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Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Zwei Bietergemeinschaften werden Fläche auf dem Stadtwerder entwickeln

31.01.2007

100.000 m² bestes Bauland, innenstadtnah und dennoch in einzigartiger, landschaftlich ansprechender und ruhiger Lage: Die Bebauung auf dem Stadtwerder geht nach Jahren der Vorplanung jetzt in die Umsetzungsphase. Zwei Bietergemeinschaften haben sich gebildet, um die innenstadtnahe, durch zwei Flüsse eingerahmte Fläche im Laufe der nächsten Jahre gemäß ihrer städtebaulichen Bedeutung abwechslungsreich und in hoher architektonischer und ökologischer Qualität zu bebauen.

Nach intensiver politischer Debatte in den betroffenen Stadtteilen, im Beirat, im Senat und in der Bremischen Bürgerschaft, war vor drei Jahren der Bebauungsplan verabschiedet worden. Seitdem besteht Baurecht für dieses Gelände. Der Bebauungsplan sieht links und rechts vom Wasserturm zwei große Baufelder vor, die mit Wohnungen bebaut werden sollen. Dabei sind die Geschosshöhen unterschiedlich festgelegt: Von einer zwingenden viergeschossigen Bauweise plus Staffelgeschoss mit dem Blick auf die Altstadt am nördlichen Rand des Grundstückes lassen die Vorgaben des Bebauungsplanes bei den Grundstücken, die an die Kleine Weser angrenzen, eine dreigeschossige Bebauung zu.

Im Oktober 2005 schrieb die swb AG, die seit mehr als 130 Jahren Eigentümerin des Grundstückes ist, in einer öffentlichen Ausschreibung das Gelände zum Verkauf und zur Bebauung aus. Daran schloss sich ein Bieterverfahren mit verschiedenen Bietergruppen an, das jetzt sein gutes Ende fand.
Vorstand und Aufsichtsrat der swb AG haben sich entschieden, eine Zweiteilung vorzunehmen und das Gelände in ähnlich großen Teilen an zwei unterschiedliche Bietergruppen zu vergeben.
“Vor gut 130 Jahren ging vom Stadtwerder als Standort des ersten Bremer Wasserwerks ein entscheidender Impuls zur Steigerung der Lebensqualität in unserer Stadt aus“, so swb-Vorstand Dr. Torsten Köhne. „Wir freuen uns, dass unser Grundstück nun abermals eine bedeutende Rolle dabei spielen wird, das Wohnen und Leben in Bremen attraktiver zu gestalten.“

Inzwischen ist der Zuschlag erteilt. Es handelt sich zum einen um das Gelände zwischen dem Wasserturm und der Hochschule Bremen, Fachbereich Nautik, und das direkt hinter dem Wasserturm liegende Gelände, das in einem schmalen Streifen für Büronutzung vorgesehen ist. Diese insgesamt ca. 40.000 m² große Fläche haben die Bauunternehmungen Kathmann aus Bremen und H. F. Wiebe aus Achim erworben. Sie beabsichtigen zum größten Teil den Bau von Wohnhäusern. Daneben ist die Schaffung von Flächen für Büro-, Dienstleistungs- sowie Hochschulzwecke geplant. Sonderwohnformen, die zum Beispiel Wohnen ab 50, Kurzzeitwohnen und ähnliche Entwicklungen ermöglichen, sollen in der Konzeption auch Berücksichtigung finden.
Rund 60% des Geländes, gelegen zwischen dem Wasserturm und den Kleingärten, wird in die Hände der Bietergemeinschaft BREBAU, ESPABAU, GEWOBA und GWB gegeben. Diese Gruppierung ist als das so genannte „Borgfeld-Team“ bekannt, das schon in Borgfeld-Ost und –West eine große städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in Rekordzeit auf die Beine gestellt hat. Teil des mit der Stadt dort vereinbarten Konzeptes war auch die Erstellung sozialer Infrastruktur. So wurden in Borgfeld zwei Kindertagesstätten, vier Spielplätze, ein Jugendfreizeitheim, eine Turnhalle und eine Grundschule gebaut.

Der Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, Ronald-Mike Neumeyer, begrüßte das Engagement der Unternehmen für den Standort Bremen. „Für die Bremer Stadtentwicklung stellt die Bebauung des Stadtwerders ein wichtiges herausragendes Wohnungsbauprojekt dar, das im Umfeld des denkmalgeschützten Wasserturms mit ergänzenden Nutzungen wie Büros, Kultur und Gastronomie entstehen wird. Die einmalige Lage des Grundstücks zwischen Weser und Kleiner Weser, seine Nähe zur Innenstadt und die günstige Anbindung bilden die Rahmenbedingungen für einen neuen anspruchsvollen Beitrag zur Bremer Siedlungskultur. Der Wasserturm ist Bestandteil der städtebaulichen Gesamtkonzeption und bildet den herausragenden Mittelpunkt der Quartiersentwicklung. Die Neustadtswallanlagen werden durch einen bis an die Weser geführten Grünzug ergänzt. Wasser und Grün bilden somit den Rahmen für die bauliche Entwicklung. Das Projekt Stadtwerder ist dabei für die Unternehmen eine große ökonomische und stadtplanerische Herausforderung. Alle Beteiligten wollen in dieser besonderen Lage auch eine besondere architektonische und ökologische Qualität zu marktgängigen Preisen abliefern. Mein Haus wird den jetzt bevorstehenden Prozess bis zur Realisierung konstruktiv begleiten.“
Neumeyer hob hervor, dass parallel zu den jetzt anstehenden Feinplanungen auch die letzten planerischen Entscheidungen zu Umbau und Neunutzung des Wasserturms fallen werden. „Es gibt eine grundsätzliche Verständigung mit den Investoren zu allen technischen Details. Letzte gestalterische Details werden in einem Parallelverfahren unter Beteiligung dreier renommierter Architekturbüros geklärt.“

Auch die Investorengemeinschaften betonen, dass kurzfristig weitere Gespräche über die Entwicklungen des Gebietes Stadtwerder geführt werden sollen. Hierbei gelte es insbesondere, Rahmenbedingungen aus dem Bebauungsplan sowie dem städtebaulichen Vertrag in Einklang zu bringen, um eine wirtschaftlich umsetzbare Lösung zu finden. Es ist vorgesehen, zur gegebenen Zeit Architekturwettbewerbe für die Bebauung und Gestaltung zu starten, um sowohl in architektonischer, ökologischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht ein ansprechendes Konzept zu finden.

Herr Dipl. Ing. Walter Müllers, Geschäftsführer der Firma H. Wiebe, erklärt zu den Vorstellungen seiner Gruppierung: „Während das Baufeld der so genannten „Borgfeldgruppe“ nach dem Bebauungsplan komplett für Wohnnutzung vorgesehen ist, weist der Bebauungsplan für den von uns zu erwerbenden Grundstücksteil vielfältige Nutzungsformen aus. Dementsprechend vielschichtig ist das von uns beabsichtigte Spektrum an Bauten und Nutzung. Zum einen werden wir auch zu einem erheblichen Teil Wohnhäuser errichten. Dabei denken wir auch an Sonderwohnformen wie z.B. das Wohnen ab 50 oder Kurzzeitwohnen und ähnliche Einrichtungen. Zum anderen sind direkt hinter dem Wasserturm baurechtliche Büro- und Gewerbeflächen vorgesehen. Hier planen wir einen originellen Mix an Büro-, Dienstleistungsflächen und Bauten für Hochschulzwecke.“

Die Einzelheiten der zukünftigen Nutzung für das gesamte Gebiet werden demnächst von den beiden Bietergruppen erarbeitet und mit potentiellen Nutzern diskutiert.

Prof. Dr. Jürgen Lüthge, Sprecher des Borgfeld-Teams, zeigte sich von der Perspektive des Projektes begeistert: „Der einzigartige Blick und die Nähe zum Fluss macht dieses Gebiet so besonders. Wer eine Wohnung mit Blick auf die Stadtmitte wählt, wird von Dom und Rathaus jeden Morgen begrüßt. Diese Wohnungen sind zudem gleichermaßen ideal für allein stehende Bewohner und für Familien mit Kindern. Zum Theater, ins Kino, zum Einkaufen in der City sind es nur ein paar Schritte, Familien mit Kindern wird das einzigartige Naherholungsangebot reizen.
Das Angebot auf dem Stadtwerder muss nach meiner Ansicht von einer besonders großen Vielfalt sein. Wir werden hier sehr unterschiedliche Bau- und Nutzungsformen anbieten. Es kann nicht die Lösung sein, hier möglichst viele ähnliche Eigentumswohnungen anzubieten, sondern ein sehr variables Angebot für völlig unterschiedliche Nutzer- und Interessentengruppen. Dies geht von der schönen Eigentumswohnung über Maisonettewohnungen, bis hin zu kleinen Stadthäusern im Stil des Bremer Hauses und anderen fantasievollen Architekturformen. Dazu wollen wir kreativen Sachverstand von qualifizierten Architekten abfordern und deshalb ein Wettbewerbsverfahren im Wege des Dialogverfahrens durchführen, in dem über die Besonderheiten dieses Gebietes diskutiert werden kann und die dann sicherlich hervorragende Entwürfe für die Bebauung des Gebietes liefern werden.“

Parallel zu den abschließenden Entwicklungsplanungen muss jetzt die Erschließung dieses Geländes vorangetrieben werden. Hier warten erhebliche Kosten und komplizierte Arbeitsschritte. So müssen beispielsweise die offen zu Tage liegenden Wasserbecken hinsichtlich ihrer bisherigen Umfassungsmauern etc. zu baufähigem Grund umgestaltet werden. Ferner befinden sich auf dem Gelände noch drei riesige unterirdische Betonspeicher, die ebenfalls auf kompliziertem Wege zu tragfähigem Baugrund gemacht werden.

In Anbetracht der Kompliziertheit der Erschließungsmaßnahme auf diesem besonderen Grundstück und der Sensibilität der verbleibenden wasserwirtschaftlichen Nutzung wird hierfür voraussichtlich ein gutes Jahr benötigt werden. Mit den ersten Hochbauarbeiten kann voraussichtlich im Sommer 2008 begonnen werden.

Insgesamt können auf dem Gelände – je nach Bauform und Baustilen – über 250 Wohneinheiten errichtet werden. Die Umsetzung des Gesamtprojektes wird rund ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen.