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Der Senator für Kultur

Bibliothekspreis der VGH-Stiftung für die Gefangenen-Bibliothek Bremen

Ein gelebtes Beispiel für Demokratie

13.01.2017

Pressemitteilung der Stadtbibliothek Bremen und der VGH-Stiftung
Die Gefangenen-Bibliothek Bremen wurde am 12. Januar 2017 mit dem Bibliothekspreis der VGH-Stiftung 2016 ausgezeichnet. Die Jury des Bibliotheks-Preises würdigt mit der Preisvergabe den Modell-Charakter der Einrichtung: Sie ist deutschlandweit die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek hinter Gefängnismauern. Damit wird die Bremer Stadtbibliothek in vorbildhafter Weise ihrer gesetzlich definierten Aufgabe gerecht, der Bevölkerung einen ungehinderten Zugang zu Informationen und Teilhabe zu gewährleisten. Dass dies auch für den inhaftierten Teil der Bevölkerung gilt, wird ausdrücklich in Art. 28 der Europäischen Strafvollzugsgrundsätze bestätigt.

Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, Barbara Lison (Stadtbibliothek Bremen) und Frank Müller (VGH), jpg, 68.5 KB
Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, Barbara Lison (Stadtbibliothek Bremen) und Frank Müller (VGH)

Bei der Preisvergabe in der JVA, lobte Bürgermeister und Kultursenator Dr. Carsten Sieling die Preisträger mit den Worten: „Der Zugang zu kultureller und politischer Bildung hört in Bremen nicht an den Gefängnismauern auf. Lesen ist ein Menschenrecht, welches hier seit vielen Jahren von zahlreichen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgesetzt wird. Dafür meinen herzlichen Dank.“ Justizsenator Martin Günthner: „Wir sind froh und dankbar über den
hervorragenden Beitrag der Gefangenen-Bibliothek zur Integration durch Kultur und Bildung, gerade auch unter den ganz besonderen Bedingungen und Aufgabenstellungen des Strafvollzugs“. Bibliotheksdirektorin Barbara Lison nahm den Preis von Frank Müller, Mitglied des Vorstandes der VGH entgegen und bedankte sich: „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freuen sich über diese Anerkennung ihrer Arbeit und ihres Engagements. Wir betrachten diesen Preis auch als Aufforderung, die Dienstleistungen dieser Bibliothek kontinuierlich auf die aktuellen und zukünftigen Bedarfe weiterzuentwickeln.“

Die Bremer Strafgefangenen können aus 8.000 Medieneinheiten in einem Freihandbereich wählen, hinzu kommt der ungehinderte Zugang zum Verbund der Bremer Bibliotheken. Die Jury zeigte sich insbesondere von der Nutzungsintensität der JVA-Bibliothek beeindruckt: Bei 450 Haftplätzen verzeichnet sie jährlich an die 10.000 Besuche. Aus Sicht der Jury beweist dies eindrucksvoll, welche bildungspolitischen Potentiale in Bremen genutzt werden. Mit der Preisvergabe ist daher die Hoffnung verbunden, dass das Bremer Beispiel auch andernorts Aufmerksamkeit erfährt. Dazu Henning Bleyl, Kulturredakteur der taz nord und Mitglied der Jury für den Bibliothekspreis der VGH-Stiftung: „Gefängnis-Bibliotheken sind aus meiner Sicht als ‚Stiefkinder des öffentlichen Bibliothekswesens‘ zu bezeichnen – obwohl sie sich einer Klientel widmen, für die das Lesen in einem sonst nirgendwo anzutreffenden Maß über all jene Qualitäten verfügt, die ihm immer zugeschrieben werden: Lesen als Selbstermächtigung. Lesen als Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit. Lesen als Flucht aus dem Alltag. Wenn Haftanstalten ‚geistige Freiräume‘ beherbergen sollen, dann erfüllt die Gefängnisbibliothek diesen Anspruch in besonderem Maß.“

Die Jury lobte darüber hinaus die vorbildliche Zusammenarbeit von Justiz- und Kulturressort, die das Bremer Modell ermöglicht. Während das Kulturessort als Träger der Stadtbibliothek die Kosten für Fachpersonal und professionelle Bibliotheksstrukturen übernimmt, ist Justiz für Sach- und Anschaffungskosten zuständig. Auf diese Weise werden auch innerhalb des JVA qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Neben den hauptamtlichen Kräften arbeiten in der Anstalts-Bibliothek drei Gefangene mit, ein weiterer aus dem U-Haft-Bereich.

Der Bibliothekspreis wird von der VGH-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Niedersachsen e.V. im Deutschen Bibliotheksverband e.V. jährlich vergeben. Der Preisträger wird auf Jury-Vorschlag benannt. Ausgezeichnet werden Spitzenleistungen in unterschiedlichen Bereichen der Bibliotheksarbeit. Damit soll die Bedeutung von Bibliotheken für die Gesellschaft hervorgehoben werden. Der Bibliothekspreis der VGH-Stiftung ist mit 5.000 Euro dotiert, mit ihm sollen Projekte der Bibliothek unterstützt werden. Im Jahr 2015 wurde die Stadtbibliothek Osnabrück für ihr überzeugendes Konzept der Integration von Zuwanderern ausgezeichnet.

Jurymitglieder 2016

  • Günter Bassen, Geschäftsführer der Büchereizentrale Niedersachsen
  • Henning Bleyl, Journalist, taz nord
  • Felicitas Hundhausen, Direktorin der Universitätsbibliothek Osnabrück
  • Ellen van der Loos, Landesverband Niedersachsen e.V. im Deutschen Bibliotheksverband
  • Dr. Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin der VGH-Stiftung

Foto: Stadtbibliothek Bremen