellen können oder
  • die fehlende Betreuung in einer Tagespflege eine gesundheitliche Schädigung zur Folge hätte, oder
  • wenn der oder die pflegende Angehörige selber in sogenannten „kritischen Infrastrukturen“ an seinem Arbeitsplatz dringend gebraucht wird.

„Wir wollen auf diese Weise dazu beitragen, dass der sensible Bereich der Pflege nicht ohne zwingende Gründe Infektionsrisiken ausgesetzt wird“, sagte Senatorin Stahmann.

Unterdessen bittet Sozialsenatorin Stahmann die Bremerinnen und Bremer, sich älterer und hilfebedürftiger Nachbarinnen und Nachbarn anzunehmen: „Haben Sie ein Auge auf Ihre Nachbarn. Achten Sie aufeinander. Bieten Sie Unterstützung an“, sagte sie. „Niemand muss dabei das Risiko einer Ansteckung eingehen.“ Aber für ältere Menschen sei es ein großer Sicherheitsgewinn, wenn sie ihre täglichen Besorgungen nicht in vollen Bussen oder Bahnen oder Supermärkten und Apotheken erledigen müssen. Man könne Einkäufe oder sonstige Besorgungen telefonisch absprechen und ohne direkten Kontakt unter den üblichen Vorsichtsmaßnahmen übergeben, also zum Beispiel vor der Haustür abstellen.

Zugleich ermunterte die Senatorin ältere Menschen, diese nachbarschaftliche Hilfe auch aktiv zu suchen und anzunehmen. „Ich weiß: Wer sein Leben lang allein oder mit dem Partner zurechtgekommen ist, scheut sich vielleicht. Aber auf der anderen Seite steht das Risiko einer möglicherweise schweren Infektion. Da sollte man sich nicht leichtfertig gegen Hilfe entscheiden.“

Wenn Unterstützung der Nachbarschaft nicht möglich oder ausreichend ist, bieten die Sozialzentren des Amtes für Soziale Dienste Unterstützung. „Sie können im Bedarfsfall zum Beispiel eine Einkaufshilfe für Lebensmittel oder Medikamente und Hilfsmittel vermitteln“, sagte Senatorin Stahmann. Die Telefonnummer des zuständigen Sozialzentrums findet sich im Internet oder bei der Behördenauskunft 115. Dazu gehört auch ein neuer Einkaufsservice, der in begrenztem Umfang tätig werden und bei Bedarf über die Pflegekassen oder Sozialleistung abgerechnet werden kann.

„Die Begegnungszentren für Senioren in den Quartieren mussten ihre Angebote wegen der allgemeinen Lage zwar einstellen“, sagte Senatorin Stahmann, „sie sind aber von sich aus auf ihre Besucherinnen und Besucher herangetreten, halten telefonischen Kontakt und bieten Unterstützung an.“

Im Übrigen sind die bestehenden Hilfestrukturen in den Quartieren nach eigenen Angaben ausgelastet. So konzentriert sich die Nachbarschaftshilfe der 17 Dienstleistungszentren derzeit vorrangig auf ihre alleinstehenden Kundinnen und Kunden mit fehlenden oder schwer erreichbaren sozialen Kontakten. Sie verlängern zwar ihre telefonische Erreichbarkeit bis in den Nachmittag, können aber nur beratend tätig werden. Auch die Aufsuchende Altenhilfe kann derzeit keine Besuchs- und Begleitdienste anbieten, sie hält aber telefonischen Kontakt.

Das bislang umfassendste zusätzliche Unterstützungsangebot kommt derzeit von der Freiwilligenagentur. Sie unterstützt beim Einkaufen, beim Einlösen von ärztlichen Rezepten und beim Ausführen des Hundes. Wer Hilfe benötigt oder anbieten will, erreicht die Freiwilligenagentur montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr unter Telefon 0421-342080 oder per mail unter: info@freiwilligen-agentur-bremen.de. https://www.freiwilligen-agentur-bremen.de/
„Ich bin für dieses zusätzliche Angebot sehr dankbar und hoffe, dass sich viele Bremerinnen und Bremer zur Unterstützung älterer und gefährdeter Menschen finden werden“, sagte die Senatorin. „Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir in der Zeit der starken Zuwanderung von Geflüchteten eine große Solidarität unter Bremerinnen und Bremern erlebt. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft auch in dieser Situation wieder so solidarisch zusammensteht.“

Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Bernd Schneider, Pressesprecher bei der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport, Tel.: (0421) 361-4152, E-Mail: bernd.schneider@soziales.bremen.de