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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Bericht zur Umsetzung des Landesaktionsplans gegen Homo-, Trans- und Interphobie

Senatorin Stahmann: "Oft müssen Toleranz und Offenheit erstritten werden"

15.02.2018
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Titelseitendetail des Aktionsplans

Bremen schreitet voran bei der Aufklärung gegen die Diskriminierung vielfältiger sexueller Orientierungen. Das geht aus dem ersten Bericht zur Umsetzung des Landesaktionsplans gegen Homo-, Trans- und Interphobie hervor, den Sozialsenatorin Anja Stahmann am heutigen Donnerstag (15. Februar 2018) der Deputation für Soziales, Jugend und Integration vorgelegt hat. "Eine offene, demokratische und pluralistische Gesellschaft lebt von ihrer Verschiedenheit", sagte Senatorin Anja Stahmann. "Dazu gehört selbstverständlich auch die Vielfalt von Lebensweisen und sexuellen Identitäten. Leider machen wir die Erfahrung, dass Offenheit und Toleranz erstritten werden müssen. In diesem Sinne spielt der Landesaktionsplan eine ganz wichtige Rolle." Weiter sagte die Senatorin: "Der Staat ist gefordert, Schranken abzubauen oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Aktionsplan hilft, die Anstrengungen aller Beteiligten zu bündeln."

Die Anregung zum Landesaktionsplan war 2014 von der Bremischen Bürgerschaft ausgegangen, die den Senat aufgefordert hatte, unter breiter Beteiligung einen "umsetzungs- und maßnahmeorientierten" Aktionsplan gegen Homophobie zu erarbeiten. In Abstimmung mit mehreren Senatsressorts sowie dem Magistrat Bremerhavens hat darauf das "Rat und Tat Zentrum" unter Federführung der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport im Jahr 2015 den Aktionsplan gegen Homo-, Trans- und Interphobie für das Land Bremen erarbeitet. Der jetzt fertiggestellte Bericht zur Umsetzung zieht eine erste Bilanz dieser Arbeit bis zum Jahresende 2017.

Der Aktionsplan verfolgt folgende Ziele:

  • Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt fördern
  • Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt verbessern
  • Verwaltung und Zivilgesellschaft für die Belange sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sensibilisieren
  • Gewalt gegen Menschen sexueller und geschlechtlicher Vielfalt bekämpfen
  • Strukturen, Vernetzung und Austausch verbessern
  • Beratungs- und Selbsthilfeangebote verbessern

Angesprochen werden Menschen in den verschiedenen Lebensphasen - vom Kindergarten über die Schule bis hin zu Pflegeeinrichtungen - mit ihren Lebenshintergründen (z. B. Migration, Behinderung, Trans*- und Intergeschlechtlichkeit) in ihren Lebenswelten (z. B. die Kulturszene, der Sport und der Tourismus).

Neben einmaligen Aktionen, wie zum Beispiel die "Wiederbelebung" des Christopher Street Day in Bremen sind unter anderem folgende Projekte im Rahmen des Landesaktionsplans gegen Homo-, Trans- und Interphobie gefördert und umgesetzt worden:

- Der Verein Trans Recht, einziges spezifisches Beratungsangebot für transgeschlechtliche Menschen in Bremen, wird gefördert; er berät in psychosozialen und rechtlichen Belangen.

- Medienkoffer für Kindertageseinrichtungen mit Bilderbüchern zu "Familien und diverse Lebensweisen"; er soll möglichst viele Lebens- und Familienrealitäten von Kindern sichtbar machen. Insgesamt wurden Kinder in über 180 Einrichtungen erreicht.

- Für Grundschulen steht ein Medienkoffer mit Kinderbüchern, Fachbüchern und Handreichungen für pädagogische Fachkräfte zur Verfügung; Materialien- und Methodenangebote zu Themen wie Diskriminierung, sexuelle Orientierung, Transidentität.

- Jugendgruppe Respekt im Rat&Tat-Zentrum. Ein offenes Gruppentreffen für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren, die sich als schwul, lesbisch, bisexuell, trans*, inter* oder queer begreifen und/oder auf der Suche nach einer für sie stimmigen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität sind. Mit geschulten Leitungskräften werden Themen erörtert wie Coming-out, sexuelle und geschlechtliche Identität.

- Beratung und Empowerment von queeren Menschen, die aufgrund eines Migrationshintergrunds oder einer ethnischen Zuschreibung vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt sind; z.B. Café für LSBT*IQ Geflüchtete im Rat&Tat-Zentrum und Fortbildungen zu den Verschränkungen von Rassismus mit Homo- und Trans*phobie.

Service: Den Bericht können Sie hier (pdf, 1.9 MB) herunterladen.

Um wen geht es? Schreibweisen und Erläuterungen nach dem Landesaktionsplan

Im Aktionsplan geht es um lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche sowie queere Menschen, kurz LSBT*IQ. Er verwendet diese Begriffe wie folgt:

Lesbisch: Romantische Anziehung und/oder sexuelles Begehren zwischen Frauen*

Schwul: Romantische Anziehung und/oder sexuelles Begehren zwischen Männern*

Bisexuell: Romantische Anziehung und/oder sexuelles Begehren für Personen des eigenen und eines anderen Genders/Geschlechts. Es muss sich dabei nicht zwangsläufig um Geschlechter innerhalb einer binären Geschlechterzuordnung handeln.

Trans*identität: alternativ zur medizinischen Diagnose "Transsexualität" verdeutlicht der Begriff, dass es weder nur um Körperlichkeit gehen muss noch um Sexualität, sondern um das individuelle Rollenverständnis bzw. die Identität.

Trans*(gender): Trans* schließt alle Menschen ein, die eine andere Genderidentität besitzen, ausleben oder darstellen als jenes Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde

"*": Das Sternchen nach einer Kategorie wie z.B. Frau* soll auf die Konstruiertheit der Kategorie hinweisen. Gemeint sind alle, die sich als Frau begreifen und auch von anderen als solche wahrgenommen werden möchten, unabhängig von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht; nach Trans* oder Inter* bedeutet das Sternchen, dass jede weitere Wortendung inkludiert wird: transgender, transgeschlechtlich, transsexuell oder nur trans bzw. intergeschlechtlich, zwischengeschlechtlich, intersexuell oder nur inter.

Inter*: Menschen, deren Genitalien, Hormonproduktion oder Chromosomen nicht der medizinischen Norm von eindeutig "männlichen" oder "weiblichen" Körpern zugeordnet werden können. Häufig werden Inter*Personen auch als Intersexuelle bezeichnet. Doch Inter* hat nichts mit dem sexuellen Begehren einer Person zu tun, deshalb lehnen viele Intergeschlechtliche Personen den Begriff ab.

Queer: Als queer bezeichnen sich Personen, die sich nicht auf eines der heteronormativen Stereotype "Mann" oder "Frau" festlegen wollen oder können und/oder ihre sexuelle Orientierung oder ihre Genderidentität als quer zur Heterosexualität beschreiben. Der Begriff bezeichnet auch ein Bündel wissenschaftlicher Theorien, politische Bewegungen und Gruppen.