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Die Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport

Übergangswohnheim Eduard-Grunow-Straße nimmt ab Montag erste Flüchtlinge auf

12.04.2013
Leiterin des Übergangswohnheims ist Mageda Abou-Khalil, jpg, 61.0 KB
Leiterin des Übergangswohnheims ist Mageda Abou-Khalil

Im Übergangswohnheim für Flüchtlinge an der Eduard-Grunow-Straße in Bremen sind die Bau- und Einrichtungsarbeiten abgeschlossen, am Montag (15. April 2013) können die ersten Flüchtlinge einziehen. 60 Menschen sollen hier vorübergehend eine neue Heimat finden. Dazu stehen ihnen 32 Ein- und Zweibett-Appartements zur Verfügung, von denen drei barrierefrei sind. Die Bewohner, in erster Linie Paare aus den Ländern Syrien, Iran und Afghanistan, können nach eigenen Gewohnheiten selbst kochen, zumeist in Pantry-Küchen in ihren Appartements, teils auch in gemeinsam genutzten Etagenküchen. Außerdem sind Gemeinschaftsräume eingerichtet. Ein Hausmeister, eine Sozialpädagogin und ein Concierge-Dienst in den Abend- und Nachstunden sorgen dafür, dass die Flüchtlinge im Haus stets einen Ansprechpartner antreffen. Die Stadt Bremen hat das Gebäude zunächst für die Dauer von zehn Jahren angemietet und bietet Flüchtlingen damit die derzeit modernste Einrichtung ihrer Art in Bremen. Träger ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Leitung übernimmt Frau Mageda Abou-Khalil, die dank ihrer Wurzeln im Libanon die arabische Sprache beherrscht.
„Dank der großartigen Unterstützung des Beirats Mitte und der Anwohner im Stadtteil können wir die Einrichtung heute in Betrieb nehmen“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Kinder Jugend und Frauen. „Ich bin überzeugt, dass die schönen Räume hier und das lebendige Umfeld mitten in der Stadt eine wirkliche Zufluchtsstätte bieten für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung aus den Krisenregionen der Welt zu uns fliehen.“

„Es gibt keine Anhaltspunkt dafür, dass die Zahl der Flüchtlinge in den kommenden Monaten spürbar sinken wird“, sagte Anja Stahmann. „Wir müssen uns daher darauf vorbereiten, schon bald weitere Übergangswohnheime einzurichten. Dazu sind wir auf die Unterstützung aus den Stadtteilen dringend angewiesen.“ In den vergangenen Tagen und Wochen haben Mitarbeiter der zuständigen Referate in der Senatorischen Behörde mehrere Möglichkeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen gefunden. Unter anderem ist ein Bauantrag für die weitere Nutzung der Schule an der Thomas-Mann-Straße in Schwachhausen als Notunterkunft gestellt worden. „Uns bleibt gar keine andere Wahl, als auf das Angebot des Beirats zurückzukommen, die Schule bis zum Jahresende zu nutzen“, sagte die Senatorin. Es bleibe aber dabei, dass die weiteren Planungen für den Gebäudekomplex durch die Zwischennutzung als Notunterkunft nicht verzögert werden sollen. Die vielfältige Unterstützung durch zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner im Stadtteil zeige zudem, dass die Flüchtlinge dort herzlich willkommen sind.

Darüber hinaus haben Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften den Umzug von vier größeren Familien möglich gemacht, und mehrere sogenannte KAMPA-Häuser werden derzeit grundlegende renoviert, sodass hier Platz entsteht für weitere Familien mit bis zu 40 Personen. Parallel dazu entspannt sich die Lage für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber im Lande Bremen (ZASt). Das Deutsche Rote Kreuz und die St. Petri Kinder- und Jugendhilfe haben sieben Jugendliche in einer Einrichtung in Osterholz aufgenommen. Vier weitere haben einen Platz in Oslebshausen gefunden, wo ein Träger ungenutzte Betreuungsplätze wieder in Betrieb nimmt. Darüber hinaus haben sich weitere Pflegefamilien zur Aufnahme von minderjährigen Flüchtlingen bereit erklärt. „Damit können wir die Jugendlichen jetzt endlich in einer altersgemäßen Umgebung betreuen“, sagte Anja Stahmann. Aber auch nach diesen Umzügen seien in der ZASt immer noch Jugendliche untergebracht: „Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen kennt diese Einrichtung und hat ihre Nutzung im Prinzip auch gebilligt“, so die Senatorin weiter. „Aber allen ist klar: Das kann nur eine Notlösung für wenige Tage oder Wochen sein.“ Sie sei deshalb froh, dass derzeit mehrere weitere Angebote für die Betreuung Jugendlicher geprüft würden und so die Aussicht auf eine besser geeignete Unterbringung bestehe.

Die neue Übergangseinrichtung in der Eduard-Grunow-Straße ist eine von insgesamt fünf in Bremen. Sie wurde nötig, weil die Zahl der Flüchtlinge ungebrochen steigt. Im ersten Quartal 2013 haben bundesweit 19.509 Menschen einen Asylantrag in der Bundesrepublik gestellt, in den ersten drei Monaten des Vorjahres waren es nur 11.970. Die Stadtgemeinde Bremen hat seit Jahresbeginn 174 Flüchtlinge aufgenommen, 83 haben inzwischen die Übergangswohnheime verlassen, die meisten von ihnen haben eine eigene Wohnung bezogen. Insgesamt stehen derzeit 802 Plätze in Übergangseinrichtungen und Notunterkünften zur Verfügung, 742 sind belegt.

Im Durchschnitt der Jahre 2010 und 2011 haben pro Monat etwa 30 Flüchtlinge einen Asylantrag im Land Bremen gestellt. 2012 hat das Land Bremen 629 Bewerber aufgenommen, davon 432 in Übergangswohnheimen in der Stadt Bremen und 108 in Bremerhaven. Ein kleinerer Teil der Flüchtlinge kommt bei Verwandten unter. Rechnet man die Zahlen aus dem ersten Quartal hoch, muss das Land Bremen sich darauf einstellen, rund 800 Flüchtlinge aufzunehmen. Dem Land Bremen werden 0,95 Prozent aller Asylsuchenden in Deutschland zugewiesen. Das entspricht dem Bevölkerungsanteil Bremens an der Bundesrepublik.

Unter den Herkunftsländern stehen die Krisenregionen Syrien, Afghanistan und Pakistan nach wie vor im Fokus. Das geht aus den Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge hervor. Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien, die ab Mitte 2012 für einen deutlichen Anstieg der Asylanträge gesorgt hatten, reisen dagegen kaum noch ein. Seit einigen Monaten beobachtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aber eine verstärkte Zuwanderung aus den Ländern der russischen Föderation.