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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport

Sozialressort weist Kritik von Flüchtlingsinitiativen als "nicht sachgerecht" zurück

Staatsrat Horst Frehe: "Die Vorwürfe lassen den Blick für das Machbare vermissen"

30.10.2014

"Die Kritik von Flüchtlingsinitiativen an der Betreuung von Jugendlichen in Bremen wird in ihrer Schärfe den Realitäten nicht gerecht." Mit diesen Worten wandte sich Sozial-Staatsrat Horst Frehe gegen Vorwürfe der Flüchtlingsinitiativen.

Frehe betonte: Das Jugendhilfesystem sei mit hoch qualifiziertem Personal über viele Jahre darauf eingerichtet gewesen, monatlich drei oder vier jugendliche Flüchtlinge aufzunehmen. In einzelnen Monaten kämen jetzt 60 bis 80 Jugendliche. "Kein Jugendhilfesystem der Welt kann diesen Anstieg in so kurzer Zeit bewältigen, ohne dass es zu Engpässen kommt", sagte er und betonte: "Die Kolleginnen und Kollegen in der Jugendhilfe und in der Behörde leisten unter einem enormen persönlichen Einsatz und unter großen Anstrengungen eine sehr gute und engagierte Arbeit. Diesem Einsatz wird die Kritik mit pauschalen und letztlich unhaltbaren Vorwürfen nicht gerecht."

Wie viele andere Großstädte auch, werde Bremen derzeit von allein geflohenen Jugendlichen in besonders hohem Maße aufgesucht. Das Land Bremen habe im vergangenen Jahr mehr jugendliche Flüchtlinge aufgenommen, als alle fünf neuen Bundesländer zusammen. Im Jahr 2014 seien (bis gestern, 29. Oktober 2014) 319 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angekommen, davon 180 allein in den vergangenen drei Monaten. Es sei daher derzeit unvermeidbar, dass Jugendliche länger in der Erstaufnahmeeinrichtung betreut würden als wünschenswert. Trotz des starken Zugangs in den vergangenen drei Monaten seien von rund 500 Jugendlichen derzeit rund 90 Prozent in einer Einrichtung des Jugendhilfesystems angekommen. "In der Erstaufnahmestelle sorgen zwei Jugendhilfeträger für eine ambulante Betreuung", sagte Horst Frehe. "Wir alle wissen: Das ist noch keine ideale Lösung, aber unter den gegebenen Umständen ist sie vertretbar." Die Behörde arbeite mit Hochdruck daran, auch diese Jugendlichen über ein Clearingverfahren "so schnell wie möglich" in eine feste Einrichtung zu vermitteln.

Die Zahl der Plätze in speziellen Einrichtungen für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sei in den vergangenen zwei Jahren um das Fünffache erweitert worden. Außerdem seien weitere Plätze in Einrichtungen der Jugendhilfe entstanden. "Leider werden wir beim Ausbau der Kapazitäten nicht überall mit offenen Armen empfangen", sagte Horst Frehe mit Blick auf die Debatten in Borgfeld und Rekum. Die Gespräche mit Beiräten und der Bevölkerung seien notwendig, machten aber auch deutlich, dass dem Ausbautempo Grenzen gesetzt seien.