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Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

Kooperationen - Stolpersteine oder Auswege?

22.04.1999

Workshop der BHV/DAV stieß in Düsseldorf auf großes Interesse

Während im Privatleben das Single-Dasein präferiert wird, grassiert im Wirtschaftsleben das Hochzeitsfieber. Hinter diesen Kooperationen und Zusammenschlüssen stehen verstärkt in mittelständischen Unternehmen - insbesondere im Verkehrssektor - die Herausforderungen des Marktes, die sich durch die Liberalisierung im europäischen Verkehrsmarkt ergeben haben. Insbesondere die Kundenanforderungen nach komplexen logistischen Leistungen und die zunehmende Transportnachfrage forcieren diesen Trend.


Ob Kooperationen nun Stolpersteine oder Auswege sind, wurde im Rahmen eines Workshops diskutiert, zu dem die Bremische Hafenvertretung im Rahmen der "Eurocargo ‚99" mehr als 60 Gäste aus der Spedition, der Schiffahrt und der verladenden Wirtschaft in den Räumen der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf begrüßen konnte.


Das durch Barbara Dietz, Geschäftsleitung IDS Logistik GmbH, Bielefeld, Joachim Schuhfuß, Leiter der Verkehrswirtschaft Philips GmbH Mönchengladbach, Manfred Kuhr, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der BLG-Logistikgruppe, Bremen/Bremerhaven sowie Rolf Achnitz, Dozent der Deutschen Außenhandels- und Verkehrsakademie, Bremen, hochrangig besetzte Podium zeigte gekonnt das Für und Wider von Kooperationen auf. Die profihafte Moderation von Helmut H. Detken, Geschäftsführer der Bremischen Hafenvertretung, Bremen, sorgte im Anschluß an die vorgetragenen Statements für eine angeregte Diskussion.


Festgestellt wurde insbesondere, daß dem typischen mittelständischen Verkehrsunternehmen oft Größe, Marktanteile und Finanzierungskraft fehlen, um die notwendigen Rationalisierungsschritte zu realisieren. Neben der Spezialisierung auf Nischen ist der Zugewinn an Größe eine der möglichen Strategien, um den Anforderungen des Marktes und damit den Ansprüchen der Auftraggeber gerecht zu werden. Eine weitere Begründung für Kooperation ist die Rationalisierung über Unternehmensgrenzen hinweg. Beispiele dafür sind Just-In-Time-Systeme (JIT) und in noch stärkerem Umfang Efficient Consumer Response




(ECR). Schließlich kann Kooperation der Diversifikation dienen und neue Leistungen oder Angebote ermöglichen, da insbesondere die Ansprüche an die Transportdienstleister aus der Nachfrage nach logistischer Kompetenz kontinuierlich wachsen.


Mit zunehmend gemischten Gefühlen wird diese Entwicklung am Verkehrsmarkt von der Industrie verfolgt. Einerseits wird durchaus die positive Entwicklung gesehen, die sich in schnellerer und stärkerer Internationalität des Transportgewerbes, in globalen und umfassenden Netzwerken und nicht zuletzt in einheitlichen und umspannenden Kommunikationsnetzwerken ausdrückt, andererseits sehen die Industrieunternehmen durchaus die Gefahr, daß leistungsfähige, mittelständische Speditionsunternehmen vom Markt verschwinden und damit die Zahl der Anbieten kleiner wird, die Individualität des Transportgewerbes verlorengeht und damit die Logistikangebote immer uniformer werden.


Die anwesenden Referenten waren sich darüber einig, daß Kooperationen sowohl "Auswege als auch Stolpersteine" sein können. Als Stolpersteine wurden die überwiegend mangelnde Internationalität der Partnerunternehmen, zu starke nationale Ausrichtungen bzw. Interessengegensätze bei den Kooperationspartner, die latente Ausstieggefahr einzelner Partner und die eventuell langen Entscheidungswege bei einer Vielzahl von Beteiligten eingestuft. Dem gegenüber stehen jedoch positive Kooperationserfahrungen wie größere Flexibilität, Abbau der Konzernzwänge, Erweiterung des Leistungsumfanges der einzelnen Kooperationspartner, Leistungssteigerung durch internen Wettbewerb und nicht zuletzt schnellere Austauschbarkeit eines nicht funktionierenden Partners.